Schweden: “Target elimininated” – Gericht spricht Wolfsschützen frei

Das Bezirksgericht von Södertälje in der schwedischen Provinz Stockholms län hat einen Jäger freigesprochen, der einen Wolf erschossen hat, um seinen Hund zu retten. Wie die schwedische Jagdseite Svensk Jakt berichtet, kam das Gericht in dem dreitägigen Verfahren zu dem Urteil, dass die Schilderung des Wolfsangriffs durch den Jäger den Tatsachen entsprach. Demnach hat der Jäger einen unmittelbar bevorstehenden Angriff eines Wolfs auf ein Haustier in Übereinstimmung mit § 28 der schwedischen Jagdverordnung durch die Tötung des Raubtiers abgewehrt. Bevor er schoss, habe er laut geschrien und einen Warnschuss abgegeben und damit alles getan, um den Wolf nach Möglichkeit zu vertreiben. Die von der Staatsanwaltschaft vorgetragene Beschuldigung, der Jäger habe den Wolf nach dem Ende der offiziellen Wolfsjagd bewusst angelockt und seinen Jagdhund gewissermaßen als Köder benutzt, wies das Gericht als unbewiesen zurück. Der Jäger hatte nach dem Abschuss verschiedene Leute angerufen und Textnachrichten verschickt, in denen er den Tod des Wolfs verkündet habe. Unter anderem schrieb er “The target is eliminated” (Das Zielobjekt ist ausgeschaltet). Dies Staatsanwaltschaft interpretierte dies als Hinweis auf eine geplante Vorgehensweise.

Auch dies wies das Gericht zurück. Die Formulierung möge unglücklich oder für manche gar unakzeptabel scheinen, heißt es in der Urteilsbegründung, liefere aber keinen Hinweis auf eine kriminelle Tatbegehung. Zwar deuteten viele der von dem Jäger geschriebenen und empfangenen Textnachrichten auf eine feindselige Haltung gegenüber dem Wolf hin, dies sei jedoch als Jargon oder scherzhaft zu werten. Das Gericht wies darauf hin, dass das Wolfsthema in der Region ein wichtiges Problem sei und äußerst kontrovers diskutiert werde – nicht zuletzt, weil sich die Menschen Sorgen um ihre Haustiere machten. Das Gericht betonte, dass Zeugenaussagen, eine Begehung des Tatorts durch Experten und auch die Autopsie des Wolfs die Aussagen des Jägers bestätigt hätten. SE

Beitragsbild: Ungeschickt, aber nicht ausreichend für eine Verurteilung – nach Wolfabschuss verschickte SMS. (Symbolbild)

Die Red. dankt JAWINA-Leser JS für den Hinweis!

3 Gedanken zu „Schweden: “Target elimininated” – Gericht spricht Wolfsschützen frei

  1. Thomas

    In Schweden haben sie das Gehirn noch nicht ausgeschaltet. In DE wuerde ich das nicht versuchen, da sind alle Scheine weg und eine saftige Geldstrafe noch oben drauf.

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  2. Ralf

    Zumindest Notstand dürfte vorgelegen haben.
    Wenn ich lese dass die Staatsanwaltschaft unterstellt hatte, dass der “…Hund als Köder eingesetzt…” worden sei, dann kann man froh sein, dass das Gericht diesem Ansatz nicht gefolgt ist!
    Es ist vielleicht nur im Ansatz vergleichbar, aber geht in die selbe Richtung:
    Wenn man als Jäger seinen Hund bei der Jagd nicht mehr führen darf, weil dieser ja einen Wolf oder gar ein Wolfrudel durch seine bloße Anwesenheit anlocken könnte, dann muss ich im nächsten Schritt dem Wald fernbleiben, weil ich wegen fehlender Verfolgung der Wölfe durch uns Menschen ins Beuteschema der Wölfe rücken könnte und ich sie durch meine alleinige Anwesenheit anlocken könnte?

    Sehr absurd das Ganze! Muss man in Zukunft auch sein Haus in einen Hochsicherheitstrackt verwandeln, weil es ja sonst heißen könnte, dass man bezüglich eines möglichen Einbruches selbst Schuld sei? Man habe die Täter dadurch ja quasi angelockt? Wäre es dadurch keine Straftat mehr? Ich will jetzt nicht einen weiteren Vergleich mit den Worten “leicht bekleidet” und “Vergewaltigung” herstellen- aber wie weit soll das Ganze mit den Wölfen gehen?

    Das Tier “Wolf” wurde in erster Linie durch die Naturschutzverbände zu einem- im wahrsten Sinne des Wortes gesehen- “Goldenen Kalb” hochstilisiert auf eine Schutzstufe, bei der es uns Menschen derzeit schwerzufallen scheint, rationelle Entscheidungen zum Schutz der Menschen und deren Eigentum zu fällen. Warum?

    Frau Hendricks lehnt es kategorisch ab, Wölfe dezimieren zu lassen. Sie hatte laut Presse alles versucht, Einfluss auf die GroKo-Verhandlungen, an denen sie nicht habe teilnehmen dürfen, bezüglich “pro Wolf” zu regeln. Und Herr Miersch ist Nabu-Mitglied. Was wird da wohl Neues passieren?
    Was steht auf dem Reichstagsgebäude? “DEM DEUTSCHEN VOLKE”. Ich habe den Eindruck, dass man ein falschverstandenes Verantwortungsbewusstsein vorschiebt, um eine surreale Wirklichkeit zu “verkaufen”, zu schaffen, bzw. zu erhalten.
    Wir leben offensichtlich in einer verstädterten Gesellschaft, in dem das Eigentum relativ und die heile Natur in unserer Kulturlanschaft gewünscht ist.
    Dietmar Wischmeyer bringt es auf den Punkt:
    radioeins.de/programm/sendungen/der_schoene_morgen/wischmeyers_schwarzbuch/der-wolf.html

    “Die Sicherheit der Menschen steht an erster Stelle”
    Siehe
    youtube.com/watch?v=Vr19Sn74TRg
    Aber wie wird die Sicherheit garantiert? Dazu wurde nichts genannt! Wichtig war in vielen Pressemitteilungen, dass Wenzel sagen konnte, dass der Wolf so streng geschütz sei und man deshalb nichts habe machen können.

    Den Schutzstatus kann man ändern, wenn man denn will. Wäre es gegen die Wölfe? Wohl kaum!
    Ich als Jäger würde mich dem Wolf eher verpflichtet fühlen und hätte eher die Chance, wirksam gegen Jungwölfe zu agieren, wenn sie sich den Menschen zu dicht näherten. Von erneuter Ausrottung zu sprechen, entbehrt jeglicher Grundlage und wäre auch aufgrund des kontinuierlichen Zuzuges aus dem Osten eher unwahrscheinlich.

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