Sachsen-Anhalt: Schonzeit für Schmalrehe und Rehböcke verkürzt

In Sachsen-Anhalt ist die Schonzeit für Schmalrehe und Rehböcke verkürzt worden. In der gestern im Amtsblatt veröffentlichten “Verordnung des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt über die Aufhebung von Schonzeiten des Rehwildes” (S. 96) wird die Maßnahme mit hohen Wildschäden und Wildunfällen begründet. Die Jagdzeit für Böcke und Schmalrehe beginnt jetzt bereits am 15. April, Rehböcke können bis zum 31. Januar bejagt werden.

Zur Begründung führt der Verordnungstext aus:

“Hohe Rehwildbestände führen nach wie vor, vor allem in der Forstwirtschaft, zu hohen Wildschäden. Die Forderung des Landeswaldgesetzes Sachsen-Anhalt, dass die natürliche Verjüngung des Waldes sowie die Entwicklung der typischen Bodenvegetation ohne Zaunschutz möglich seien soll, ist derzeit nicht umsetzbar. In den vergangenen 25 Jahren ist die Klimaerwärmung auch durch eine Vorverlagerung des Vegetationsverlaufes deutlich spürbar geworden. Auf Feldflächen mit Wintersaaten und Raps ist das Rehwild bereits zum 1. Mai kaum noch sichtbar und in den Waldflächen wird durch den zeitigeren Laubaustrieb die Jagdausübung schwieriger. In den letzten drei Jahren sind die Wildunfallzahlen ständig angestiegen. An über 70 % der Wildunfälle ist das Rehwild beteiligt.

Im Jahresverlauf steigen mit dem Beginn der Aktivitätsphase des Rehwildes im April auch die Wildunfälle deutlich an. Bisherige technische und jagdliche Maßnahmen an Wildunfallschwerpunkten haben nicht zu einer nachhaltigen Verringerung der Wildunfälle in Sachsen-Anhalt beitragen können.

Mit der Verlängerung der Jagdzeit des Rehbocks bis zum 31. Januar wird die Harmonisierung der Jagdzeiten erreicht, indem damit ein einheitliches Ende der Jagdzeit auf alles Schalenwild außer Schwarzwild festgelegt wird. Die bisherige Herangehensweise der Regelung zur Verlängerung der Jagdzeit des Rehbocks über einzelne Ausnahmegenehmigungen der Landkreise nach § 27 Abs.4 LJagdG wird damit ersetzt.

Mit der Vorverlegung der Jagdzeit für Schmalrehe und Rehböcke sowie mit der Verlängerung der Jagdzeit für den Rehbock durch entsprechende Aufhebung der Schonzeit wird allen Jägern in Sachsen-Anhalt die Möglichkeit eröffnet, Rehwild effizienter zu bejagen und zur Bestandsregulierung beizutragen.

§ 2 Schonzeitaufhebung

(1) Die Schonzeit der Schmalrehe wird vom 15. April bis 30. April aufgehoben.

(2) Die Schonzeit der Rehböcke wird vom 15. April bis 30. April und vom 16. Oktober bis 31. Januar aufgehoben.

Beitragsbild: Erlegte Rehe. Foto. SE

6 Gedanken zu „Sachsen-Anhalt: Schonzeit für Schmalrehe und Rehböcke verkürzt

    1. Eric

      Oh Gott nee….schlimmer geht es nicht .
      Nur gut das es durch die harte Forst Bejagung jetzt schon nix mehr gibt .
      Was geht da nur ab *Kopfschüttel*

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  1. Heine C.

    Machs gut Rehwild ,danke das wir dich Jahre lang in Feld u Flur bestaunen durften ,dich bis vor ein paar Jahren in zahlreichen Sprüngen in den Wintermonaten auf den Feldern erblicken konnten. Du warst ein gern gesehener Gast bei so manchen Ansitz tagen .
    Unsere Enkel werden dich nun nur noch von Erzählungen u Bildern kennen lernen dürfen .

