RS14 Evolution: Strasser ist krasser

Voll krass: Strasser Shootingday im Aimcenter Irschenberg

Die Strasser RS14 Evolution ist sicherlich einer der interessantesten Geradezugrepetierer auf dem Markt. Grund genug für uns, der Einladung der Firmen Strasser, Sedlmair (d.i. der deutsche Strasser-Importeur) und des neu eröffneten Aimcenters Irschenberg (mit RUAG Ammotec und Waffen Mühlbauer als Kooperationspartnern) Folge zu leisten und beim Shootingday am 13.07. ins 2017 im Schießkino das eine oder andere Magazin zu leeren.

Strasser RS 14 Evolution, im Hintergrund die Nachsuchenausführung RS 14 Tracker. Fotos: SE

Doch reichen wir zunächst einmal die Begründung für die Behauptung nach, dass die Strasser RS 14 so eine interessante Waffe sein soll. Das dürfte vor allem an dem modularen und durchkonstruiert wirkenden System liegen, ein Merkmal, das Strasser mit diesem T-Shirt herausstellt:

In der Praxis heißt das: Nach der Entnahme des Verschlusses lässt sich der Verschlusskopf der RS14 im Handumdrehen entfernen und bei Bedarf (Umstieg auf eine andere Kalibergruppe) schnell und ohne Werkzeug wechseln. Ein Druck auf den Sperrknopf, und schon flutscht die Abzugsgruppe heraus:

Werkzeuglos entnehmbare Abzugsgruppe…

… mit in drei Stufen – ebenfalls schnell und einfach ohne Werkzeug – verstellbarem Abzugsgewicht.

Dazu muss lediglich der Federstift rechts in eine der drei Rasten umgesetzt werden. Fotos: SE

Vorne am Abzugsmechanismus sitzt in einer Halterung ein Inbusschlüssel, mit dem der Vorderschaft abgeschraubt werden kann:

Inbus zum Lösen des Vorderschafts. Fotos: SE

Im Vorderschaft wiederum ist ein kleines Hebelchen untergebracht, mit dem die mechanische Laufklemmung betätigt wird:

Der Laufwechsel selbst ist eine Sache von Sekunden:

Den im Vorderschaft untergebrachten Hebel in den Klemmmechanismus stecken…

… den Hebel umlegen…

… und schon lässt sich der Lauf entnehmen und genau so schnell wieder einsetzen. Der Hersteller verspricht höchste Wiederkehrgenauigkeit. Fotos: SE

Laufwechseloption unbedingt empfehlenswert

Wie flott und reibungslos das funktioniert, hat der Strasser-Konstrukteur Martin Skrivanek im JAWINA-Video auf der IWA 2018 vorgeführt. Die Laufwechsel-Option gibt es NICHT bei der Strasser RS solo: Hier ist der Lauf untrennbar mit dem System verbunden. Da durch bleifreie Munition und den Gebrauch von Schalldämpfern der Laufverschleiß – insbesondere bei mangelhafter Pflege – extrem beschleunigt werden kann, halten wir dies für keine empfehlenswerte Option. Den – ziemlich heftigen – Aufpreis von ca. 800 Euro für die Laufwechselmöglichkeit sollte man investieren, um eine Waffe mit unbeschränkter Lebensdauer zu erwerben. (Die RS solo Standard kostet ab 1947 Euro, die RS14 Standard 2782 Euro, die RS14 Evolution – mit Picatinny-Schiene – 2987 und die RS14 Tracker ab 3422 Euro.) Die Strasser-Wechselläufe sind mit ca. 600 Euro vergleichsweise günstig, dieses sinnvolle Feature gehört zu dieser Waffe einfach dazu.

Sehr hochwertig gemacht ist auch das Magazin der RS 14, die Verriegelung hinterlässt im Lauf der Zeit jedoch deutlich sichtbare Schleifspuren an den Seiten des Magazins:

Solide Stahlmagazine, gleichzeitiger Druck auf die beiden seitlich angebrachten Entriegelungstasten gibt das Magazin frei. Foto: SE

Sinnvolle Details wie der sicht- und fühlbare Spannanzeiger runden den positiven Gesamteindruck ab:

Spannanzeiger an der Strasser RS14.

