Schwarzwaldverein: “Nebeneinander von Wolf und Weidetieren kann es nicht geben”

Ausweisung von Wolfsgebieten, Anpassung des Schutzstatus’ und Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht gefordert

„Die Rückkehr des Wolfes in den Schwarzwald gefährdet die Weidetierhaltung. Das verändert unsere Kulturlandschaft, so wie wir sie kennen“, ist sich Georg Keller, Präsident des Schwarzwaldvereins, sicher.

Bei der Vorstellung des Positionspapiers „Wölfe im Schwarzwald“ in der Landespressekonferenz in Stuttgart am 3. Juni 2019 macht der Schwarzwaldverein deutlich, dass die Rückkehr des Wolfes nicht konfliktfrei verlaufen wird. Obwohl es faszinierend sei, dieses Wildtier wieder im Schwarzwald heimisch zu wissen, sieht der Wander- und Naturschutzverband die Ausbreitung des Wolfes als Herausforderung für die Kulturlandschaft sowie für den Schwarzwald als Wanderdestination.

Auch wenn es bisher für den Schwarzwald erst wenige Nachweise von Einzeltieren gebe, sei es vor dem Hintergrund der anhaltenden Ausbreitungstendenz und anlässlich erster Angriffe auf Weidetiere angebracht, den bisherigen Umgang mit dem zurückkehrenden Beutegreifer grundlegend zu überdenken.

Die Schwarzwälder Landwirte halten mit ihrem Weidevieh die Landschaft offen und sind so Garant für die touristisch attraktive Kulturlandschaft. Sie bereichern mit ihren naturnah erzeugten Produkten das regionale Lebensmittelangebot.

Die Rückkehr des Wolfes macht die Höhenlandwirtschaft aufwändiger und damit vor allem für Nebenerwerbs-Betriebe unattraktiv. „Ohne Landwirte und ihr Weidevieh stirbt die Schwarzwaldlandschaft“, macht Präsident Keller deutlich. „Nur wenn die Herden vor Wolfsangriffen sicher sind, wird ein Landwirt beruhigt sein Vieh auf die Weide bringen.“ Ein sicherer Schutz des Weideviehs in der von Steillagen geprägten Landschaft ist nur unter hohem Aufwand möglich. Zumal im Wolfsgebiet die staatliche Förderung nur das Material der Schutzzäune, nicht aber den zeitlichen Aufwand für die Errichtung abdeckt. Auch die oft angeführten Herdenschutzhunde bedeuten für die Viehhalter einen zusätzlichen Aufwand, der sich angesichts niedriger Erzeugerpreise nicht mehr rechnet.

„Ein Nebeneinander von Wolf und Weidetieren kann es nicht geben“, betont Präsident Georg Keller. In einer von Weidewirtschaft geprägten Kulturlandschaft wie dem Schwarzwald müsse der Weidetierhaltung Priorität eingeräumt werden.

Auch die Wanderdestination Schwarzwald, die einen hohen Anteil zur Wertschöpfung des Tourismussektors im Land beiträgt, sieht der Schwarzwaldverein durch den Wolf beeinträchtigt. Dabei geht es dem Verein weniger um die potentielle Gefahr, die von einzelnen Tieren ausgeht. Der Schwarzwaldverein glaubt eher, dass freilaufende Herdenschutzhunde die Wanderer verschrecken. Auch werde die freie Zugänglichkeit der Landschaft auf den markierten Wanderwegen des Schwarzwaldvereins durch wolfssicher eingezäunte und nicht mehr durchquerbare Weidegebiete massiv eingeschränkt.

„Wenn die Beweidung der Landschaft zurückgeht, weil immer mehr Landwirte ihre Arbeit einstellen, wird der Schwarzwald seine Anziehungskraft verlieren“ befürchtet Georg Keller. Die Attraktivität der Wanderregion wird durch den Rückzug der Landwirtschaft und das Verschwinden der an die Kulturlandschaft gebundenen Tiere und Pflanzen leiden.

Der Schutzstatus zuwandernder Wölfe könnte für andere Arten zur Bedrohung werden. Deshalb macht sich der Schwarzwaldverein als Naturschutzverband auch Sorge um den Arten- und Landschaftsschutz. Wenn die Bewirtschaftung der Wiesen und Weiden aufgegeben wird, leidet darunter die in Jahrhunderten gewachsene Artenvielfalt. Ständig stromführende hohe Elektrozäune sind auch für andere Wildtiere unüberwindbare Hindernisse.

Der Schwarzwaldverein fordert daher, eine Wiederbesiedlung von Wolfsrudeln mit geeigneten Maßnahmen zu begrenzen. Dazu gehört die Ausweisung von geeigneten Wolfsgebieten, in denen der Wolf toleriert werden kann. Sein Schutzstatus soll aufgrund anhaltender Ausbreitung auf europäischer Ebene überprüft und angepasst werden. Dem Beispiel Sachsens folgend, muss der Wolf auch in Baden-Württemberg in das Jagd- und Wildtiermanagement aufgenommen werden, um eine Regulierung der Bestände zu erleichtern. Es ist zu erwarten, dass eine angemessene Bejagung die Scheu gegenüber Begegnungen mit Menschen erhöht und dazu beiträgt, dass Wölfe Distanz zu Siedlungen und Höfen halten.

Georg Keller fasst zusammen: „Es sollte uns eigentlich froh machen, dass ein vertriebenes Wildtier nach langer Zeit in seinen Lebensraum zurückkehrt. Doch für den Schwarzwaldverein steht fest: In unserer Kulturlandschaft muss die Weidetierhaltung Vorrang vor dem Wolf haben.“

Der Schwarzwaldverein zählt mit rund 220 Ortsvereinen und insgesamt über 65.000 Mitgliedern zu den großen Freizeit- und Naturschutzorganisationen in Baden-Württemberg. Der Verein betreut das über 24.000 km umfassende Wegenetz, das den Schwarzwald als einmalige Wanderregion kennzeichnet. Naturschutz, Wandern, Heimatpflege, Familien- und Jugendarbeit sind weitere Schwerpunkte des Vereins. PM

Beitragsbild: Positionspapier “Wölfe im Schwarzwald” des Schwarzwaldvereins (Screenshot, Ausschnitt)

 

Ein Gedanke zu „Schwarzwaldverein: “Nebeneinander von Wolf und Weidetieren kann es nicht geben”

  1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Herr Keller spricht, zwar diplomatisch, das aus, was seit Jahren bekannt ist…..der Wolf wurde genau aus den Gründen vor fast 200 Jahren eliminiert die heute eine Renaissance erleben und – oh Wunder – mit der Jagd rein gar nichts zu tun haben (deshalb gibt es auch kein traditionelles Totsignal für den Wolf, weil er als “Raubzeug” galt).
    Und wenn der Wolf zu den jagbaren aber geschützten Wildarten ins Jagdrecht aufgenommen würde, gesellt er sich zu Bär, Elch und Wisent und Luchs (lynx).
    Hoffnung gibt es…vielleicht ist ja Frau Schulze bald Geschichte und es gibt einen Neuanfang, denn das was sie bis dato über Umweltschutz von sich gegeben hat, hat genau damit nichts zu tun (z.B. Elektroautos vs. CO2 – ruinieren aber arme Länder).

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