Schwarzwildbejagung: DJV stellt 6-Punkte-Katalog für Vereinfachungen vor

Anlässlich der heutigen “Nationalen ASP-Präventionskonferenz” im Bundeslandwirtschaftsministerium stellt der DJV seine Forderungen für eine Vereinfachung der Wildschweinjagd vor.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat für heute Vertreter aus Forschung, Ministerien und Jagd nach Berlin geladen zur “Nationalen ASP-Präventionskonferenz”. Der Deutsche Jagdverband (DJV) weist vor diesem Hintergrund darauf hin, dass eine Einschleppung des Virus der Afrikanischen Schweinepest (ASP) durch verstärkte Jagd allein nicht verhindert werden kann. Vielmehr müssen insbesondere Fernfahrer aus europäischen Risikogebieten stärker kontrolliert werden, ebenso wie Raststätten entlang von Transitstrecken: Laut Experten haben achtlos weggeworfene Reste von verseuchter Rohwurst maßgeblich zur bisherigen Verbreitung der ASP beigetragen, Sprünge von mehreren 100 Kilometern in kürzester Zeit sind dokumentiert. Im Sinne der Prävention hält der DJV eine weitere Reduzierung der Wildschweinbestände für notwendig: Sollte das ASP-Virus den Sprung nach Deutschland schaffen, wäre dann zumindest die natürliche Ausbreitung reduziert. Diese beträgt etwa 20 Kilometer pro Jahr.

Eine noch intensivere Bejagung der Wildschweine kann nur erfolgreich sein, wenn Politik, Behörden, Landwirte und Jäger Hand in Hand zusammenarbeiten. Der DJV hat dazu heute einen 6-Punkte-Katalog mit Forderungen veröffentlicht, der die Jagd erfolgreicher machen soll.
1.  Anlegen von Bejagungsschneisen in allen Feldkulturen, besonders Raps, Mais, Weizen
Ohne Schneisen können 6,8 Millionen Hektar Feldfläche (ein Viertel Deutschlands) von Mai bis Oktober kaum bejagt werden, weil die Vegetation zu hoch ist. Dort wandern Wildschweine im Sommerhalbjahr ein.

2.  Aufheben von Jagdverboten in Naturschutzgebieten
Feuchte Lebensräume mit Deckung wie Schilfgürtel oder Bruchwälder sind beliebte Rückzugsgebiete für Wildschweine.

3.  Ganzjährige Bejagung von Wildschweinen in Staats- und Bundesforsten sowie großen Privatforsten

4.  mehr Revier übergreifende Wald-Bewegungsjagden im Winterhalbjahr
Wildschweine haben vergleichsweise große Reviere, eine großflächige Bejagung ist deshalb sinnvoll. Behörden müssen die notwendige Verkehrssicherungspflicht unbürokratisch und kostenfrei unterstützen, am besten mit Personal. Ferner sollten Revierinhaber zur Duldung unbeabsichtigten Überjagens von Hunden verpflichtet sein.

5.  Vergünstigungen für Ausbildung und Einsatz von Jagdhunden für die Wildschweinjagd
Für die effektive Wildschweinjagd in Dickungen und Wald sind gut ausgebildete Stöberhunde unerlässlich. Tierschutzgerechte Ausbildung und Schutzausrüstung der Jagdhunde sind teuer, der Jagdeinsatz aufwendig. Eine finanzielle Unterstützung durch die Behörden ist erforderlich. Denkbar wäre auch eine Befreiung von der Hundesteuer.

6.  Zulassung von der “kleinen Kugel” für gestreifte Frischlinge
Für gestreifte Frischlinge müssen bundesweit Patronen zugelassen werden, die eine Mindestenergie von 1.000 Joule auf 100 Meter Entfernung haben. Bisher sind 2.000 Joule vorgeschrieben. Geschosse mit dieser Energie können allerdings bei kleinen Frischlingen für so starke Verletzungen sorgen, dass das Wildbret nicht mehr verwertbar ist.

