Schuss ins Knie

Der Unfall eines belgischen Jagdgasts zeigt wieder einmal, dass die eine oder andere Empfehlung oder gar Vorschrift der Berufsgenossenschaft zum Thema Sicherheit auf der Jagd nicht völlig sinnfrei ist: Der Mann wollte am Samstag irgendwo in der waldreichen Gegend um Prüm (RLP) auf einen Hochsitz steigen. Die Waffe hatte er bereits geladen, als er in das Jagdrevier gelangt war. Beim Besteigen des Hochsitzes brach die unterste (!) Stufe. Das reichte in diesem Fall schon. Der Jäger stürzte, aus der Waffe löste sich ein Schuss und traf den Unglücklichen oberhalb des rechten Knies ins Bein. Doch damit nicht genug: Zwar gelang es dem Verletzten, per Mobiltelefon um 5.45 Uhr einen Notruf abzusetzen – aber seinen Stand- bzw. Liegeort konnte er nicht genau angeben. Polizei, Notarzt und Krankenwagen trafen sich daher erst einmal auf einem Rastplatz, der in der Nähe der Unfallstelle lag, um von dort aus die Suche zu organisieren. Das Unfallopfer konnte nur sagen, dass er seinen Wagen auf einem Schotterplatz abgestellt und von da aus etwa einen Kilometer bis zur Kanzel gelaufen war. Polizei und Feuerwehr zogen die örtlichen Jagdpächter zu Rat und machten sich auf die Suche.

Um kurz nach sechs fand ein Suchtrupp, bestehend aus einem Feuerwehrmann und einem Jäger, das Auto des Belgiers. Eine knappe halbe Stunde verging, bis man auch den Verletzten endlich gefunden hatte. Er wurde notärztlich versorgt und in ein Krankenhaus nach Trier gebracht. Glücklicherweise war die Verletzung nicht allzu schwer, sonst wäre er während der Suche womöglich verblutet. Aber schlimm genug, mit einer Schusswunde über eine Dreiviertelstunde auf den Notarzt warten zu müssen… SE

(Neues) Beitragsbild: Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel schribt zu dem von ihm eingesandten Bild: “Zu meiner Antwort auf die Knieschussgeschichte des Belgiers dieses Foto. So haben wir Kackstühle bei Übernahme unseres Reviers behandelt.” Copyright: HDP

2 Gedanken zu „Schuss ins Knie

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Trotz angeblich regelmäßiger Kontrollen der Berufsgenossenschaft – als Jagdpächter sind wir Zwangsmitglieder dieser verwaltungsmäßigen Wasserkopftruppe – sieht man leider überall im Land Ansitzeinrichtungen, die man nur als Kackstühle bezeichnen kann. Diese Bezeichnung ist aber eigentlich noch zu milde, denn auf viele sollte man nicht mal zur Verrichtung der Notdurft kriechen. Wenn manch wackerer Nimrod dann auch noch mit geladenem Püster auf solch eine Ruine steigt, dann kann man nur hoffen, dass er alleine ist und außer sich keine anderen Menschen gefährdet. Aber es ist halt so, wie in manch anderem Feld des edlen Weidwerks: der Jäger ist des Jägers schlimmster Feind!

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  2. RK

    Der interessante Fall zeigt, dass im risikobehafteten Bereich der Jagd teilweise noch kein allgemeines Bewusstsein für risikoreduzierendes Handeln besteht und der Eigenschutz oft nicht an erster Stelle steht. Nachdenken sollte man allerdings auch immer mal wieder, inwieweit Sicherheitsvorgaben zwingend notwendig sind oder ob sie die Jagd umständlich machen, so dass sie in der Praxis eher unterlassen werden (Risikoanstieg durch komplizierte Sicherungsvorgaben, so dass man schlussendlich ein höheres Risiko durch Unterlassen hat als ein geringeres Risiko bei niederschwelligen Sicherheitsmaßnahmen). Sinnvoll ist beispielsweise die Forderung, dass beim Hochklettern auf einen Hochsitz das Patronenlager entladen sein muss (wäre evtl. beim Handspanner auch “Entspannen” ausreichend?). Was gilt allerdings für die im Schulterholster mitgeführte Pistole, die gegenüber den meisten Büchsen durchgeladen deutlich weniger leicht Schüsse im Falle eines Falles abgibt? Warum reicht “Unterladen” im Auto laut BG nicht aus?
    Zum Vorgehen des Rettungsdienstes: Schneller zum Sucherfolg hätte ggf. ein Rettungshubschrauber geführt, den man mit 1-2 ortskundigen Personen hätte besetzen können. So wäre die Suche nach dem Auto und dann nach dem Patienten leichter gewesen. (Voraussetzung: RTH ist verfügbar und es ist Flugwetter)

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