Sachsen-Anhalt: Wie Jäger sich selber schaden

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BEITRAG AKTUALISIERT. Weil sich die lokalen Jagdverbände im Landkreis Wittenberg nicht auf einen Kandidaten einigen konnten, sitzt bislang kein Vertreter der Jäger im Jagdbeirat des Kreises.

Wer mit der Situation in jagdlichen Gremien vertraut ist, wird die Situation im Landkreis Wittenberg vermutlich als nicht ganz untypisch empfinden: Drei konkurrierende jagdliche Kleinstverbände vertreten die Jägerschaft in dem Landkreis: Die Kreisjägerschaft Wittenberg, die Jägerschaft Altkreis Jessen und die Jägerschaft Mittlere Elbe-Vorfläming. Obwohl die sich Vorstände der drei Verbände dem Vernehmen nach abstimmen und einigermaßen einträchtig kooperieren, erweckt die Interessenvertretung der Jäger im Landkreis nach außen hin nicht den Eindruck von Geschlossenheit und klarer Positionierung in jagdlichen Fragen – es überwiegt der Eindruck heilloser Zerstrittenheit.

So müssen sich die drei Jägerschaften auf die Kandidaten für das Amt des Kreisjägermeisters und des Vertreters der Jäger im Jagdbeirat einigen. Wie die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) (hinter der Paywall) berichtet, gelang es auch zunächst, sich auf einen einvernehmlichen Vorschlag festzulegen. Nach einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zog die KJS Wittenberg jedoch ihre Zustimmung für den designierten Vertreter der Jäger im Jagdbeirat, Ronny Hanle, zurück und präsentierte mit Rainer Hinze einen Gegenkandidaten.

Anlass für die Einberufung der außerordentlichen Mitgliederversammlung der KJS Wittenberg war nach Informationen von JAWINA, dass eine Gruppe von Mitgliedern der KJS den angeblich undemokratischen Nominierungsprozess der vom Vorstand vorgeschlagenen Kandidaten kritisiert hatte. Da der Vorwurf nicht satzungsgemäßen Handelns im Raum stand, hatte der Vorstand der KJS keine andere Wahl, als die außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Bei der Abstimmung fiel der von der Gruppe meuternder KJS-Mitglieder präsentierte Kandidat für den Posten des Kreisjägermeisters dreimal durch. Dieser soll, so war aus Kreisen der KJS zu hören, vorrangig die Interessen großer Eigenjagdbesitzer vertreten haben und so nicht mehrheitsfähig gewesen sein. Die Gegenseite weist diese Darstellung als Unsinn zurück: Es sei dem Vorstand der KJS lediglich darum gegangen, die Wahl einer aus persönlichen Gründen missliebigen Person zum Kreisjägermeister zu verhindern.

Dass Ronny Hanle – der auch vom Vorstand der KJS Wittenberg und vermutlich einem großen Teil der Mitglieder unterstützt wurde – nicht gewählt wurde, ist auf ein Missgeschick des KJS-Vorstands zurückzuführen. Ronny Hanle ist Mitglied der Jägerschaft Jessen. Verunsichert durch die mit juristischen Konsequenzen drohende Gruppe meuternder Mitglieder, meinte der Vorstand irrigerweise, nur Mitglieder der KJS als Kandidaten nominieren zu dürfen. So kam es zur Wahl von Rainer Hinze.

In einem solchen Fall gehe das Vorschlagsrecht auf die nächsthöhere Organisationsebene über, in diesem Fall ist das der Landesjagdverband Sachsen-Anhalt. Dieser hielt an dem ursprünglichen Kandidaten, Ronny Hanle, fest. Gewählt wurde dieser aber noch nicht. Das Ergebnis dieser Zerstrittenheit ist, dass nun die Vertreter von Land- und Forstwirten, Naturschützern und Jagdgenossen in den Jagdbeirat gewählt sind, aber keiner für die Jäger.