Die RS14 Evolution kommt jetzt mit ins System eingefräster Picatinny-Schiene, was eine Vielzahl von – robusten, preiswerten, wiederkehrgenauen – Montagemöglichkeiten eröffnet. Fotos: SE

Aufnahme für die Strasser-Kugelsitzmontage, bei der das Gewicht von Zielfernrohr und eventuellen Vorsatzgeräten auf ca. 800 Gramm beschränkt ist. Fotos: SE

Vorbildlich gelöst ist die Riemenbügelaufnahme an der Mündung der Nachsuchenversion RS14 Tracker plus:

Das von Recknagel in Zusammenarbeit mit Nachsuchenführern entwickelte Visierung mit drehbar gelagerter – und sicher verschraubbarer – Mündungsriemenaufnahme an der Strasser RS14 Tracker plus: Eine perfekte, hochwertige Lösung, die anderen Herstellern von Nachsuchenwaffen als Vorbild dienen könnte. Kostet leider aber 380 Euro Aufpreis. Übrigens ist auch diese Waffe mit Mündungsgewinde ausgestattet, nur lässt sich mit dieser Visierung halt kein Overbarrel-Schalldämpfer verwenden. Foto: SE

Der drehbare Riemenbügel läuft erstaunlich sauber, lautlos und reibungsarm. Verantwortlich dafür ist ein spezielles wartungsfreies Gleitlager. Im Bedarfsfall, etwa bei extremer Verschmutzung, ist der Ring mit nur einer Torxschraube zu lösen, wodurch das Gleitlager freigelegt wird. Maximilian Sedlmair hat mit der hier gezeigten Waffe nach eigenen Angaben ca. 100 Nachsuchen absolviert.

Jäger, Nachsuchenführer und Strasser-Importeur Maximilian Sedlmair bei der Begrüßung im Aimcenter Irschenberg, re. daneben Lars Markgraf, Betriebsleiter vom Aimcenter. Foto: SE

Aus dem Vollen gefräst

Schon beim Rumspielen, oder, seriöser ausgedrückt, den Vor- und Trockenübungen wirkt die Waffe überzeugend: Sie liegt gut, der Schlossgang ist super. Alles wirkt wie aus dem Vollen gefräst. Das könnte daran liegen, dass alles aus dem Vollen gefräst ist: “Wir kaufen die Läufe bei Lothar Walther und die Schäfte in Italien zu”, erklärt Mathias Strasser, der Enkel des Firmengründers und amtierender CEO von Strasser. “Alles andere wird bei uns im Haus aus dem Vollen gefräst.”

Das von Opa Strasser gegründete Unternehmen Strasser Maschinenbau fertigt heute auf modernen CNC-Fräsen Präzisionsteile. “Das krasseste sind Teile für den Antrieb der Ariane-5-Rakete”, berichtet (Enkel) Strasser. “Seit 25 Jahren fertigen wir auch Teile für andere Waffenhersteller”, verrät der Unternehmer. Die Gründung der Waffenmanufaktur 2004/2005 war somit ein logischer Schritt. “Zumal mein Vater gut mit Horst Blaser befreundet war”, so Strasser, “Nachdem dieser sein Unternehmen verkauft hatte, entwickelte sich aus der Freundschaft eine Zusammenarbeit ganz von selbst.”

Mathias Strasser mit Lebensgefährtin Caroline Galler. Foto: SE

Konstrukteur Martin Skrivanek erläuterte dann die Konstruktion der Strasser RS14, Gunnar Petrikat von RUAG Ammotec hielt einen Vortrag über Schalldämpfer, in dem es um die richtige Auswahl, die wesentlichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Modellen und die Wartung und Reinigung von Schalldämpfern ging. Die unterschiedliche Dämpfung führte er auch praktisch vor, ebenso wie die speziell für kurze Läufe (die ja in Verbindung mit Schalldämpfern zunehmend gefragt sind) entwickelte Short Barrel Munition:

Gunnar Petrikat bei der Geschwindigkeitsmessung. Foto: SE

Normale RWS-Munition kommt aus dem kurzen Lauf (50 cm) auf durchschnittlich 793,4 m/s…

Die Short-Barrel-Muni bringt es demgegenüber auf 870,2 m/s. Bei noch kürzeren Läufen fällt der Unterschied Gunnar Petrikat zufolge noch deutlicher aus. Gerade bei bleifreien Geschossen ist Geschossgeschwindigkeit für das Aufpilzen des Geschosses essenziell. Fotos: SE

Endlich: Ritsch-Ratsch-Bum

Nach so viel Theorie war es dann endlich an der Zeit, der RS14 ein paar (virtuelle) Wildschweine zu zeigen. “Waren Sie nicht derjenige, der sagte, dass er nur zwei, drei Schuss mit der unbekannten Waffe im Schießkino machen möchte?”, fragt grinsend der freundliche Herr, der ein prall gefülltes Sechs-Schuss-Magazin nach dem anderen herbeiträgt. Ja, stimmt, das war ich. Nach der langen Anreise schien es mir nicht unbedingt sinnvoll, sich hier schießtechnisch zu verausgaben – aber es machte dann einfach doch zu viel Spaß. Das gute, alte Ritsch-Ratsch-Bum geht mit der Strasser wirklich schnell, gut und flüssig vonstatten. Dann, zack, das nächste Magazin rein und schon kann es weiter gehen – keine Beanstandungen in dieser Hinsicht, das muss man sagen.

