Sachsenforst: Blitzknallsätze gegen Wildtiere

Zwei Jagden, 137 Schützen, sechs Stück Rotwild

Die Antwort der Sächsischen Staatsregierung auf eine Kleine Anfrage des Linken-Abgeordneten Klaus Tischendorf vom 27.11.2018 wirft ein bezeichnendes Licht auf die Bejagung des Rotwilds durch den Staatsbetrieb Sachsenforst (SBS) in bestimmten Forstbezirken: “lst es zutreffend, dass zu einer Drückjagd im August 2018 im Revier Markneukirchen Blitzknaller bei bestehender höchsten Waldbrandstufe eingesetzt wurden und falls ja, wie bewertet die Staatsregierung diesen Vorgang?”, hatte Tischendorf u.a. gefragt. Die Staatsregierung räumt ein: “Es ist zutreffend, dass zu einer Bewegungsjagd im August 2018 im Revier Markneukirchen Blitzknaller bei bestehender erhöhter Waldbrandgefahrenstufe eingesetzt wurden.

Das Vorgehen ist pflichtwidrig und widerspricht den Grundsätzen der Vorbildlichkeit von Jagdausübung und Hege in den Verwaltungsjagdbezirken des Freistaates Sachsen. Das Vorgehen wurde durch den SBS der Pflichtverletzung entsprechend geahndet.”

Die festgestellte Pflichtwidrigkeit des Vorgehens wird hier nur im Zusammenhang mit der Waldbrandgefahr betrachtet, obwohl sicherlich zu fragen wäre, ob das Zünden von Blitzknallern, um Tiere in Panik zu versetzen und so vor die Schützen zu bringen, nicht auch tierschutzwidrig ist. Mit den Grundsätzen der Weidgerechtigkeit, deren Grundgedanke ja Fairness und Tierschutz ist, scheint dergleichen schwerlich in Einklang zu bringen sein.

Interessant auch die Antwort auf die Frage: “lst es zutreffend, dass im Revier Sachsengrund am 10.10.2018 eine Drückjagd mit 60 Schützen und am 7.11.20’18 eine Drückjagd mit 35 Schützen zur Rotwildreduktion durchgeführt wurde, die ein Jagdergebnis von insgesamt 7 Stück Rotwild ergaben?”

Es ist noch viel schlimmer, hätte die Antwort auch lauten können:

“Zutreffend ist, dass im Revier Sachsengrund am 10. Oktober 2018 eine Ansitzdrückjagd mit 99 Jägern als Schützen und am 7. November 2018 eine Ansitzdrückjagd mit 38 Jägern als Schützen zur Bejagung des Schalenwildes durchgeführt wurde. lm Rahmen dieser beiden Ansitzdrückjagden wurden insgesamt 16 Stück Schalenwild, davon sechs Stück Rotwild, erlegt.”

Auf zwei Jagden bringen insgesamt 137 Schützen also sechs Stück Rotwild zur Strecke – das demonstriert wahrhaft eindrücklich, wie es um die ausufernden Rotwildbestände in den Revieren bestellt ist und dass diese somit weiterhin aufs Schärfste bejagt werden müssen, um den von solchen Großrudeln verbeißenden Schalenwilds ausgehenden Verbissdruck wieder auf ein erträgliches Maß abzusenken. Nicht wahr? SE 

Beitragsbild: Kleine Anfrage von MdL Klaus Tischendorf zu Drückjagden des SBS (Screenshot, Ausschnitt)

13 Gedanken zu „Sachsenforst: Blitzknallsätze gegen Wildtiere

  1. Niemand Sonst

    Ich warte gespannt auf Reaktionen der “Tierschützer”
    Kommen keine.
    Wetten?
    Denn bei diesem Vorgang waren es ja die “Profis” in “staatlichem Auftrag” sozusagen.
    Die “Manager”
    Die “Ranger”
    Die “Guten”
    Die mit Hierarchie!!
    Die dürfen das.

    Edelmann!!!!!!!
    Sie sind gefragt!!!!!!!
    Wo sind Sie????????

