Schweiz: Jäger schoss Schafe durch Nachtzielgerät

Der Jäger, der Anfang Januar vier Schafe erschossen hat (JAWINA berichtete), weil er sie mit Wildschweinen verwechselte, nutzte bei der Tat ein Nachtsichtzielgerät, dessen Einsatz vom Kanton Thurgau genehmigt worden war. Das verdeutlicht, dass der Einsatz der von manchen als jagdliches Universalheilmittel gepriesenen Nachtsichtzieloptiken nicht ohne Risiko ist: Erst vor wenigen Monaten hat ein amerikanischer Jäger mit einem Wärmebildzielgerät eine Frau erschossen (JAWINA berichtete). Die Frau kniete bei der Schussabgabe, was zu der verhängnisvollen Verwechselung mit einem Wildtier geführt haben mag. Abgesehen davon, dass der Einsatz von Nachtsichtzieloptiken in Deutschland immer noch weitgehend illegal ist, sollte das Gefahrenpotenzial der Geräte nicht ignoriert werden.

Das Problem liegt zum einen in der vergleichsweise geringen Auflösung der Geräte, die dazu führt, das Ziele auf weitere Entfernungen und/oder unsichtigem Wetter (z.B. Nebel) nur als wahlweise schwarzer, weißer oder grünlicher Fleck wahrgenommen werden. Auch ist aufgrund eingeschränkter Reichweite bei manchen Geräten mitunter nicht zu erkennen, ob durch einen Schuss das Hinterland gefährdet wird bzw. ein sicherer Kugelfang gewährleistet ist. Die Technik vermittelt dem Anwender den Eindruck, nachts sehen zu können – doch die empfundene Sicherheit ist trügerisch. Schüsse auf weitere Entfernung sollten – egal ob mit herkömmlicher oder Nachtsichtzieloptik – bei Dunkelheit grundsätzlich unterbleiben. Es ist sicherer – und übrigens auch jagdlich anspruchsvoller – die Stücke so nahe anzugehen, bis sicheres Ansprechen zweifelsfrei möglich ist.

Dass auf diese Weise doch einmal ein Stück Wind bekommt oder durch einen knackenden Zweig vergrämt wird, ist hinzunehmen. Nachtaktive Jäger sollten sich immer wieder die möglicherweise furchtbaren Konsequenzen eines Fehlers vor Augen halten. Wie groß die Gefahr ist, in der Dunkelheit einer Täuschung zu unterliegen, wird jeder Jäger bestätigen können, der nachts schon einmal unbelebte Objekte (Autoreifen, Baumstümpfe, Hydranten etc.) angepirscht hat, die für Wildtiere gehalten wurden, oder bei der Bergung des Stücks enttäuscht feststellen mussten, dass der vermeintliche Lebenskeiler sich als schwacher Überläufer entpuppte.

Der Schweizer Jäger, der versehentlich die Schafe füsiliert hat, sei “am Boden zerstört”, berichtet das Tagblatt. Seine Jagdkarte hat er freiwillig abgegeben. SE

Beitragsbild: Verwechslungen möglich – Blick durch Wärmebildkamera. Foto: privat

2 Gedanken zu „Schweiz: Jäger schoss Schafe durch Nachtzielgerät

  1. Ronbi

    Alles, was mit scharfen Waffen zusammenhängt ist gefährlich und braucht besondere Verantwortung.
    Nachtzielgerät ist auch ein starkes Zielfernrohr.
    Wärmebildgeräte sind zwar Mode aber ungenau.
    Restlichtverstärker, nicht erlaubt und nicht die allein seligmachende Lösung, aber eine Möglichkeit.
    Nur gute Qualität ist extrem teuer.

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  2. Grimbart

    Ein Schaf hätte ich ja noch verstanden, aber vier? Wer hat denn schon mal erlebt, dass eine Rotte nach dem Schuss seelenruhig stehen bleibt?

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