Seit dreißig Jahren gebe es diese Probleme, beklagen Kreispolitiker und Lokalfunktionäre gegenüber der MZ. Die Jäger würden sich “partout nicht einig” werden, erklärt CDU-Fraktionschef Christian Tylsch gegenüber der Zeitung, damit werde “das Amt beschädigt.” Das Problem ist für jeden offensichtlich, dass es drei Kleinstjagdverbände in dem Landkreis gibt. Doch “die drei Jägerschaften unter einem Dach zu versammeln”, sei “in den vielen Jahren nicht gelungen”, klagt Landrat Jürgen Dannenberg (Die Linke) in der MZ. Das sei aber die Sache der Jägerschaften.

Da dies so ist, kann man wohl davon ausgehen, dass sich auch in Zukunft nichts ändern wird. SE

Beitragsbild: Headline des zitierten Beitrags in der MZ (Screenshot)

Die Red. dankt JAWINA-Leser HM für den Hinweis!

5 Gedanken zu „Sachsen-Anhalt: Wie Jäger sich selber schaden

  1. Andreas Wilke

    Zu „Zoff bei den Jägern“
    Der Sachverhalt hinsichtlich der Wahl des Vertreters der Jäger im Jagdbeirat ist leider nicht zu Ende recherchiert worden und die Vorstände der Jägerschaften wurden hierzu nicht gehört. Klarzustellen ist, es gibt keinen Zoff zwischen den einzelnen Jägerschaften und deren Vorständen. Unruhe gibt es nur seit einigen Monaten in Reihen der Kreisjägerschaft Wittenberg, da permanent Unfrieden von ein paar wenigen, vermeintlich rechtskundigen Mitgliedern aus den Bereich der Lu- therstadt Wittenberg gestiftet wird.
    Korrekt ist, dass sich die Vorstände der Jägerschaften nach einem aufwendigen Suchen auf ge- meinsame, dem Amt gerecht werdende Kandidaten geeinigt haben. Hierbei wurde ein Kandidat für den Posten des Kreisjägermeisters aus der Lutherstadt Wittenberg nicht zur Wahl gestellt, da gemeinschaftlich befunden wurde, dass der jetzt gewählte Kreißjägermeister Guido Arndt der bessere Kandidat ist.
    Hieraufhin intervenierte die Gruppe aus der Lutherstadt Wittenberg mit den rechtlichen Hinweis und Bezug auf das BGB, dass das Verfahren der Auswahl der Kandidaten nicht rechtens sei. Sie verlangten im diesem Zuge die Herausgabe aller Anschriften der Mitglieder der Kreisjäger- schaft Wittenberg, um eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen.
    Nach Rücksprache mit dem Justizar des Landesjagdverbandes Sachsen-Anhalt, entschloss sich der Vorstand der Kreisjägerschaft Wittenberg aus Datenschutzgründen, selbst eine Mitgliederver- sammlung einzuberufen, um den Sachverhalt zu klären. In dieser Mitgliederversammlung wurde der Kandidat für den Kreisjägermeister nicht , jedoch ein Kandidat für den Vertreter der Jäger im Jagdbeirat gewählt.
    Zur eigentlichen Wahl im Kreistag ist zu sagen, dass der Fachdienstleiter Herr Zubke alles richtig gemacht hat. Er hat bei Unstimmigkeiten, wie es das Gesetzt vorsieht, den Landesjagdverband um Stellungnahme gebeten. Dieser nominierte Herrn Ronny Hanl als Kandidat.
    Der eigentliche Skandal ist, dass im Vorfeld der Kreistagssitzung von vermeintlich rechtskundigen Personen an die Fraktionen herangetreten wurde, um die Wahl zu verhindern. Hierbei wurde das Unwissen der Kreistagsmitglieder bewusst ausgenutzt. In den Fraktionen der AfD und den Freien Wähler war die Verwirrung groß.
    Die Zurückweisung der Wahl des Vertreters der Jäger im Jagdbeirat war nach meinen Rechtsver- ständnis nicht richtig. Der Kreistag hat keine Hoheit und keine Kontrollfunktion gegenüber selb- ständig rechtsfähigen Vereinen . Auch der Hinweis, die Jägerschaften sollten nun endlich fusionie- ren,entbehrt jeder Rechtsgrundlage und stellt ein rechtswidrigen Eingriff in das Vereinsrecht dar.

