Schimpansenjagd und Haute Cuisine

Jawina Lektüre-Empfehlung: Die Online-Ausgabe der New York Times bringt zwei sehr unterschiedliche Stories zu Jagd-Themen: Die packende und sehr nachdenklich stimmende Geschichte einer gescheiterten Schimpansenjagd erzählt David Goldenberg in “Hunting a Chimp on a Killing Spree.” Darin berichtet er, wie er als frischgebackener College-Absolvent und angehender Primatenforscher einen Spezialauftrag erhält: Einen Schimpansen zu erlegen, der infolge von Waldrodung und Wilderei in diesem Teil Ugandas – ganz artuntypisch – zu einem Einzelgänger geworden war. Er hatte gelernt, sich in den verbliebenen Waldinselchen einzurichten und sich zur Not ein Lager auf dem Erdboden zu bereiten, wenn keine Bäume zur Stelle waren. Er ging auf den Plantagen der Eingeborenen zu Schaden und schlürfte hin und wieder ein Schlückchen Bananenbier aus der hohlen Hand. Doch leider nicht nur das: Zur Anreicherung des Speiseplans mit Protein war er dazu übergegangen, Kinder zu erbeuten, was ihm den Namen Saddam (nach dem ehemaligen irakischen Dikator) eingebracht hatte.

Sieben Kinder hatte er attackiert, zwei getötet, als Goldenberg mit dem Auftrag betraut wurde, den Schimpansen mit einem einheimischen Tracker aufzuspüren und mittels Betäubungsgewehr außer Gefecht zu setzen – den blutigen Rest sollte ein Dorfbewohner sollte mit der Machete erledigen. Nachdem Tracker und Jäger monatelang auf Ansitz ausgeharrt haben, überraschen sie den Schimpansen schließlich in der Nähe eines Dorfes. Der Affe nimmt den Jäger sofort an, dreht jedoch wenige Meter vorher ab und verschwindet im Wald. Goldenberg hatte es nicht fertig gebracht, auf seinen/unseren nächsten Verwandten zu schießen. Der gescheiterte Jäger kehrt an sein College zurück, “wo sich die meisten Probleme mit einer wohlgedrechselten Entschuldigung aus der Welt schaffen lassen.” Saddam tötet nach dem gescheiterten Attentat auf ihn ein 18 Monate altes Mädchen. Einheimische Jäger mit Speeren und ein mit einem Jagdgewehr bewaffneter Ranger bringen ihn schließlich zur Strecke. Lesenswert!

Weitaus freundlicher geht es in dem Beitrag “It’s Hunting Time in France” von Damien Lafargue zu, der in der Essen & Trinken-Rubrik der NY Times erscheint. Die Fotostrecke zeigt Bilder aus dem mit zwei Michelin-Sternen dekorierten Pariser Feinschmecker-Restaurant Carré des Feuillants, in dem zu Beginn der (Niederwild-) Jagdsaison Wildgerichte der Haute Cuisine serviert werden. Sehenswert! SE

Foto: Schimpansen-Portrait Quelle: Wikipedia, Autor: Thomas Lersch

 

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