Die bundesweite Aufhebung von Schonzeiten für Wildschweine begrüßt der DJV. Der Dachverband der Jäger weißt darauf hin, dass dies nicht die Aufhebung des Elterntierschutzes bedeutet: Bachen, die gestreifte Frischlinge säugen, dürfen auch weiterhin nicht erlegt werden. Im vergangenen Jagdjahr haben Deutschlands Jäger knapp 600.000 Wildschweine erlegt – das vierthöchste Jagdergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1930er Jahren. Nach Auffassung des DJV ist die Jagd alternativlos, um Wildschweinbestände zu reduzieren. Die “Pille für das Wildschwein” lehnt der DJV als Unsinn ab. PM

Beitragsbild: Nur wenn Politik, Behörden, Landwirte und Jäger Hand in Hand zusammenarbeiten, kann eine noch intensivere Bejagung der Wildschweine erfolgreich sein. Quelle: DJV

7 Gedanken zu „Schwarzwildbejagung: DJV stellt 6-Punkte-Katalog für Vereinfachungen vor

  1. Ronbi

    Wie hoch wird der Wildschweinbestand sein, nach dieser russischen Frostpeitsche?
    Wenn ein Wildschwein sich mit ASP infiziert hat, läuft es stracks zur nächsten Schweinemastanlage oder sondert es sich ab und verendet?

    Das Schwarzwild, wenn bejagt, ist meist nachtaktiv und ruht tagsüber.

    Die effektivste Bejagung von Schwarzwild, das zeigen die Länder, wo es erlaubt ist, funktioniert mit am Gewehr montierten Retlichtverstärker, Laserzielpunktgerät und Schalldämpfer.

    Die Waidgerechtigkeit ist gegeben, da es darum geht, Wild so qualfrei, wie möglich zu erlegen.

    In den USA gibt es einen Hersteller, der die Zieloptik und -elektronik von Panzern oder Jagdjets in Gewehre integriert.
    Damit wird etwa ein Elfjähriger ohne Vorkenntnisse zum Scharfschützen mit 99% Erfolg auch auf weite Distanzen.
    Interessant oder?

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  2. Grimbart

    Wie habe ich es nur geschafft zwei Frischlinge seit Freitag zu schießen ohne Nachtzieloptiken und Schalldämpfer? Ich kann zwar nicht bei jedem Licht jagen, aber mit Leuchtpunkt und einem guten Glas geht schon sehr viel. Ich möchte kein Schädlingsbekämpfer werden, sondern waidgerecht jagen. Dazu gehört auch ein gewisses Maß an Können und nicht nur die reine Videospielmentalität eines Elfjährigen.

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    1. ahe

      Da haben wir wieder den Klassiker, die Neid-/ Angstdebatte innerhalb der Jägerschaft versus Fortschritt. Erinnert mich irgendwie an die elendige bleifrei Debatte.
      Warum immer diese ablehnende Haltung zu etwas mehr technischer Aufrüstung die durchaus ihren Sinn macht und bei der Lösung aktueller Probleme helfen bzw. unterstützen kann. Es bleibt immer noch genügend weidgerechtes Jagen übrig. Es geht ledeglich darum die Nacht etwas heller zu machen um besser Auffinden, Ansprechen und Zielen zu können. Wir schneiden uns mit solch einer Haltung ins eigene Fleisch. Wollen wir warten bis die Staatsforsten anfangen Saufänge aufzustellen oder noch schlimmer die Grünen Ihre Antibabypille in die Wälder schmeissen. Das wir unter Anwendung jagdlicher Traditionen die steigenden Sauenbestände flächendeckend runterbekommen nimmt uns sowieso derzeit keiner mehr ab. Die drohende ASP und deren politische Ausschlachtung tut Ihr übriges. Wir sollten uns hier nicht unter Druck setzen lassen sondern Forderungen aufstellen. Insofern fehlt da bei der DJV Auflistung zur Erhöhung der Sauenstrecke was entscheidenes!
      Die von Ronbi angesprochende Thematik hat überhaupt nichts mit Schädlingsbekämpfung zu tun. Der Einsatz von NZG/NSG und WBK sowie SD auf Sauen wäre effektiv, störungsarm und tierschutzgerechter (weidgerechter!) als die herkömmliche Klumpenschiesserei. Allein schon der letze Punkt sollte uns ein Anliegen sein. Es spricht rein garnichts gegen diese Technik. Wer in seinem Revier die technischen Möglichkeiten nicht einsetzen will oder kann soll weiterhin so Jagen wie bisher aber nicht gegenüber anderen die weidgerechte Moralkeule rausholen.