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    1. admin Beitragsautor

      Anm d. Red.: Andreas Wilke ist als Schatzmeister Vorstandsmitglied der KJS Wittenberg. Bei dem oben veröffentlichten Kommentar handelt es sich um einen Leserbrief, den Herr Wilke an die MZ geschrieben hat. SE

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  2. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Typisch Kinderkram. Was gibt´s da zu diskutieren? Ein Wahlverfahren für eine externe Aufgabe ist überflüssig, weil es in eine Vereinssatzung nicht hingehört. Wenn alle willigen Kandidaten sich dem Jagdbeirat kompetent vorstellen, entscheidet in diesem Streitfalle der Jagdbeirat des Kreises (Behörde) wer die Jägerschaft vertritt. Basta.
    Oder es gibt eine Kreisversammlung der 3 Vereine, die willigen Kandidaten stellen sich vor und bei der Wahl entscheidet die einfache Mehrheit.

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  3. Falk Rißmann

    Ich kann dem Leserbrief von Andreas Wilke nur zustimmen. Als stellvertretener Vorsitzender der Jägerschaft Jessen kann ich bestätigen das die Aussagen von Ihm vollkommen korrekt sind. Wir haben in unserer Jägerschaft im Rahmen der Jahreshauptversammlung nach Kandidaten gesucht und angefragt, ob es Interessenten dafür gibt. Mit Ronny Hanl, einem erfahrenen Jäger und ein Ausbilder für die Jungjägerausbildung (übrigens gemeinschaftlich aller Jägerschaften des LK Wittenbergs), als Vertreter für den Jagdbeirat und Guido Arndt als Kandidat für den Kreisjägermeister gingen wir, Jägerschaft “Altkreis Jessen”, in eine gemeinsame Kandidatenkür mit den Vorständen aller 3 Jägerschaften.
    Herr Hanl war an dem Tag einziger Kandidat für den Vertreter der Jäger im Jagdbeirat. Seine Vorstellung überzeugte und es wurde einstimmig von den Vorständen aller drei Jägerschaften gewählt.
    Deswegen kann wirklich nicht die Rede sein, dass wir Jägerschaften zerstritten sind, lediglich das von außen hereintragen von persönlichen Interessen Dritter scheint dieses Bild zu zeichnen. Wenn der Kreistag sich einfach nur an die Regeln des Procedere gehalten hätte, wäre der Zeitungsartikel unnötig gewesen.
    Zudem leben wir in einer Demokratie und es muss auch nicht immer einstimmig alles beschlossen werden, auch Mehrheitsentscheidungen haben zu zählen. Und dass wir 3 Jägerschaften im Landkreis sind ist historisch bedingt, da die Regionen der einzelnen Jägerschaften nicht immer ein gemeinsame territoriale Grundlage hatten. Ich sehe darin auch nichts negatives, da die Strukturen dadurch etwas kleiner sind, das Ohr zur Basis viel näher ist und örtliche Probleme viel schneller angegangen werden können.
    Und wenn dann noch die Vorstände so gut zusammenarbeiten wie es bei uns ist gibt es keine Gründe warum wir das ändern sollten.

