Sachsen: Landrat kritisiert “Wolfsversteher”

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Der Landrat des sächsischen Landkreises Bautzen, Michael Harig, hat auf der Internetseite des Kreises eine “Reaktion zum Vorfall in Förstgen” veröffentlicht. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut:

“Nun war es eine „staatliche Herde”, die getroffen wurde. Am Leid der Tiere ändert das freilich nichts, wohl aber – und das bleibt zu hoffen – am Erkenntnisprozess derer, die da meinen, es sei alles in Ordnung. Auch die Verantwortlichen des Biosphärenreservats gingen auftragsgemäß in Schulen und diverse Veranstaltungen, um am eigenen Beispiel zu erläutern, dass ein Leben mit dem Wolf möglich und völlig normal sei. Und nun?

Die bisherige Argumentation der „Wolfsversteher”, die Schäfer seien zu bequem und einfältig, um einen wirksamen Herdenschutz zu betreiben, und dass die Behauptungen der Jäger über die Verhaltensänderungen des Wildes wissenschaftlich nicht belegt seien, zerbröselt mit jedem Rissereignis. In gleicher Weise betrifft diese Auflösungserscheinung leider auch die kleine Schar der Menschen, die unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch bereit ist, sich der Mühe einer artgerechten Tierhaltung zu unterwerfen.

Wann wird endlich erkannt, dass wir auf einem falschen Wege sind? In einem deutschen Liedtext heißt es sinngemäß: „Auch der Mensch verdient geschützt zu sein, sonst stirbt er einmal aus.”

Das betrifft insbesondere die Spezies Mensch, die mit ihrer tagtäglichen Arbeit eine ökologische Bewirtschaftung unserer Kulturlandschaft sicherstellt und den Teil unserer Nahrungsgüterwirtschaft verantwortet, der nicht billig importiert wird.

Wenn die Ideologen in Brüssel und Berlin noch Zeit – zu viel Zeit – zum Einsehen brauchen, so sollten wir in Sachsen erkannt haben, dass „Gefahr im Verzug” ist. Das rechtfertigt nicht nur zum Reagieren, sondern es verpflichtet dazu. Wölfe gehören nicht in unsere Kulturlandschaft! Oder was soll noch passieren?

Michael Harig
Landrat”

Anm. d. Red.: Harigs Hoffnung, der neuerliche Rissvorfall möge etwas ändern am “Erkenntnisprozess derer, die da meinen, es sei alles in Ordnung” dürfte sich als unbegründet erweisen. Beispiel: In einem Interview mit dem Deutschlandfunk erklärt die Leiterin der Naturschutzstation Östliche Lausitz, Annett Hertweck, “die Wölfe seien weniger das Problem.” Aus Hertwecks Perspektive ist eher das Problem, dass sich der Naturschutz “in Konkurrenz begeben müsse mit Wirtschaftsbetrieben” – und natürlich, dass es zu wenig staatliche Förderung gibt, etwa für das Aufbauen der 1,10 Meter hohen Euronetze, das Einrichten der Nachtpferche und das Herein- und Heraustreiben der Schafe. Dieser “wahnsinnige logistische und auch arbeitsintensive Aufwand” werde durch die “Fördersätze definitiv nicht refinanziert.” PM/red.

Beitragsbild: Beitrag des Bautzener Landrats Michael Harig auf der Internetseite des Landkreises (Screenshot, Ausschnitt).

 

 

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