Schleswig-Holstein: Für den Artenschutz unentbehrliche Betonrohrfallen zerstört

Einzige Lachseeschwalben-Kolonie Deutschlands akut gefährdet

1980 gab es in Niedersachsen und Schleswig-Holstein laut Wikipedia noch 150 Kolonien der Lachseeschwalbe, inzwischen gibt es nur noch eine letzte Kolonie im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer mit nur 31 Brutpaaren. Diese Kolonie ist nun akut gefährdet, weil fünf Betonrohrfallen, die dem Schutz der seltenen Vögel vor Prädatoren dienen sollten, zerstört wurden. Die Fallen gewährleisten im Zusammenwirken mit anderen Schutzmaßnahmen wie Elektrozäunen und jagdlichen Maßnahmen das Überleben der Lachseeschwalben-Kolonie, die sonst dem Prädatorendruck zum Opfer fallen würde. Eine Falle wurde zerschlagen, bei jeweils zwei weiteren wurden die Eingänge mit Bauschaum verschlossen bzw. die Fangvorrichtungen entwendet. Die Fallen sind an abgelegenen Orten aufgestellt und gut getarnt. Wie ein Mitarbeiter des Nationalparks gegenüber JAWINA erklärte, wird die Kolonie zudem durch Ranger und Kameras überwacht. Trotzdem wurden die Täter nicht beobachtet, weshalb ein Ranger gegenüber Boyens Medien den Verdacht äußert, das hier Insider am Werk waren.

“Fassungslos und bestürzt” seien sie über diese “sinnlose Tat”, erklärten der Leiter der Nationalparkverwaltung, Dr. Detlef Hansen, und der Landrat des Kreises Dithmarschen, Stefan Mohrdieck, gegenüber der Lokalzeitung, die sie “auf das Schärfste verurteilten.” Die zerstörten Fallen sind Spezialanfertigungen und müssen zum Schutz vor Sturmfluten aufwändig verankert werden. Es wird daher nicht möglich sein, schnell Ersatz zu schaffen.

Prädatoren stellen zunehmend ein Problem für die Brutkolonien im Nationalpark dar, berichtet ein Nationalpark-Ranger im Gespräch mit JAWINA: “Vor allem der Marderhund hat gravierend zugenommen”, aber auch Dachs, Fuchs und Steinmarder würden in den zertifizierten, tierschutzkonformen Fallen in Mengen gefangen.

Das massive Anwachsen der Prädatoren führt der Ranger auf eine Reihe von Ursachen zurück: Verantwortlich seien etwa die seit den 60er und 70er Jahren gegen den Pelz gefahrenen Kampagnen, die zu einem Preisverfall für die Bälge einheimischen Raubwilds geführt habe und den Jägern  die Motivation für die Bejagung von Fuchs und Co. nehme. Hinzu kämen die Ausrottung der Tollwut und das Auftreten invasiver Arten wie Marderhund und Waschbär. red.

Beitragsbild: Betonrohrfalle (Archivbild). Foto: SE

3 Gedanken zu „Schleswig-Holstein: Für den Artenschutz unentbehrliche Betonrohrfallen zerstört

  1. Zündelnerlaubt

    Wann raffen diese Spinner eigentlich, dass die sich selbst ans Bein pinkeln?
    Die tauschen eine bedrohte Tierart gegen eine häufig vorkemmende …. Lässt sich nur mit vollkommener Blödheit erklären

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  2. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Jetzt ist auch im Nationalpark für Prädatoren Schonzeit (Mutterschutz), aber fragt doch mal bei den Kollegen in Berchtesgaden nach, wie deren Lösung mit den “Baumprädatoren” aussieht. Oder engagiert Jungjäger mit viel Zeit und Nachtsichttechnik, die geben die guten Bälge der Fellwechsel GmbH.

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