Schweden: Keine Lizenzjagd auf Wölfe in 2020

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Die schwedische Umweltbehörde Naturvårdsverket hat beschlossen, dass es im Winter 2020 keine Lizenzjagd auf Wölfe geben wird. Die aktuelle Bestandsschätzung zeige, dass es in Schweden etwa 300 Wölfe und kein Populationswachstum im Vergleich zum Vorjahr gebe, teilt die Behörde in einer Presseerklärung mit. Die schwedische Population befinde sich somit am Rande dessen, was für die Erreichung eines günstigen Erhaltungszustands der Art als notwendig erachtet wird. Die schwedische Wolfspopulation muss sich auf mindestens 300 Individuen belaufen, um einen günstigen Erhaltungszustand attestiert zu bekommen, außerdem muss sich mindestens alle fünf Jahre ein eingewanderter finnisch-russischer Wolf mit einem skandinavischen Wolf zwecks Auffrischung des Genpools verpaaren. Im Jahr 2020 wird die Behörde auf Grundlage der aktuellen Bestandsschätzung neu entscheiden. Die Schutzjagd auf Wölfe ist weiterhin möglich.

Kritik von Jagdverband und Politikern

Der Vorsitzende des Schwedischen Jagdverbandes Jagareforbundet, Torbjörn Larsson, hat die Entscheidung der Umweltbehörde auf der Internetseite SvenskJakt scharf kritisiert: Es sei offensichtlich, dass es jedes Jahr eine Lizenzjagd geben müsse, erklärte Larsson, egal wie viele Wölfe es gebe. Die Arbeit der Behörde sei schon viel zu lange von der Realität abgekoppelt: “Die Situation ist die, dass diejenigen, die unter dem Wolf leiden, nicht mehr an die Bereitschaft und Fähigkeit der Behörden glauben, mit dem Wolf umzugehen”, so Larsson.

Der wahre Grund für die Aussetzung der Lizenzjagd ist nach Ansicht des schwedischen Jagdverbands die Annahme einiger Forscher, dass illegale Bejagung für die Abnahme der Wolfspopulation verantwortlich ist. “Der schwedische Jagdverband ist gegen jede Form der illegalen Jagd”, erklärt Larsson auf SvenskJakt: “Deshalb ärgert es mich, wenn die Maßnahmen der Umweltbehörde den Nährboden dafür schaffen.”

Die seit Jahren erfolgende Behinderung der Wolfsjagd sei “ein Verrat an allen Menschen, die sich für ein legales Wolfsmanagement einsetzten.” Wenn illegale Jagd das Problem ist,  dann sollten die Behörden handeln, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, findet Larsson. Leider geschehe das Gegenteil.

Auch aus der Politik war mitunter harsche Kritik an der Entscheidung der Umweltbehörde zu hören: Der christdemokratische Abgeordnete Kjell-Arne Ottosson erklärte, die Entscheidung zeige, dass diejenigen, die unter der Anwesenheit des Wolfes leiden, in keiner Weise berücksichtigt werden. Leidtragender der Entscheidung sei die Landbevölkerung, die in den Wolfsgebieten lebt und arbeitet. Die Provinz Värmland beherberge etwa 40 Prozent der schwedischen Wolfspopulation auf vier Prozent der schwedischen Landfläche. Es sei abzusehen, dass es zu Konflikten kommen werde.

Ottosson machte gegenüber SvenskJakt auf einen Widerspruch in der Argumentationsweise der Umweltbehörde aufmerksam: “Die schwedische Umweltschutzbehörde behauptet, der Grund, für die Stagnation der Wolfspopulation sei die illegale Jagd. Gleichzeitig argumentieren die Forscher, dass die illegale Jagd das Misstrauen gegenüber dem staatlichen Raubtiermanagement zum Ausdruck bringe und dass legale Jagd der illegalen Jagd entgegenwirken würde.” Jagdverbote und Einschränkungen des legalen Wolfsmanagements sind folglich kontraproduktiv. SE

Beitragsbild: Pressemitteilung der schwedischen Umweltbehörde Naturvårdsverket zur Absage der Lizenzjagd auf den Wolf 2020. (Screenshot, Ausschnitt)

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