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  3. Grimbart

    Jetzt stellen wir uns doch mal vor, alles was gut und teuer ist, wird erlaubt. Gegen Schalldämpfer habe ich noch nicht mal etwas einzuwenden, denn die Gesundheit hat Vorrang und ein angenehmer Nebeneffekt ist die geringe Blendung. Unser Wild käme gar nicht mehr zur Ruhe, denn an 365 Tagen würde Dampf gemacht werden. Das hat sehr wohl etwas mit Schädlingsbekämpfung zu tun. Fordern sollten wir Bejagungsschneisen, kostenlose Trichinenschau, Hilfe bei der Vermarktung. Warum sollen wir für alle Fehler der Politik geradestehen? Mit einer ausufernden Technisierung schaden wir dem unseren Ansehen. Ich komme gerade aus dem Revier und habe den „Klumpen“ nicht beschossen. Zur Jagd gehört auch mal den Finger gerade lassen zu können und nicht auf Teufel komm raus Beute zu machen. Morgen versuche ich es wieder.

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  4. Grimbart

    Was Angst und Neid damit zu tun haben ist mir auch nicht klar. Leisten könnte ich mir das und wovor soll ich Angst haben? Doch, ein wenig Angst habe ich schon, dass im Zuge der ASP-Debatte alle Dämme brechen was die Bejagung des Schwarzwildes anbelangt. Jetzt fallen die Fehler in der Landwirtschafts- und Energiepolitik den Entscheidern vor die Füße und das Wild und die Jäger sollen es ausbaden. Weniger Mais als Energiepflanze und statt dessen Wildkräuter würde schon eine Menge bringen, nur eben weniger Ertrag. Bisher durften wir gerne den Zahlmeister spielen und jetzt sollen wir die Kastanien aus dem Feuer holen und wir schreien auch noch Hurra! Verstehe das wer will.

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  5. Ronbi

    Mir missfällt, dass offensichtlich Schwarzwild zum Sündenbock gemacht wird, gar von Kampf und Schädlingen gesprochen wird.

    Gründe Schwarzwild zu Bejagen gibt es viele.

    Nur scheint in vielen Amtsstuben Hysterie und Panik ausgebrochen zu sein.

    Wie kann man, Saufänge wieder ausgraben.

    Hier wird das Schwarzwild zum Sündenbock gemacht, derweil die richtigen Böcke auf zwei Beinen herumlaufen.

    Wenn aber Schalldämpfer, Nachtsichttechnik oder einfache Beleuchtung aufgerufen werden.

    Warum soll dies nicht in waidgerechter Form allgemein ins Jagdrecht, auf Dauer, Einzug halten.

    Wer es machen will, tut es und der andere lässt es.

    Wobei die einfachste Form wären, Schalldämpfer und farbiges Licht.

    Wohlgemerkt es geht hier nicht um Blendung der Tiere, sondern um mehr Einsicht ins Geschehen.

    Rot- oder Grünlicht fest an der Waffe oder an der Kanzel, ist nicht der Untergang sondern, nur eine Möglichkeit.

    Auf YouTube reichlich Anschauungsvideos.

    Anderswo, im nicht minder ehrlichen Jagdgeschehen, seit Ewigkeiten, Gang und Gäbe, wie auch elektronische Nachtsichttechnik.

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  6. Allons!

    Bejagungsschneisen und mehr revierübergreifende Drückjagden sind doch eher eine Sache von Absprachen vor Ort. Landwirte brauchen halt für die Schneisen eine Form von Kompensation, die über das Versprechen von weniger Wildschäden hinaus geht. Schalldämpfer wären bundesweit eine Sache, die vieles vereinfachen würde, der Gesetzgeber könnte bspw. im BJagdG und WaffG das Jägerprivileg auf Schalldämpfer ausweiten, das würde vielen helfen & die Hunde haben auch etwas davon. M.E. würden wenige, aber konkrete Anforderungen an den Bundesgesetzgeber mehr helfen als allzu pauschale Hinweise. WMH

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