Sachsenforst: Naturschützer kritisieren Rotwildabschuss

Mit deutlichen Worten hat der Vorsitzende des Nabu-Kreisverbands Mittleres Erzgebirge, Bernd Seifert, die Bejagung des Rotwilds durch SachsenForst kritisiert: Während der Bestand an Rothirschen im oberen Erzgebirge zu DDR-Zeiten sehr hoch gewesen sei, gewinne man heute den Eindruck, dass durch eine Intensivierung der Jagd nun das andere Extrem mit einer Verringerung der Bestände gegen Null in manchen Waldgebieten in Kauf genommen werde, sagte Seifert gegenüber der Freien Presse. Er habe den Eindruck, dass gerade im Staatswald das Rotwild mancherorts vollständig verschwunden sei.

Die Abschusspläne der SachsenForst dürften sich “nicht allein nach den wirtschaftlichen Zielvorstellungen des Waldbesitzers richten”, so Seifert weiter. Der Nabu-Mann meint, dass sowohl die Anzahl der Ansitz- wie der Gesellschaftsjagden zu hoch sei: Wenn bei einer Jagd mit hundert Beteiligten und Hundeeinsatz gerade einmal zwölf Hirsche erlegt würden, sei zu fragen, ob der Einsatz gerechtfertigt und 23 solcher Jagden allein im Forstbezirk Marienberg nur in dieser Saison nötig seien, so Seifert in der Freien Presse. Eine Reduzierung des Jagddrucks sei erforderlich, um den Tieren ein artgerechtes Verhalten und Tagaktivität zu ermöglichen. In Tourismusregionen wie dem Schwarzwald oder auf dem Darß werde mit dem Naturerlebnis geworben, dass tagaktives Rotwild ermögliche. Wie es sich für einen Nabu-Mann gehört, steht Seifert der Jagd grundsätzlich ablehnend gegenüber: So fordert er eine “Neuausrichtung der Jagdgesetzgebung.” Nicht nur die “hergebrachten Jagdgepflogenheiten, sondern auch Zielstellungen und die Berechtigung der Jagd” müssten hinterfragt werden.

Langsam scheint sich ein Gesinnungswandel bei der Nabu-Fraktion abzuzeichnen: Jahrzehntelang war die Vorstellung, die sich die oft eher naturfernen Naturfreunde von Jagd und Jägern machten, durch die Bilder geprägt, die Horst Stern in den Siebziger-Jahren ins Fernsehen brachte: Der Jäger als eine Art Zoodirektor in einem von krass überhegten Wildbeständen leergeästen Wald. Waldbesitzer haben dieses Bild und die daraus resultierende wildfeindliche Grundhaltung (wie auch die nachhaltige Diskreditierung des traditionellen Jägers) sehr geschickt für ihre ökonomischen Interessen zu instrumentalisieren verstanden. Natürlich gibt es nach wie vor lokal überhöhte Bestände und untragbare Verbisssituationen z.B. aufgrund falscher Bejagung oder ausufernder Freizeitaktivitäten im Wald. Auf der anderen Seite befolgen einige öffentliche und private Waldbesitzer eine lokale Ausrottungsstrategie, die insbesondere beim Rot- und Damwild durchaus erfolgreich ist – und weder durch Wald- oder Jagd-, noch durch Natur- oder Tierschutzgesetze gedeckt ist. Wenn das endlich in den Fokus der Naturschützer rückt, wäre es aus jagdlicher Sicht nur zu begrüßen. SE

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