Schleswig-Holstein: Was bringt Jamaika?

JAWINA-Leser Jens Körner hat in seinem Kommentar zum JAWINA-Beitrag Jamaika in Schleswig-Holstein bereits darauf hingewiesen: Es wird sich an der Situation für Jagd und Jäger in Schleswig-Holstein nicht viel ändern, da die Grünen auch bisher schon die Jagdpolitik im nördlichsten Bundesland bestimmt haben. So heißt es im Koalitionsvertrag auf S. 73, es seien “grundsätzlich” keine substanziellen Änderungen des Jagdgesetzes geplant. Man strebe “vitale und dem Standort angepasste Wildbestände” an und setze auf “das Vertrauen in die Sachkunde und das selbstbestimmte Handeln von Jägerinnen und Jägern.” Jagdpolitik der Jamaikaner soll “weiterhin dem Arten- und Naturschutz gerecht” sein. Blabla.

Kommen wir zu den von Jens Körner erwähnten Bonbons, die gibt es nämlich auch:

So soll die bisher geltende (und möglicherweise nicht gesetzeskonforme) Schleswig-holsteinische Sonderregelung, nach der auch juristische Personen Flächen aus Gewissensgründen von der Jagdausübung befreien lassen können,  “im Sinne einer bundeseinheitlichen Regelung kurzfristig” geändert werden.

Weiter heißt es (S. 73): “Die Verwendung von Schalldämpfern bei der Jagd wird in Hinblick auf den Gesundheitsschutz der Jägerinnen und Jäger und den Schutz der Jagdhunde (Tierschutz) zugelassen. Wir werden uns für eine bundesweit einheitliche Regelung hinsichtlich der Thematik der Schalldämpfer einsetzen.”

Der “Erhalt und die Weiterentwicklung der Schießstätten in Schleswig-Holstein” sollen aus der Jagdabgabe finanziell unterstützt werden.

Sehr zu begrüßen ist das Vorhaben der Jamaika-Koalition, “das Hundegesetz anzupassen und bei der Feststellung der Gefährlichkeit eines Hundes einen Ausnahmetatbestand für Jagd- und Hütehunde im Rahmen ihres bestimmungsgemäßen Einsatzes und ihrer Ausbildung schaffen.” Bisher kann ein Hund gem. § 7 HundeG als gefährlich eingestuft werden, wenn er “ein anderes Tier durch Biss geschädigt hat, ohne selbst angegriffen worden zu sein” – was Jagdhunde im Rahmen der Jagdausübung bekanntlich gelegentlich tun müssen.

Die renommierte Verhaltensforscherin Dorit Feddersen-Petersen hat sich JAWINA gegenüber zur Sinnhaftigkeit dieser Regelungen in anderem Zusammenhang geäußert: Seinerzeit hatte die Biologin dergleichen als „lächerlichen Unfug“ bezeichnet: Es sei seit geraumer Zeit nachgewiesen, dass Jagdverhalten kein Aggressionsverhalten ist und bei den unterschiedlichen Verhalten „völlig unterschiedliche zerebrale Areale stimuliert“ werden. Überdies übertrage die Formulierung „ohne vorher selbst angegriffen worden zu sein“ in gänzlich unangemessener Weise menschliche Verhaltensmuster auf Hunde. Schön, wenn dieser “lächerliche Unfug” ein Ende hätte. SE

Beitragsbild: Auch Jäger in Schleswig-Holstein sollen nach dem Willen der Jamaika-Koalition Schalldämpfer benutzen dürfen. Foto: SE

3 Gedanken zu „Schleswig-Holstein: Was bringt Jamaika?

  1. S.F.

    Dort wo die Grünen in der Gesetzgebung mitmischen, kommt in der Regel nicht Gutes für die Jagd, für unser wk. Schalenwild und für das Jagdgebrauchshundwesen nicht Gutes bei herum. In NRW sind wir ja glücklicher Weise von den Grünen verschont geblieben und die SPD mit Frau Kraft an der Spitze hat auch ihren Denkzettel erhalten. Das Liebäugeln mit den Grünen kann auch einmal zu einem Nachteil werden – was sich die CDU auch merken sollte.

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  2. Jens Körner

    Wir als Landeigentümer und auch Jäger sollten nicht vergessen, daß wir von der Politik abhängig sind. Die Zusammensetzung der Parlamente ist vom Wählerverhalten abhängig. Wenn ein gewisses Wählerpotential eine Partei wählt die gegensätzliche Ansichten als die Jägerschaft vertritt müssen wir diese „Kröte schlucken“. Legitim ist die argumentative Gegendarstellung ideologisch eingefärbter Darstellung gewisser Verbände und Gemeinschaften. Legitim ist auch der Versuch über Erhöhung der Beiträge für DJV und LJV die Öffentlichkeitsarbeit auf ein professionelles Niveau zu heben. Nur haben wir Landbesitzer und Jäger keine so starke Lobby wie die „Wollsocken und Gutmenschen“ hinter uns. Ein Zurückfallen in martialische Verhaltensweisen scheint mir nicht der angesagte Weg zu sein um eine vernünftige Lösung zu erreichen.
    Ein Erklären warum wir jagen und welche Zwecke außer der Nahrungsmittelbeschaffung — [Stichelei ein]oder gibt es wirklich noch Trophäenjäger?[/Stichelei aus] — wir verfolgen scheint mir doch der angesagte Weg zu sein.
    Eine 180 Grad-Wende, je nach politischen Mehrheiten, nützt niemand etwas. Das gibt nur alle paar Jahre ein Umstellungschaos. 5 Jahre bleihaltige Munition, dann wieder bleifrei, dann wieder …
    Letztendlich gibt es mit Natur-, Tier- und Umweltschützern doch mehr Gemeinsamkeiten als Differenzen. Nur niemand will den ersten Schritt zur Zusammenarbeit machen weil er dann von seinem Verein als Verräter tituliert wird.
    Es sollte uns als Jäger egal sein mit wem und wie wir Wildbestände auf ein überlebens- und bejagungsfähiges Niveau heben können. Fakt ist, daß etwas in der Hinsicht sofort und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln passieren muß. Meinetwegen auch mit „grünen Wollsocken“!

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    1. U.B.

      Die Grünen sind für mich eine reine Verbotspartei ( ” EIN GRÜNER IST ERST GLÜCKLICH, WENN ER ANDEREN WAS VERBIETEN KANN ” ) . Ich möchte aber nicht behaupten, alle Grünen seien unvernünftig und uneinsichtig – leider werden aber die vernüftigen und einsichtigen Grünen immer in der Minderheit bleiben. Deshalb wähle ich auch nicht die Grünen und kann auch nicht eine Regierungsverantwortung dieser Partei beführworten. Das beste Beispiel war doch die Politik der Grünen in NRW, wo es schließlich nicht nur um die Jagdgesetzgebung ging. Nur wenn eine sogn. Volkspartei wie SPD solche Politik sich von den Grünen diktieren läßt, darf sich dann auch nicht über die Folgen wundern – was sich auch die CDU merken sollte.

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