Sachsenforst beantragt höheren Rotwild-Abschuss – LJVSN protestiert

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Trotz sachsenweit sinkender Streckenergebnisse beim Rotwild – im Jagdjahr 2017/2018 nur noch 3771 Stück nach 4251 im Vorjahr – hat der Staatsbetrieb Sachsenforst (SBS) teilweise drastisch erhöhte Rotwild-Abschüsse für die kommenden drei Jagdjahre in einigen Forstbezirken beantragt. Nach Angaben des Landesjagdverbands Sachsen (LJVSN) wurden die folgenden Abschüsse beantragt:

FB Eibenstock: Beantragung von 350 Stück auf 495 Stück
FB Neudorf: Beantragung von 1.600 Stück (nachdem der Abschussplan in den zurückliegenden drei Jahren von ursprünglich 700 Stück über 900 Stück bereits auf über 1.290 Stück im letzten Jahr erhöht wurde)
FB Marienberg: Beantragung von 1.300 Stück auf 1.400 Stück.

In einem auf der Internetseite des LJVSN veröffentlichten Brandbrief protestiert LJVSN-Vizepräsident Wilhelm Bernstein vehement gegen die geplante Steigerung der Abschüsse.

In einem Schreiben an das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) kritisiert der LJVSN, dass “der Forstbezirk Eibenstock […], wie auch die anderen Forstbezirke, bereits im letzten Jahr eine Nachbeantragung eingereicht, aber aus gutem Grund nicht genehmigt bekommen” habe. Anscheinend werde, völlig unbeeindruckt, in der Neubeantragung für die nächsten drei Jagdjahre wieder mehr gefordert.

Auch die beiden anderen Forstbezirke beantragen nach Ansicht des LJVSN höhere Abschüsse, “ohne auf eine tatsächlich nachvollziehbare, wissenschaftliche Grundlage zurückgreifen zu können.” Der LJVSN bezweifelt die Zulässigkeit des statistischen Verfahrens, mit dem die Rotwildbestände im Sachsenforst geschätzt werden und das die Grundlage für die Abschussplanung bildet.

Diese Skepsis am Verfahren werde “auch von der Wissenschaft, sprich Herrn Dr. Stier aus Tharandt und Frau Dr. Miller von der Deutschen Wildtier Stiftung, mitgetragen”, so der LJVSN: “Um das vom Staatsbetrieb Sachsenforst gewählte Rechenmodell wissenschaftlich/handwerklich einwandfrei nutzen zu können, muss ein Datenbestand von größer 10 Jahren bei konstanten Rahmenbedingungen vorliegen. Beides ist hier nicht der Fall! Zudem kann bei solch einer Berechnung nicht nur der Landeswald betrachtet werden, da das Rotwild schließlich nicht ausschließlich dort lebt.” Demzufolge wisse man nicht, wie groß der Rotwildbestand in den genannten Forstbezirken tatsächlich ist. Das Rechenverfahren gebe dies nicht her, Zählungen und/oder qualifizierte Schätzungen existierten nicht.

In den genannten Forstbezirken werde “offensichtlich kein Wert auf eine bestandsgerechte Abschussplanung gelegt. Hier scheint der Planungsgrundsatz zu herrschen: „Was traue ich mir zu, in drei Jahren mit allen Mitteln erlegen“, unabhängig vom tatsächlichen Bestand” kritisiert der Jagdverband. Vielmehr würden “wider besseres Wissen Rechenmodelle entsprechend angepasst, um die „Bauchzahlen“ zu begründen. Sogar die Einwände des wissenschaftlichen Beirats des SBS- Forschungsprojekts zu diesem Vorgehen hat man einfach übergangen.”

Nach Erhebungen der Oberen Jagdbehörde sind die Abschusszahlen für das Rotwild in ganz Sachsen in Summe rückläufig, so der LJV. Vor diesem Hintergrund frage man sich schon, “mit welchen Mitteln und Strategien gerade im Landeswald immer höhere Strecken beantragt und erzielt werden.” Das Rotwild sei in allen Revieren rückläufig, nur beim Staatsbetrieb Sachsenforst nehme es zu.

Wie Wilhelm Bernstein auf der Internetseite des LJVSN schreibt, hat der sächsische Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) gegenüber dem LJVSN-Präsidenten Frank Seyring und dem ehemaligen DJV-Präsidenten Hartwig Fischer zugesagt, dass im Sachsenforst künftig keine Lappjagden mehr durchgeführt werden und neu zu beantragende Abschusspläne der Forstbezirke nicht höher ausfallen als in der vergangenen Planperiode. Mit deutlichen Worten erinnerte Bernstein an die gegebenen Versprechen: “Herr Minister, wir nehmen Sie beim Wort und verlassen uns auf Ihre Zusagen. Hieran werden wir Jäger Sie und Ihre Partei messen!” red

Beitragsbild: Erlegtes Rotwild. Foto: SE

2 Gedanken zu „Sachsenforst beantragt höheren Rotwild-Abschuss – LJVSN protestiert

  1. mikka

    Das Handeln des Staatsbetriebes Sachsenforst und der Forstbezirke vor Ort unterstreicht leider wieder einmal den Fakt: Staat im Staat und das mit Arroganz und Größenwahn. Hier wird Politik und Macht auf dem Rücken von Wildtieren ausgetragen, welche mit etwas Fingerspitzengefühl in der Bewirtschaftung wohl auch nicht so viele Schäden verursachen würden. Aber hierzu fehlt nicht nur die Vernunft und der Sachverstand, sondern vor allem die Bereitschaft… da können Minister die heut schon keine mehr sind Zahlen versprechen wie sie wollen, in dieser Sache wählt nicht nur der Jäger.

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