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Gesunde Wildbestände sind ein Ziel unserer Jagdgesetze. Wie kann ein Wildbestand gesund sein, wenn er lediglich zweieinhalb Monate Schonzeit hat, wie das jetzt auch für Rehe in Sachsen-Anhalt gelten soll?
    Im April versucht das Rehwild, wie andere Wiederkäuer auch, seine winterbedingten Äsungsdefizite aufzufüllen. Drängt man es in dieser Zeit durch Jagddruck von den gerade zu Beginn der Vegetationsperiode gute Äsung bietenden Freiflächen in den Wald, dann steigen die Wildschäden und sinken nicht. Wann endlich begreifen auch die Forstpartie und der ÖJV, dass es keinen wissenschaftlich gesicherten Kausalzusammenhang zwischen Höhe des Wildbestandes und Ausmaß des Verbisses gibt? Ein Blick in die Ergebnisse der letzten Bundeswaldinventur zeigt ein ganz anderes Bild, als es uns von Teilen der Forstpartie und dem ÖJV immer weisgemacht wird. Ich halte die Jagd auf Wiederkäuer im April für tierschutzwidrig und unweidmännisch! Das gleiche gilt für Bewegungsjagden auf Wiederkäuer im Januar. Und um bei solchen Jagden jeden kleinen braunen Knospenfresser ohne Ansehen der Person totschießen zu können, muss dann eben die Jagd auf den Bock auch bis Ende Januar frei sein. “Was Du nicht kennst, das schieß nicht tot” ist ein alter Grundsatz weidgerechter Jagd. Den kennen aber manche Wald-vor-Wild-Eiferer anscheinend nicht mehr.
    Es ist aus wildbiologischer Sicht zwar gleichgültig, wann ein Rehbock erlegt wird. Das Beispiel Brandenburg zeigt allerdings, dass bei Freigabe bis in den Winter der Bockanteil, steigt, nicht aber die Gesamtstrecke (siehe letzten Jagdbericht des Landes Brandenburg). Und das ist dann ja wirklich ein Schuss, der nach hinten losgeht!

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  3. Joachim

    Das Wild wird im Grunde nur noch als Schädling betrachtet. Es hat zwischenzeitlich sogar den Angstgegner Borkenkäfer abgelöst, indem es mit seiner Eigenschaft zu fressen, verhindert, dass sich der Wald hier im Süden sozusagen auf natürliche Weise von einem Fichten- in einen Tannenwald wandelt und so dem Klimawandel trotzt. Welch schlimmer Tat kann man einem Tier anlasten, als den deutschen Wald in Zeiten der Klimakatastrophe durch arglistiges Äsen dem Siechtum anheim zu stellen?
    Da hilft nur die Schädlingsbekämpfung. Und was braucht man dafür? Gutes Marketing und gute Lobbyarbeit, dafür empfängliche Politiker und politische Beamte und zu guter Letzt, Jäger, die das Ganze umsetzen.

    Beim Marketing haben sich die Jäger ein anständiges Armutszeugnis hart erarbeitet, auch bei der Lobbyarbeit ist ihn dies gelungen. Und nun haben sie auch die Chance sich auf ihrem ureigensten Betätigungsfeld der Jagd zu ruinieren.

    Dabei ist die Lösung ganz einfach, nicht schießen. Ich muß doch am 15. April kein Schmalreh schießen, nur weil es erlaubt ist?
    Ich schieße auch im November auf der Drückjagd keinen Bock, nur weil es erlaubt ist. Ich nehme mir die Freiheit, auch auf einer Drückjagd anzusprechen und auszuwählen.

    Ich finde es unsagbar jämmerlich, wenn Jäger ständig lamentieren, aber dann auf alles schießen, was sich bewegt. Mangels Schonzeit, braucht man ja nicht mehr ansprechen. Wie heißt es auf einer großen Rotwilddrückjagd hier regelmäßig “Schießen Sie ruhig auch einzelne Alttiere, wir haben schon einige Kälber erlegt, so dass auch Alttiere einzeln kommen”. Und schon verliert der Waidmann alle Hemmungen.

    Schade !

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  4. egli marcel

    Dass die Jagdzeit auf den Rehbock verlängert wurde, betrachte ich als richtig. Es gibt gute Gründe dafür.
    Die Jagdzeit kann doch den Wildbestand überhaupt nicht beeinflussen.
    Es liegt alleine in der Hand der Jäger, den Bestand und die Hege für alle Wildarten zu einem grossen Teil mit zu prägen.

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