Sachsen: Schäfer verliert bei drei Wolfsangriffen 32 Schafe

Am 06.11.2016 wurden in Cunnewitz (Landkreis Bautzen), im Territorium des Rosenthaler Rudels, sieben Schafe getötet und ein Schaf verletzt, meldet das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz. Der betroffene Schafhalter hatte bereits am 05.10. und 06.10.2016 insgesamt 32 Schafe bei Wolfsübergriffen verloren. In den beiden vorhergehen Fällen überwand der Wolf ca. 1,40 m hohe Festzäune, im aktuellen Fall wurde ein 1,35-1,50 m hoher Festzaun aus Knotengeflecht überwunden. Über diesen war an einer Seite des Zaunes, auf dem obersten Draht aufliegend, eine Breitbandlitze gespannt. Unklar ist, auf welcher Seite der Zaun überwunden worden ist.

Da Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material im Gegensatz zu stromführenden Zäunen, die bei Berührung Schmerz verursachen, über keine aktive, abschreckende Wirkung verfügen, ist der Effekt eines „Flatterbandes“ (Breitbandlitze) in Verbindung mit einem Festzaun fraglich und wird daher nicht empfohlen, so das Kontaktbüro. Das „Flatterband“ ist eine als optische Barriere wirkende Breitbandlitze, die sich in Kombination mit einem Elektrozaun als effektive Maßnahme gegen das Überspringen bewährt hat und daher empfohlen werden kann. Dazu wird die Breitbandlitze ca. 20 – 30 cm über dem Elektrozaun angebracht, so dass sie frei in der Luft hängt und dem Wolf erschwert, die Höhe des Hindernisses abzuschätzen.

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Flatterband über Elektrozaun. Foto: A. Klingenberger, Quelle: Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz

Dem betroffenen Tierhalter wurden von Seiten des Wolfsmanagementes geeignete, förderfähige Herdenschutzmöglichkeiten angeboten. Das sind der Einsatz von Elektrozäunen mit Flatterband, Herdenschutzhunde oder die Nachrüstung des vorhandenen Festzaunes mit Untergrabungs- und Übersprungschutz (stromführende Drahtlitze).

Im Bereich des Rosenthaler Wolfsrudels wurden im Jahr 2016 bislang 11 Übergriffe gemeldet, davon wurden in 8 Fällen Festkoppeln überwunden. Elektrozäune, die mit „Flatterband“ überspannt waren, wurden bisher nicht überwunden. Um weiteren Nutztierschäden im Raum Rosenthal vorzubeugen, werden Schaf- und Ziegenhalter im Bereich des Rosenthaler Wolfsrudels, wie auch im letzten Jahr, dazu aufgerufen, ein „Flatterband“ (Breitbandlitze) ca. 20 – 30 cm über ihren Elektrozaun zu spannen. Sollte das Flatterband des letzten Jahres nicht mehr einsetzbar sein oder nicht ausreichen, kann das benötigte Material (Breitbandlitze, Weidepfähle) auch in diesem Jahr wieder kostenfrei bei der Biosphärenreservatsverwaltung ausgeliehen werden (Kontakt: siehe unten). Diese zusätzliche Schutzmaßnahme ist im gekennzeichneten Gebiet (siehe Karte) voraussichtlich bis Ende Dezember 2017 notwendig.
Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im Freistaat Sachsen haben die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen (mobile Elektrozäune, Herdenschutzhunde, „Flatterband“, Unterwühlschutz) zu 80% der Nettokosten fördern zu lassen.

Beratung zur Verbesserung des Herdenschutzes und zu Fördermöglichkeiten sowie die Möglichkeit zur Ausleihe von „Flatterband“ erhalten Sie unter folgendem Kontakt: Herr Klingenberger von der Biosphärenreservatsverwaltung in 02694 Malschwitz OT Wartha, Warthaer Dorfstraße 29 (Tel.: 0172 / 3757 602, E-Mail: andre.klingenberger@smul.sachsen.de). PM Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz

Beitragsbild: Durch Kehlbiss getötete Ziege. Foto: SE

Ein Gedanke zu „Sachsen: Schäfer verliert bei drei Wolfsangriffen 32 Schafe

  1. Joachim Orbach.

    Genau wie Hunde können sich sicherlich an einem 1,40 m hohen Zaun Wölfe hochziehen und dadurch überwinden. Da stellt sich doch die Frage: Wie hoch und wie tief im Erdreich muss ein sicher Zaun gegen das eindringen Wölfe sein? Meiner Meinung nach muss dieser so beschaffen sein, wie die Zäune in Wolfsgehegen in Tierparks usw..Da stellt sich aber denn die Frage: Wer bezahlt diese den Tierhaltern?

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