Schäferin fordert: “Wölfe wie jedes andere Wild jagen!”

Verbände wollen Entnahme von Problemwölfen erschweren

Immer wieder interessant, wie schnell und gründlich sich Standpunkte ändern können, wenn man selbst betroffen ist: “Meine Einstellung zum Wolf hat sich grundlegend geändert”, bekannte die niedersächsische Schäferin Gabriele Lebermann gegenüber der Kreiszeitung Wochenblatt. Grund für den plötzlichen Sinneswandel ist ein Wolfsangriff auf ihre Schafherde im Landkreis Harburg, dem innerhalb von zwei Tagen zwei ihrer Schafe zum Opfer fielen. Wölfe kämen den Ortschaften immer näher, hätten keine natürlichen Feinde und vermehrten sich jedes Jahr um 30 Prozent, lauten die neuen Erkenntnisse der Schäferin. Fazit: Sie sollten “wie jedes andere Wild” bejagt werden.

Die Verbände Nabu und International Fund for Animal Welfare (IFAW) wollen derweil die Entnahme von Problemwölfen erschweren. Die Bundesländer müssten mehr für Vorbeugung und Monitoring tun, in einem offenen Schreiben fordern sie einen “einheitlichen Umgang mit auffälligen Wölfen.” Vor der Abschussfreigabe verhaltensauffälliger Wölfe solle in jedem Fall die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf (DBBW) konsultiert werden. Ein zentraler Baustein des DBBW, so Nabu und IFAW, sei ein Expertengremium, das die Bundesländer im Umgang mit auffälligen Wölfen berät.

Ein Jahr nach dem Abschuss des Problemwolfs MT6 in Niedersachsen, der sich Fußgängern mehrmals genähert und einen Hund gebissen hatte, sprechen die Verbände ihr Bedauern über das vorzeitige Ableben des Wolfs aus. Bis heute sei nicht ausreichend untersucht worden, wodurch das auffällige Verhalten von MT6 ausgelöst wurde.

Es sei in gewissen Fällen nie ganz auszuschließen, dass auch ein Risiko für Menschen bestehe, so Nabu und IFAW. Nach Ausschöpfen aller sanfteren Maßnahmen der Vergrämung könne es als letzte Möglichkeit notwendig werden, einen Wolf zu töten, so wie es bei MT6 der Fall war. Solche Entscheidungen müssten fachlich begründet und wissenschaftlich nachvollziehbar sein und festgelegten Entscheidungsstufen folgen. Die Ausnahmeregelungen des Bundesnaturschutzgesetzes gäben das her, so dass für eine Wolfstötung als letzter Ausweg bereits jetzt die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt seien. Jede Tötung müsse jedoch im Einzelfall gesondert betrachtet und begründet werden. Bei der Entscheidungsfindung sollte nach Auffassung von Nabu und IFAW die DBBW der zentrale Ansprechpartner sein. PM/SE

Beitragsbild: Schafe: Foto: SE

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