Schleswig-Holstein: Nabu weist Kritik des Bauernverbands an Knickschutz zurück

Als “völlig substanzlos und an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten” bezeichnet der NABU Eutin die Kritik des Bauernverbands an den neuen Regelungen zum Knickschutz. Eine Verschärfung des Knickschutzes sei lange überfällig gewesen, meint NABU-Vorsitzender Oscar Klose. „Viele Knicks sind in den vergangenen Jahren derart malträtiert worden, dass sie heute so mancher kurzgeschorenen Gartenhecke Konkurrenz machen können. Die ehemals landschaftstypischen, wertvollen Eichenüberhälter enden zunehmend im Ofen. Wir begrüßen, dass der Umweltminister endlich die Notbremse gezogen hat, hätten uns aber in einigen Punkten noch weitreichendere Bestimmungen vorstellen können“, so Klose

Geradezu lächerlich sei es, wenn die Landwirtschaftslobby so tue, als wären weitere Regelungen nicht erforderlich und sich als die „wahren Naturschützer“ bezeichnete. Wer mit offenen Augen durch die Landschaft ginge, würde sehen, dass die Wirklichkeit anders aussähe. Der Artenschwund in der Agrarlandschaft schreite unaufhörlich voran, worüber sich Fachleute aller Disziplinen einig seien, so der NABU.

Natürlich würden viele Landwirte sorgsam mit den Knicks umgehen. Die Tatsache, dass aber auch von Vertretern der Landwirtschaft hinter vorgehaltener Hand eingeräumt wird, dass vielfach zu rabiat mit den Knicks umgegangen worden ist, spräche jedoch für sich und zeuge von deutlichem Handlungsbedarf.

Ein „eigenartiges Verständnis von Recht und Gesetz“ attestiert der NABU denjenigen, die zu Straßenblockaden und zu einem großflächigen Auf-den-Stock-setzen aufrufen. Wer üppige Agrarsubventionen der EU erhält, sollte sich ganz besonders an die rechtsstaatlichen Regeln halten, anstatt Krawall zu provozieren, so der Verband.

Ein Subventionsbezug ohne den Erhalt naturnaher Landschaftsstrukturen sei EU-rechtlich ohnehin nicht mehr möglich. Der Protest der Bauern laufe schon vor diesem Hintergrund völlig ins Leere.

Die Kritik der Landwirtschaftslobby an den dramatisch als „Enteignung“ bewerteten Einschränkungen hält Klose für überzogen. Der nicht zu bewirtschaftende 50 cm-Abstand sei vielfach nur eine Kompensation dessen, was in der Vergangenheit vom Knickfuß bereits abgepflügt wurde.

Unabhängig davon müsse jeder Grundstücksbesitzer -egal ob Häuslebauer oder Gewerbetreibender- bei der Nutzung und Gestaltung seines Grundstückes ganz selbstverständlich gewisse Einschränkungen für das Allgemeinwohl in Kauf nehmen.

Auch die Kritik gegen den 70 Grad-Winkel beim seitlichen Einkürzen sei nichts als Propaganda. Denn wer mit dem einzuhaltenden Winkel nicht zurecht kommt, darf auch senkrecht hochschneiden, wobei allerdings ein Abstand von einem Meter zum Wallfuß einzuhalten ist, um den Knickbewuchs nicht wieder zu sehr auszudünnen

Die Öffentlichkeit wird sich durch die dumpfen Parolen des Bauernverbands nicht hinters Licht führen lassen, wie die vielen Anrufe empörter Bürger beweisen, die uns seit Tagen erreichen. Wenn sich der Bauernverband weiter so aufführt, befindet er sich bald auf der Zielgeraden ins gesellschaftspolitische Abseits. PM Nabu Eutin

Bild: So sehen viele Knicks in Ostholstein aus: Zur Hecke zusammengeschlegelt. (Copyright: Nabu/Juhnke)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.