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  2. Edelmann

    Schon seltsam, wie man den gleichen Text unterschiedlich verstehen kann.
    Ich mache gerade Kaffeepause und bis der Wetterbericht aktualisiert ist, lese ich zeitgleich den Artikel und ja,
    mich widert es an, wenn 137 Schützen innerhalb von 4 Wochen für 6 Rotwild tödlich sind.
    Es fehlt noch die Angabe, wieviel Schuss Munition (Blei) verteilt wurden.
    Mein sponataner Gedanke zum Text war: Es gibt zu viele Jäger, die auf die Jagd gehen wollen.
    Ich gehe davon aus, hier konnte man gegen Bezahlung auf die Hochwildjagd gehen – also genau das, was mir nicht gefällt.
    Richtig ist, dass hier ein staatlicher Betrieb den Auftrag gab.
    Nur in meinem Rangermodell sehe ich eben nicht einen Erfüllungsgehilfen der Forstwirtschaft, sondern im Gegenteil ein eigenständiges Gegengewicht, das die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen prüft bzw. in einem Rangersystem würde es kein Jagdgeschehen über den Forst geben.
    Mein Gedankenmodell ist ein Zusammenspiel von Jagd-Naturschutz-Landespflege und wahrlich nicht “Holz-vor-Wild”.
    Hätte das Rotwild mehr Äsungsflächen (und wäre evtl auch der Jagddruck/Freizeitdruck nicht so groß), gäbe es wahrscheinlich auch weniger Verbiss an den Forst-Plantagen, die man als solche auch in Frage stellen kann.

    Also in diesem Sinne frohe Festtage und immer mal über den Tellerrand blicken.

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  3. Niemand Sonst

    @Edelmann

    “dass zu einer Drückjagd im August 2018 im Revier Markneukirchen Blitzknaller bei bestehender höchsten Waldbrandstufe eingesetzt wurden…………
    Das Vorgehen ist pflichtwidrig und widerspricht den Grundsätzen der Vorbildlichkeit von Jagdausübung und Hege in den Verwaltungsjagdbezirken des Freistaates Sachsen…………..
    obwohl sicherlich zu fragen wäre, ob das Zünden von Blitzknallern, um Tiere in Panik zu versetzen und so vor die Schützen zu bringen, nicht auch tierschutzwidrig ist”.

    Darum gings und nicht um die Anzahl der erlegten Tiere.
    Und jetzt stelle man sich vor so etwas hätten “Hobbyjäger” veranstaltet!
    Den Aufschrei würde man in Sibirien noch hören.

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    1. Edelmann

      @Niemand Sonst
      Man sollte sich nicht von der Überschrift irreführen lassen.
      Anfragen an eine Landesregierung haben regelmäßig mehrere Fragen, die meist gleichrangig sind.
      Hier waren es fünf Fragen, bei Frage 1 ging es um die Anzahl der Schützen, also nicht inklusive der Treiber, sonst hätte es wahrscheinlich auch der Knaller nicht bedurft.
      Bei Frage 5 ging es um die Knaller.
      Aber der Hit ist die Frage 2 – hier gehe ich bei einem nachstehenden Kommentar drauf ein.
      Übrigens ist die Beantwortung der Kleinen Anfrage im Jawina-Text verlinkt.
      Das sollte der Kurz-URL sein:
      https://kleineanfragen.de/sachsen/6/15452

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  4. Torsten Schröder

    Hoffentlich fragt sich der eine oder andere der 137 Schützen was für ein Blitzknaller er ist, an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen und auch noch Geld zu zahlen.

    @ Herr Edelmann: Die Munition wird im Übrigen auch bei einer Gesellschaftsjagd im Staatsforst nicht verteilt sondern muss neben der Standgebühr auch noch selbst vom Schützen mitgebracht werden. Aber bei so wenig Wild fallen entsprechend wenig Schüsse, so das sich die Bleikontamination auch in Grenzen halten wird, die der gewöhnlich Jäger natürlich ansonsten gesetzeswidrig verursacht.
    Jetzt ist ja davon auszugehen, dass die Teilnehmer nicht Hand in Hand im Wald standen, sondern dass für die Bejagung zumindest der Fläche diese Anzahl von Schützen notwendig ist, auch wenn die Abschusszahlen auf einen entsprechend geringen Wildbestand schließen lassen. Anstatt das die Schützen für den Stand und die Jagdteilnahme bezahlen, wäre Ihr Modell dann, dass der Landesforst und damit der Staat 137 Ranger bezahlt?