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  4. Maik Heese

    Eigentlich ist es wider meiner Natur, auf Internetportalen etwas zu kommentieren!
    Nur wenn man das alles liest, glaube ich, ist es doch notwendig, einmal kurz ein paar Anmerkungen zu machen!
    Zu allererst: Dass die 3 Jägerschaften zerstritten sind, ist meiner Auffassung völliger Nonsens!!!
    Sie sind sich, was die Vorstandsarbeit Vereinsübergreifend betrifft, sehr einig und arbeiten zusammen. Was auch die jährliche gemeinsame gute Jungjägerausbildung dokumentiert.
    Es geht doch an sich um ein ganz klares Problem, welches von Mitgliedern, hier als Meuterer bezeichnet, völlig richtig moniert wurde. Wenn jemand meine Interessen als Jäger und Vereinsmitglied als Bindeglied zur Politik vertreten soll, dann sollte ich als Mitglied doch auch wissen um wen es sich handelt! Es kann doch nicht sein, dass sich die Vorstände der 3 Jägerschaften einen Jäger suchen, „der zu uns passt“ (Tenor des Vorsitzenden der KJS Wittenberg beim Stammtisch des Wittenberger Hegerings). Wenn es schon immer so „falsch gemacht“ wurde, wie ein Kreistagsmitglied sagte, dann ist es allerhöchste Zeit, es endlich richtig zu machen.
    Gerade die Historie und das Festhalten an „alten Zöpfen“ ist ja nun das Problem, was nun zu Tage getreten ist! Wenn ich einen Kandidaten für einen Kreisjägermeister und Jagdbeirat suche, dann sollten bei der Suche nach geeigneten Kandidaten alle Mitglieder angesprochen werden und dann bei einer Vollversammlung, bei welcher sich die Kandidaten vorstellen, dann der geeignetste unter Mehrheitsbeschluss der Mitglieder gewählt und dem Kreistag vorgeschlagen werden. Da man in einem Landkreis nun aber drei Jägerschaften (Vereine) hat, dann kann dieses Prozedere nicht funktionieren! Hier sollten sich die Vorstände endlich Gedanken machen, eine Lösung zu finden! Ich kann und möchte nur für die KJS Wittenberg schreiben und möchte den Vorstand der KJS Wittenberg daran erinnern, dass dieser durch die Basis, seine Vereinsmitglieder der KJS Wittenberg gewählt wurde! Entsprechend darf ich doch erwarten, dass dieser Vorstand dann auch alles unternimmt, um geeignete Kandidaten in den eigenen Reihen seines Vereins unter seinen Mitgliedern zu finden und versucht diese dann in die richtige Position zu bringen. Man wenigstens alle über die Suche nach einem Kandidaten informiert.
    So wie es Herr Falk Rißmann für die Jägerschaft Jessen hier beschrieben hat. Mehr wird doch gar nicht erwartet.
    Wäre so verfahren worden und hätte man nicht noch erst zur erweiterten Mitgliederversammlung eine völlig unsinnige Wahl inszeniert, wäre das alles, gerade betreffs des Kandidaten für den Jagdbeirat, bei dem nun Herr Ronny Hanl letztendlich der Leidtragende wurde, gar nicht thematisiert worden.
    Trotz alledem wäre dann die Wahl des Kandidaten für den Kreistag immer noch das Problem.
    Da alle 3 Jägerschaften aus der Historie heraus auf ihre Existens bestehen, sollten sich deren Vorstände nun auch Gedanken machen wie das Prozedere in Zukunft aussehen soll und wie die Mitglieder dann den richtigen Kandidaten aus allen Jägerschaften, für sich wählen.
    Für eine Kandidatenkür durch die drei Vorstände gibt es meiner Meinung keinen Beschluss.
    Auch darf ich als Vereinsmitglied der KJS Wittenberg wohl erwarten, wenn die vorgeschlagenen beiden Kandidaten für die zwei Funktionen aus der Jägerschaft Jessen kommen, dass ich das Recht habe, zu wissen, wer mich als Jäger und Mitglied in der Kreisjägerschaft Wittenberg e.V. in vertreten soll!
    Da der Jagdbeirat über Abschusspläne entscheidet, ist es doch für mich wichtig zu wissen, wer derjenige ist, welcher über meinen Abschussplan mitentscheidet und wie erfahren er in jagdlichen Belangen ist. Das betrifft ebenso den Kreisjägermeister.

    Abschließend nur noch eine letzte und für mich wichtigste Bemerkung:

    Ich hoffe und wünsche mir, dass sich alle Beteiligten endlich zeitnah, bisher wurde dieses immer abgelehnt, an einem Tisch zusammenfinden und nur eines machen:

    „Miteinander reden.“

    Waidmannsheil

    Maik Heese
    Vorsitzender des Hegering Wittenberg

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