Schweden: Forstbehörde will Elchbestand halbieren

Andere Länder, altbekannte Interessenkonflikte: Die schwedische Forstbehörde (Skogsstyrelsen) will die Hälfte des Elchbestands abschießen lassen, um den Verbiss zu mindern. Der schwedische Jagdverband (Jägareförbundet) spricht in SvenskJakt von einem “Propagandakrieg gegen den Elch“: Das nationale Symboltier solle auf dem Altar der Holzindustrie geopfert werden.

In einem von der Forstbehörde in Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden und der Holzindustrie erstellten Report wird das Jagdsystem in Schweden kritisiert: Demnach hätten die Waldbesitzer – das sind oft große Holzfirmen – zu wenig Einfluss auf den “tatsächlich ausgeübten Jagddruck.” Dabei käme den Wäldern eine entscheidende Rolle beim Einstieg in eine Wirtschaft ohne fossile Brennstoffe zu. Um ein “Gleichgewicht” zwischen Schalenwild, verfügbarer Äsung, Waldschäden und Wildunfällen herzustellen, schlägt der Report die Halbierung der Elchpopulation vor. Diese machtvolle Reduktion sei die einzige Möglichkeit, die propagierten Ziele zu erreichen. Der Naturschutzverband Schwedens soll sich SvenskJakt zufolge bereits von diesem Teil des Reports distanziert haben.

Waldschäden seien “eine Bedrohung für Schwedens Entwicklung”, sagte Erik Normark, bei der Forstbehörde zuständig für Waldbau und einer der Autoren des Reports, gegenüber SvenskJakt: “Aber wir wollen die Jäger auf unserer Seite haben”, fuhr Normark fort, “Denn sie werden die Arbeit erledigen müssen.”

Daraus dürfte wohl nichts werden: Der schwedische Jaddgverband hat entschlossenen Widerstand angekündigt: Das Ziel, die Elchpopulation zu halbieren, sei inakzeptabel. In im Jahr 2008 durchgeführten Waldverträglichkeitsprüfungen habe die Forstbehörde festgestellt, dass die Probleme bei der Verjüngung der schwedischen Wälder zum größten Teil daraus resultierten, dass dabei auf die falschen Baumarten gesetzt werde. Alle Untersuchungen zeigten, dass der Zusammenhang zwischen der Anzahl der Elche und Waldschäden sehr gering, die Beziehung zwischen Verjüngung mit ungeeigneten Baumarten und Waldschäden jedoch sehr stark sei.

An der Situation habe sich seit 2008 nicht verbessert, es sei, im Gegenteil, schlimmer geworden. Die Jäger hätten den Elchbestand bereits deutlich abgesenkt, um den Waldbesitzern zu helfen. Die weitergehenden Forderungen der Forstbehörde hätten offensichtlich den Zweck, das Versagen der Forstbehörde zu bemänteln. Dafür werde der Elch den Interessen der Forstindustrie geopfert. SE

Beitragsbild: Elchjagd (Archivbild). Foto: SE

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