Schnüffelei 2.0: Privates Unternehmen will Waffenkontrollen durchführen

EInen brisanten Privatisierungsvorschlag unterbreitet ein Unternehmer aus Hessen derzeit Waffenbehörden aus sämtlichen Bundesländern: Der Geschäftsmann, nach Informationen von Jawina Inhaber eines Naturkostladens sowie eines Waffenhandels, möchte “verdachtsunabhängige Kontrollen des Aufbewahrungsortes der Waffen gem. § 32 Abs. 3 WaffG” durchführen. “Auch Jahre nach der Verschärfung des Waffenrechts in Deutschland kommen die meisten Besitzer von Pistolen, Revolvern und Gewehren ohne Kontrollen davon”, heißt es in dem Serienbrief, der der Jawina-Redaktion vorliegt. “Die politische Forderung nach einer angemessenen Kontrolldichte führe zu einer zusätzlichen Arbeitsleistung, die mit dem vorhandenen Personal kaum zu leisten sei – “vor allem auch bei den derzeitigen Belastungen durch die Flüchtlingssituation”, barmt der Unternehmer. Deshalb wolle er die Behörden unterstützen.

Das speziell entwickelte Konzept ermögliche “hohe Kontrolldichte”, und aufgrund langjähriger Erfahrung kenne man “die Schwachstellen bei der Aufbewahrung, wie z.B. nicht eingeschlossene Waffen, fehlerhafte Besitzdokumente von Schränken, unsachgemäße Lagerung, um nur einige Beispiele zu nennen.”

Reizvoll stellen wir uns die geschäftlichen Möglichkeiten vor, die sich aus der Kombination Waffenhandel mit Kontrollfunktion ergeben: “Ihr Schrank entspricht leider nicht den Vorschriften – das gibt jede Menge Ärger und waffenrechtliche Konsequenzen für Sie bis zum Entzug von WBK und Jagdschein aufgrund verlorener Zuverlässigkeit… Rein zufällig haben wir den passenden vorschriftsmäßigen Schrank – leider nicht ganz billig – unten im Lieferwagen, wenn Sie sich spontan zum Kauf entschließen, könnten wir vielleicht von einer Anzeige absehen… Und die Waffen, die Sie im neuen Schrank nicht mehr unterbringen, verwerten wir natürlich gern für Sie.”

Ob noch allzu viele Jäger uns Sportschützen in dem Fachgeschäft für Waffen, Optik und Munition des findigen Unternehmers einkaufen möchten, wenn seine tolle Geschäftsidee erst allgemein bekannt geworden ist, bleibt abzuwarten..

Beitragsbild: Ausschnitt aus dem Brief, der an Waffenbehörden verschickt wurde.

 

3 Gedanken zu „Schnüffelei 2.0: Privates Unternehmen will Waffenkontrollen durchführen

  1. MH

    Verwunderlich die Kombination Naturkostladen/Waffenhandel. Das sollte man zunächst hinterfragen. Ansonsten das bekannte Muster: von einer beratenden zu einer unterstützenden bis hin zu einer weisenden Funktion.

    Sollte nicht irgendwann einmal verbindlich geklärt werden, wie sich die Kontrollen mit Artikel 13 Grundgesetz vertragen? Zum Gesamtkomplex ein aktueller Artikel:

    http://www.ein-jagdmensch.com/das-deutsche-waffenrecht-und-die-jagd/

    Der SPIEGEL schrieb über die Attentate in Frankreich “Aux armes, citoyens!” Das dürfte irgendwann schwer werden. Sogar die Heugabeln und Dreschflegel werden sich auf den Bauernhöfen nicht mehr finden lassen. Armes Deutschland.

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  2. Frank M

    Fein wäre eine Nennung von Ross und Reiter – damit man sich ein Bild vom “Waffenhändler seines Vertrauens” machen kann!

    Für mich stellt sich auch die Frage, wie jemand, der ein Ansinnen mit derartigem Interessenkollisionspotential an die Behörden heranträgt, behördlicherseits noch als zuverlässig – erst recht für den Waffenhandel – betrachtet werden kann.

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  3. Hans K.

    @Frank M.: Da sehe ich auch ein nicht zu unterschätzendes Interessenskonfliktpotential. Allerdings, wenn man in die Politik schaut, gibt es dort noch viel mehr solcher Konflikte, die aber stillschweigend so akzeptiert werden. Es würde mich daher nicht besonders wundern, sollte der Vorchlag dieser ominösen Firma dort auf fruchtbaren Boden fallen.

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