Schmiere, Schleim und Ströme von Maden

Was passiert, wenn drei Tonnen Wildschweine im Wald verrotten

In Anbetracht einer drohenden Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP nach Deutschland, wird sich der eine oder andere bereits gefragt haben, welche Zustände dann wohl in Wildschwein-Paradiesen (um ein anderes, mit P beginnendes Wort zu vermeiden…) wie zum Beispiel im Berliner Grunewald herrschen. Forscher der A & M University in Texas können darauf eine empirisch angesicherte Antwort geben: Entomologen um Jeff Tomberlin wollten erforschen, wie sich Massensterben von Tieren auf die Umwelt auswirken. Jüngstes Beispiel für ein derartiges Massensterben ist der Tod von 300 Rentieren in Norwegen durch Blitzschlag. Da sich solche Ereignisse jedoch nicht vorhersagen lassen, haben die Forscher in Wäldern der Mississippi State University eins nachgebaut.

Zu diesem Zweck wurden drei Tonnen Kadaver verwilderter Schweine (feral pigs) in dem Waldgebiet abgeladen. Verwilderte Schweine gelten als Plage in vielen Bundesstaaten der USA und werden intensiv bekämpft. Durch Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen war es möglich, nach entsprechenden Culling-Aktionen auf großer Mengen frischer Kadaver zuzugreifen.

Beinahe unverzüglich begannen Geier (bei uns würden wohl Krähenvögel diesen Teil übernehmen) die ausgelegten Tierkörper zu verwerten, wie National Geographic berichtet. Es folgten Maden und Insekten in einer solchen Zahl, dass die aufgestellten Fallen täglich gewechselt werden mussten oder gar von Madenströmen fortgespült wurden. Die Forscher haben das in einem wirklich ekligen Video festgehalten. “Man musste aufpassen, dass man nicht ausrutscht, berichtet Heather Jordan von der Mississippi State University, “In Dreck und Schmiere und Schleim, […] eine Mikrobengesellschaft mit Spinnen und Larven und sämtlichen Sorten widerlicher Fliegen überall.”

Die Fliegen lockten weitere Prädatoren an, kleine Eidechsen und Hornissen, wiederum gefolgt von Gürteltieren. Die Erde wurde aufgewühlt, so dass sich neue, auch invasive Pflanzen ansieden konnten. Noch ein Jahr nach dem Experiment sei die Gegend “ökologisch vernarbt”. Ob sich das je wieder normalisiere?, fragt sich einer der beteiligten Wissenschaftler und liefert seine Antwort gleich nach: “Wahrscheinlich nicht.” SE

Beitragsbild: Der verlinkte Beitrag in National Geographic. (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

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