Saarland: Neues Jagdgesetz verabschiedet

Nach langen und teilweise hitzig geführten Debatten hat der Landtag im Saarland am Mittwoch mit den Stimmen von CDU und SPD das neue Jagdgesetz veraschiedet. Grüne und Piraten lehnen das neue Jagdgesetz vehement ab, die Linken stimmten aus formalen Gründen dagegen. Iltisse und Mauswiesel sind nun ganzjährig geschont, ebenso Türkentauben und alle Wildenten mit Ausnahme der Stockente. Der Jagdschutz, also der Abschuss wildernder Hunde und Katzen fällt weg (wildernde Hunde können jedoch in bestimmten Fällen von der Ortspolizei zum Abschuss freigegeben werden). Der Abschussplan für Rehwild ist abgeschafft. Ab 2017 soll die Verwendung bleihaltiger Munition und Flintenlaufgeschosse verboten sein, und wer an einer Drückjagd teilnehmen möchte, benötigt künftig einen Schießnachweis.

Über die wichtigsten Änderungen informiert Johannes Schorr, Geschäftsführer der Vereinigung der Jäger des Saarlandes (VJS) auf deren Internetseite:

1. Die Bockjagd beginnt wie gehabt am 01.05. und endet neu am 15.01.. Schmalrehe können ebenfalls vom 01.05. bejagt werden und enden wie Geißen und Kitze neu am 31.01. (Der 31.01. ist – ausgenommen Böcke und Schwarzwild – generelles Enddatum für die Schalenwildjagd.)

2. Beim Schwarzwild bleibt es bei der ganzjährigen Jagdzeit (Elternschutz nach § 22 Abs. 4 BJG!).

3. Die Jagdzeit auf Füchse wurde wieder verlängert.Sie beginnt jetzt am 01.07. und endet am 28.02.. Für Welpen gilt die Jagdzeit ebenfalls. Die „Welpenfalle à la Herbert Carius“ ist damit im Saarland im Regelfall nicht mehr anwendbar.

4. Marderhunde und Waschbären (und Mink) unterliegen neu dem Jagdrecht und haben eine Jagdzeit ebenfalls wie der Fuchs vom 01.07. bis zum 28.02..

5. Iltisse und Mauswiesel haben jetzt ganzjährige Schonzeit!

6. Türkentauben haben ganzjährige Schonzeit ebenso wie alle Wildenten außer der Stockente!

7. Der Abschussplan für Rehwild ist abgeschafft. Die regelmäßige Meldung von erlegtem Schalenwild muss nur noch vierteljährlich erfolgen (die Geschäftsstelle wäre jedoch dankbar für die Beibehaltung der monatlichen Meldung).

8. Die Kirrung auf Schwarzwild bleibt zulässig. Die bisherige als Vereinbarung zwischen der Obersten Jagdbehörde und der VJS vereinbarte Definition wird obsolet, weil die Regeln jetzt neu gefasst sind: Für Schwarzwild sind für die ersten 150 ha zwei Kirrungen möglich. Jede weitere Kirrung erst für jede weitere angefangene 150 ha Revierfläche. Die Kirrung muss im Wald o. ä. liegen. Als Kirrmittel sind ausschließlich zulässig Getreide, einschließlich Mais, und heimische Früchte, maximal 2 Kilogramm je Kirrstelle. Neu erlaubt ist auch die Kirrung für Rehwild vom 01.10. – 31.12 mitTrester aus heimischen Früchten. (Zwei Liter Trester und von der Anzahl her zwei Kirrungen für die ersten 100 ha und je eine weitere je weitere angefangene 100 ha.)

9. Ab dem 01.01.2017 ist es verboten, bleihaltige Büchsengeschosse bzw. Flintenlaufgeschosse bei der Jagd auf Schalenwild zu verwenden. (Hier ist aber mit einer tierschutzgerechteren Lösung auf Bundesebene vor diesem Zeitpunkt zu rechnen.)

10. Wer an einer Bewegungsjagd auf Schalenwild teilnehmen will, braucht einen jährlich zu erbringenden Schießnachweis in Form der„saarländischen Drückjagdnadel“ oder vergleichbar.

11. Der Fangschuss aus Sicherheitsgründen mit Schrot auf Schalenwild ist zulässig (und nur dieser!).

12. Der Jagdschutz auf wildernde Hunde und streunende Katzen fällt weg. Wiederholt wildernde Hunde können von der Ortspolizeibehörde zum Abschuss frei gegeben werden. (Die verwilderte Hauskatze darf nach dem Naturschutzgesetz getötet werden! Die Beweispflicht, dass es sich dabei aber um eine „verwilderte Hauskatze“ gehandelt hat, obliegt dann wohl dem Jäger.)

13. Für Hundebesitzer ist es verboten, in der Zeit vom 01.03. – 30.06. (Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit) Hunde in einem Jagdbezirk außerhalb eingefriedeter Flächen, die sie nicht verlassen können, unangeleint laufen zu lassen, außer wenn sie zuverlässig den Bereich des Weges nicht verlassen.

14. Es ist verboten, die Jagdausübung vorsätzlich zu stören.

15. Überjagende Hunde sind zu dulden, wenn der Jagdleiter alle geeigneten organisatorischen Maßnahmen ergriffen hat, die Gefahr des Überjagens zu minimieren. 16. Das Betreten besonderer jagdlicher Einrichtungen (Ansitzeinrichtungen, Salzlecken, Kirrungen, aber auch Wildäcker) ist nurmit Erlaubnis des Grundeigentümers oder des Jagdausübungsberechtigtenzulässig.

17. Die Wildfolgeregelung unterscheidet nicht mehr zwischen Schalenwild und Nicht-Schalenwild und ist (auf Vorschlag der VJS) praxisnäher gestaltet.

18. Jagdhundeausbildung in der Schliefenanlage bleibt zulässig, die Ausbildung an der lebenden Ente auch, diese darf aber nicht mehr flugunfähig („Methode Prof. Müller“) gemacht werden.

19. Die Fallenjagd (weiterhin nur mit der Lebendfalle) ist nur aufgrund einer besonderen Fallenjagdqualifikation möglich. Ich gehe derzeit davon aus, dass die Fallenjagdkurse, die die VJS bisher angeboten hat, den Anforderungen entsprechen.

20. Jagdpachtverträge haben eine Mindestlaufzeit von 5 Jahren und eine Höchstlaufzeit von 10 Jahren. Ein laufender Jagdpachtvertrag kann auch auf kürzere Zeit verlängert werden.

21. Wildschäden sind vom Geschädigten innerhalb zwei Wochen anzumelden und nicht mehr innerhalb 1 Woche. PM VJS/Johannes Schorr/SE

Bild: Jägerdemo in Saarbrücken, Copyright: VJS

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