SachsenForst wegen Absperrung bei Jagd angezeigt

Der Vorsitzende der Hegegemeinschaft Erzgebirge, Karsten Bergner, hat wegen einer am 11. Oktober im Revier Grumbach (Forstbezirk Neudorf, Revierteil Schindelbach)  veranstalteten Bewegungsjagd eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Verantwortlichen für diese Jagd eingelegt. Zur Begründung führt Bergner an, dass bereits am Vortag “die Reviergrenze des SBS- Reviers zum Bundesforst entlang der kompletten Eisenstraße von Mittelschmiedeberg bis fast an die B 174 auf einer Länge von 6 km durchgehend mit Warnband abgelappt” worden sei. Das Warnband habe sich z.T. direkt am Straßenrand, z.T. auch ca. 100 Meter im Bestand befunden. Die Absperrung sei bis zum Ende der  Jagd aufrecht erhalten worden. Damit liege, so Bergner, “klar ein Verstoß gegen § 19 Abs.1 Nr.3 BJG […] und gegen die gleichlautende Regelung des Sächsischen Jagdgesetzes vor.” Sogar Gewässer seien mit Warnband abgelappt worden , während “alle anderen Reviergrenzen,  z.B. zur Feldflur Großrückerswalde nicht mit Warnband gesperrt waren.” Bergner: Da gerade hier mit Besucherverkehr zu rechnen sei, “werde auch klar, dass die Absperrung mit Warnband nicht dem Schutz der Bevölkerung diente.”

Der HG-Vorsitzende Bergner ist einer der schärfsten Kritiker des vom Sachsenforst propagierten Rotwildmanagements “pro Waldumbau.”

Mit Trassierband abgesperrte Reviergrenze im Sachsenforst. Foto: privat

Klaus Kühling, Pressesprecher des Staatsbetriebs Sachsenforst (SBS) bestätigte auf Anfrahe von JAWINA, dass am 11. Oktober 2017 eine Drückjagd im Forstbezirk Neudorf – Revier Grumbach stattgefunden hat. “Ebenso kann ich bestätigen”, so Kühling weiter, “dass von Herrn Karsten Bergner (Vorsitzender der Hegegemeinschaft Erzgebirge und Angestellter im Forstbetrieb Heutelbeck in Marienberg/Gelobtland) eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die “Verantwortlichen für diese Jagd” beim Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft sowie beim Forstbezirk Neudorf eingegangen ist.”

Der SBS habe darüber hinaus Kenntnis, dass gegen die Jagd eine Anzeige durch Herrn Karsten Bergner beim Landratsamt Erzgebirge – untere Jagdbehörde gegen Sachsenforst erstattet worden, wegen Durchführung einer unerlaubten Lappjagd. Ebenso habe man darüber Kenntnis, dass gegen die Jagd eine anonyme Anzeige bei der Polizei eingegangen ist. Grund: Durchführung einer Lappjagd.

SBS ist der Auffassung, das “bei der oben erwähnten Jagd keine Lappen eingesetzt” wurden: “Es war ein Trassierband zur Verkehrssicherung an der Kreisstraße 8116  gespannt. Das betroffene Jagdgebiet ist von mehreren unterschiedlichen Jagdnachbarn umschlossen. Trassiert wurde ausschließlich der Bereich zur Kreisstraße 8116. Die dann angrenzenden Flächen werden durch die Bundesforsten verwaltet.

Der SBS werde, so Kühling “immer mal wieder mit  Anzeigen, teilweise auch anonym, bezüglich der Jagddurchführung konfrontiert. Zeitlich parallel werden diese Sachverhalte auch einzelnen und vermutlich ausgewählten Pressevertretern zugespielt, ohne vorher das Ermittlungsergebnis der eingereichten Anzeige abzuwarten.” red.

Beitragsbild: Trassierband – nach Karsten Bergners Auffassung “Lappen” – an der Kreisstraße 8116. Foto: privat

2 Gedanken zu „SachsenForst wegen Absperrung bei Jagd angezeigt

  1. Dr. Eberhard Aldinger

    Mit einer wissenschaftlichen Exkursion habe ich im Herbst letzten Jahres im Forstbezirk Marienberg gesehen, wie wenig Chancen die Verjüngung von Buche und Tanne hat und wie phantastisch dies im Forstbezirk Eibenstock gelingt – den Unterschied macht das Jagdmanagement. Gerade die Baumarten Buche und Tanne sind im sich abzeichnenden Klimawandel für die Walderhaltung von besonderer Bedeutung. Daher sollten gerade die für die Jagd Verantwortlichen eng mit den Kollegen der Forstverwaltung kooperieren, um Wald und Wild im Gleichgewicht zu halten.
    Was ich auf Ihrer Seite lese, ist mir völlig unverständlicher Kleinkram – es geht um Waldumbau und -erhaltung! Bitte setzen Sie sich zusammen zum gemeinsamen Gespräch und fallen Sie nicht wegen unterschiedlicher Interessen über die her, die dafür verantwortlich sind, den Wald auch künftigen Generationen zu erhalten!

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    1. admin Beitragsautor

      Die Waldbesitzer verstehen es sehr gut, ihre ökonomischen Interessen (Gewinnmaximierung durch Einsparung der Kosten für den Zaunschutz) als ökologische Zielsetzungen (Waldumbau) und die jeweils herrschende forstliche Modeideologie (radikale Absenkung der Wildbestände) nach bekanntem Vorbild als alternativlos darzustellen. Das ruft halt Konflikte mit Leuten hervor, die nicht nur den Wald, sondern auch einen gesunden und artenreichen Wildbestand für künftige Generationen erhalten wollen. Die Betonköpfe, die sich jedem Kompromiss und jeder Kooperation (z.B. durch Austritt aus Hegegemeinschaften) verweigern, sind durchaus auch bei der Forstpartie zu verorten.

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