    Antworten
    1. Edelmann

      @Torsten Schröder
      Es lohnt sich die im Beitrag verlinkte Antwort zur Anfrage zu lesen.
      Es geht wohl um 650 ha! Das wären dann etwa 6,5 ha pro Schütze!
      Bei einem Ranger erwarte ich ein größeres Einsatzgebiet, er darf ja hauptberuflich draußen sein und kollidiert dann nicht so stark mit der Freizeitgesellschaft.
      Aber zur Finanzierung:
      Frage 2 war: “lst es zutreffend, dass für die Durchführung der beiden Jagden an ein Unternehmen insgesamt eine Summe von ca. 48.000 EURO gezahlt wurden, falls nein, wie war der konkrete Betrag?”
      Schon klar, es ging um dauerhafte jagdliche Einrichtungen und Infrastruktur ….. dennoch, eine stattliche Summe, die vom Sachsenforst gezahlt und nicht eingenommen wird!
      Für mein Modell würde ich die Kosten für die Kontrolle der Landwirtschaft und der Agrarförderung und der Gehälter für dieses Kontrollsystem in ein Rangermodell stellen. Ebenso wie das Personal und deren Kosten im sonstigen Umweltschutz, also dezentralisieren (sozusagen Außen- und Innendienst vor Ort).
      Die Kontrolle wäre ständig präsent und würde somit vorbeugend wirken. Damit unterstelle ich nicht, dass viel schiefläuft, sondern möchte bewirken, dass zeitaufwändige Kontrollen im Nachhinein (ohne Beanstandungen) unnötig werden. Übrigens gewusst, dass jährlich dreistellige Millionenbeträge ausgegeben werden, um fußläufig mit GPS die “qm”-Angaben in der Agrarförderung zu kontrollieren, sprich nachzumessen? Dann lieber Berufsjäger statt Geometer in der Feldflur.
      So eine Umstellung würde eh nicht als Bruch geschehen können.
      Falls dann noch Gelder fehlen, ein eindeutiges Ja für eine Finanzierung aus Steuermitteln.
      Wegen dem Insektensterben, der Düngung, den Importfuttermitteln, regenerativer Energie usw., werden wir früher oder später eh umdenken, sprich zahlen müssen.

      Antworten
  5. Ralf

    @Edelmann:
    es kommen ja derzeit ganz viele Facharbeiter übers Mittelmeer. Und die als Ranger bezahlen bitte Sie alleine. Das kann und darf aus meiner Sicht nicht auf Steuerzahlerkosten geschehen. Schließlich ist es IHR Wald. Eigentum verpflichtet 😉

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  6. Edelmann

    @Ralf
    Wir denken aneinander vorbei.
    HIER ist im Wald der Holzklau ein deutlich größeres Problem als der Verbiss.
    Beides hat nichts mit dem Mittelmeer zu tun.

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  7. Ralf

    Ach, Herr Edelmann! Es geht Ihnen nur um den Verbiss? Ist ja interessant! Ich dachte schon, es sei gegen Jagd und Jäger und Revierjagdsystem gerichtet… . Dann muss ich Ihre bisherigen Kommentare neu bewerten 😉
    Das mit dem Holzklau kann ich nicht wechseln. Tut mir leid. Sie Wollen einen Ranger auf jeder Lichtung? Hoffentlich haben Sie genug Geld, um die alle bezahlen zu können!

    Antworten
  8. Edelmann

    @Ralf
    Im Sachsenforst geht es um den Verbiss. Hier ist im Wald der Diebstahl das größere Ärgernis. Zuletzt sind im November drei Fichten ca 15m hoch verschwunden, samt Grünzeug. Diesen Verlust gönne ich lieber dem Wild als Leuten, die meinen, sie können sich alles erlauben.
    Für unseren Holzbedarf reicht der Windbruch völlig aus. Holzverkauf ist kein Thema. Die Wald(rand)wiesen werden nur mit einem späten Heuschnitt genutzt, da bleibt im Frühjahr genug Zeit für den Wildnachwuchs und im Winter ist Ruhe. Wir haben im Mischwald ausreichend Naturverjüngung, Verbiss durch Rehe ärgert mich nicht, hier gibt es kein Rotwild. Rotwild selbst wäre für mich auch kein Problem, der Wolf übrigens auch nicht.
    Ich würde den Weg der Befriedung gehen, wenn der Gesetzgeber nicht die Befriedung auf ALLE Eigentumsflächen beziehen würde. Waldflächen im Realteilungsgebiet zu befrieden ist …. mir fällt kein passendes Wort ein…., von der gebührenpflichtigen Anhörung der zahlreichen Nachbarn ganz zu schweigen.
    Könnte man ausgesuchte Äcker, Wiesen und Weiden in Hofnähe befrieden, wäre das schon geschehen – dann wäre für mich das Thema Jagd erledigt!
    Und richtig, von einem Rangersystem erwarte ich einen geringeren Jagddruck und mehr Abschreckung für selbstherrliches Verhalten.
    Frohe Festtage!

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  9. Frank

    Ehe sich die Kommentatoren hier noch tiefer um einen Einzelaspekt “verhaken”, möchte ich noch auf etwas anderes aufmerksam machen: Das Datum der ersten im Beitrag erwähnten Drückjagd im August!

    Man meint im Sachsenforst also, den Druck aufs Rotwild gleich mit der Jagdzeit/dem Schonzeitende gleichtakten zu müssen?
    Etwa, weil Wildbestand und Schadensdruck so hoch wären? Dem indes der Jagderfolg über mehrere Monate nicht nur Hohn spräche!

    Man kann angesichts solch unsinniger Jagden und dem damit verbundenen Aufwand auch mal die Frage stellen, wie sich das mit einem vernünftigen Umgang öffentlicher Mittel zur Deckung bringen lässt.

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