Schweiz: Breites Bündnis gegen Jagdverbot im Kanton Zürich

Am 23. September stimmen die Wahlbürger des Schweizer Kantons Zürich über die von Tierschützern und Jagdgegner lancierte Initiative “Wildhüter statt Jäger” ab. Die Initiative verfolgt das Ziel, das bestehende Jagdsystem der sogenannten Milizjagd abzuschaffen, bei dem lokale Jagdgesellschaften für die Hege und Pflege der Wildbestände zuständig sind. Nach dem Wunsch der Initianten sollen nach dem Vorbild des Kantons Genf stattdessen vom Staat bezahlte Wildhüter das Wildtiermanagement übernehmen. Diesem Ansinnen stellt sich ein breites Bündnis aus Jägern und Landwirten und Politikern aus dem gesamten politischen Spektrum entgegen. Regierungsrat und Kantonsrat lehnen das Begehren ab, wie die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) berichtet, “und zwar einstimmig.” Auch der Schweizer Naturschutzverband Pro Natura lehnt die Initiative ab.

Um den Verband Jagd Zürich hätten sich alle politischen Lager versammelt, die sich in der Ablehnung der Staatsjäger einig sind. Es wurde eigens ein Verein “Jagd schützt, Jagd nützt” gegründet, um den “Scheinargumenten und emotionalen Anschuldigungen” der Jagdgegner zu begegnen, wie der Präsident von Jagd Zürich, Christian Jacques, gegenüber der NZZ formulierte.

Das Verbot der Milizjagd, so führt Jacques aus, würde zu einem unkontrollierten Wachstum des Wildbestandes führen und massive Wildschäden in Wald und Feld zur Folge haben. Auch die Zahl der Wildunfälle würde sich erhöhen. “80 bis 90 staatliche Wildhüter könnten die Regulierung nicht so gewährleisten wie die 1300 Jägerinnen und Jäger”, sagte Jaques in der NZZ: “Dem Kanton würden zusätzliche Kosten von 25 bis 30 Millionen Franken entstehen, heute sei es lediglich etwa eine Million Franken.” Eine natürliche Regulierung durch Raubtiere funktioniere im dicht besiedelten Kanton Zürich nicht, erkennt sogar der grüne Kantonsrat Robert Brunner.

Der EVP-Kantonsrat Beat Monhart setzt sich auf der Seite des Vereins “Jagd schützt, Jagd nützt” ausführlich mit den Argumenten der Jagdgegner auseinander. Nach dem Willen der Initianten würde das Wildtier-Management die Jagd ersetzen: “Hobbyjagd und Milizjagd werden komplett abgeschafft. Das Eingreifen bei kranken oder verletzten Wildtieren erfolgt ausschließlich durch vom Kanton angestellte Wildhüter. Bei Schäden durch Wildtiere – z. B. durch Wildschweine an landwirtschaftlichen Kulturen – haftet der Kanton, sofern alle zumutbaren Maßnahmen zur Schadensverhinderung respektive Schadensminderung durch die Landbesitzer getroffen wurden.”

Die Wildhut, Monhart weiter, könne nur dann regulierend eingreifen, wenn alle anderen erdenklichen Schutzmaßnahmen nicht erfolgreich waren. Die anzuwendenden Maßnahmen würden dabei durch eine unabhängige Fachkommission bestimmt. Diese bestehe paritätisch aus Wildhütern, Wildtierbiologen, Veterinären und Vertretern aus Tier- sowie Artenschutzorganisationen.

Die Initiative «Wildhüter statt Jäger» enthalte “sicher ehrenwerte Elemente”, meint Monhart, sie schieße aber – nicht nur aus Sicht der EVP-Fraktion, sondern aus Sicht aller 180 Mitglieder des Kantonsrats – weit übers Ziel hinaus und werde deshalb dem Zürcher Stimmvolk zur Ablehnung empfohlen. “Eine komplette Selbstregulierung des Wildbestandes würde unseres Erachtens nicht zu weniger, sondern zu wesentlich höheren Wildschäden führen. Auch die grundsätzliche Abschaffung der Jagd und die komplette Ablösung aller Jäger durch ein paar wenige Wildhüter wird den Herausforderungen im Kanton Zürich nicht gerecht. Der Kanton Genf, der von den Initianten als Vergleich bemüht wird, lässt sich definitiv nicht mit Zürich vergleichen. Der Kanton Zürich stellt bereits heute ein professionelles Wildtiermanagement sicher.”

“Damit die Jagd auch langfristig in der Bevölkerung eine breite Akzeptanz aufweist, dürfte es aber von zunehmender Wichtigkeit sein, dass im Rahmen der neuen Jagdgesetzgebung der Lebens- und Artenschutz besonders hervorgehoben wird”, findet der EVP Politiker.

Die Jagd solle grundsätzlich stärker auf ökologische Zielsetzungen ausgerichtet, jdoch nicht grundsätzlich in Frage gestellt bzw. abgeschafft werden. Worauf dies zunächst hinauslaufen könnte, deutet die NZZ an: Ein Politiker fordert die Einschränkung von Bewegungsjagden, und das Verbot der Baujagd auf Füchse und Dachse würden die Jäger laut Jagd-Zürich-Präsident Jacques akzeptieren. Um das Milizjagdsystem zu erhalten und ein weitgehendes Jagdverbot abzuwenden, werden die Zürcher Jäger wohl einige Salamischeiben drangeben müssen. SE

Beitragsbild: Hochsitze (Symbolbild). Foto: SE

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