Einziges Manko: Abzug nur mit französischem Stecher

Was mir an der Strasser RS 14 nicht so hundertprozentig gefällt, ist der Abzug. Der ist leider nur als Rückstecher erhältlich. Klar, man muss den Stecher nicht benutzen und beim Öffnen und Schließen des Verschlusses entsticht die Waffe automatisch – trotzdem: Ich will an meinen Waffen keinen Stecher mehr haben, erst recht nicht in einer Nachsuchenwaffe und bin mit dieser Ansicht, glaube ich, nicht allein. Der Abzug lässt sich zwar ohne Stecher gut schießen – die einstellbaren Abzugsgewichte liegen bei ca. 1, 1,5 und 2 kg – aber mit einem guten, stufenlos einstellbaren Direktabzug ließe sich das noch verbessern, zumal der Abzug bei der Testwaffe nicht hundertprozentig trocken stand, sondern ein minimales Kriechen vor dem Auslösen des Schusses zeigte. Im Schießkino oder auf der Drückjagd macht sich das nicht bemerkbar, konzentriert man sich auf das Abziehen – etwa beim Einschießen der Waffe – merkt man es. Der Abzug ist m.E. das einzige kleine Manko an der ansonsten durchweg gelungenen Waffe – aber da lässt sich bestimmt Abhilfe schaffen…

Schöner schießen mit Schalldämpfer

Zum unbeschwerten Schießvergnügen im Aimcenter trug natürlich auch bei, dass fast alle Waffen mit Schalldämpfern ausgestattet waren. Auch wenn einem (erst recht im Schießkino) der Knall mit Schalldämpfer immer noch zu laut ist – der fast vollständig verschwundene Rückstoß (und bei Nacht auch der Mündungsblitz) machen das Schießen wirklich angenehm. Als einer mit der nicht gedämpften Linkswaffe in 30.06 schießt, hauen einen der Knall und die Druckwelle fast von den Socken. Die Prophezeiung ist nicht allzu gewagt, dass das Schießen mit Schalldämpfer in ein paar Jahren so selbstverständlich geworden sein wird, dass ein ungedämpfter Schussknall einem so merkwürdig und auffallend, ja, schockierend erscheinen wird, wie heute die müffelnden Abgase eines Oldtimers ohne Katalysator.

Schießkino im Aimcenter Irschenberg: Der Knall der ungedämpften Linkswaffe haut einen fast um. Foto: SE

Top sind die Trainingsbedingungen im Aimcenter Irschenberg, das hochmoderne Schießkino lässt keine Wünsche offen, zumal einem mit Christian Fischer (offizieller Titel Leiter Vertrieb) ein spitzenmäßiger Ausbilder zur Seite steht, der, wie er sagt “behördlich viel geschossen hat”, was man auch (im positiven Sinne) merkt. Er hats einfach drauf und kann seine Fertigkeiten gut vermitteln.

Christian Fischer (re.) beim Schießtraining. Foto: SE

Coole Lounge-Atmosphäre im Aimcenter

Nach der munitionsmordenden Einheit im Schießkino gibt es eine kleine Pause, die zu diesem Zweck im Aimcenter Irschenberg vorhandenen Räumlichkeiten sind einladender, als auf vielen anderen Schießständen:

Coole Lounge-Atmosphäre…

…im Aimcenter Irschenberg…

… lädt zum Verweilen. Fotos: SE

Scheiße fürs Ego, gut für die Technik

Dann geht es weiter in den Marksman-ST2-Simulator. Hier werden einem, ähnlich wie im Schießkino, Drückjagdszenen vorgespielt. (Es gibt auch viele andere Szenarien bis hin zu Trap und Skeet.) Man “schießt” mit einer echten Waffe (auf Wunsch auch mit der eigenen), aber ohne Munition, stattdessen wird ein elektronischer Trefferanzeiger mit der Waffe verbunden.

Szene im Marksman ST-2 Simulator. Foto: SE

Nach dem Schuss erhält der Schütze eine detaillierte Auswertung: Er sieht also z.B. das Wildschwein durch eine Grafik laufen, während die Bewegungen der Mündung als Linie dargestellt werden. Wie man sich mehr oder minder langsam ins Ziel wackelt, beim vermeintlich gefundenen Treffpunkt stehen bleibt, anstatt durchzuschwingen, nach dem Schuss die Waffe fallenlässt, anstatt weiter mitzuziehen – das alles analysiert der Marksman-Simulator schonunsglos: “Scheiße fürs Ego, gut für die Technik!”, resümiert Lars Markgraf, Betriebsleiter im Aimcenter. Treffender kann man es nicht ausdrücken.

Analyse im Simulator mit Lars Markgraf. Foto: SE

Pulled-Pork-Burger als gelungener Abschluss

Für das i-Tüpfelchen der gelungenen Veranstaltung sorgte das stimmige Catering von Voglwild: Pulled-Pork-Burger vom Wildschwein und/oder Hirschburger: Einfach lecker. Das Wild stammt von den Bayerischen Staatsforsten und wird in Zusammenarbeit mit einem Metzgerbetrieb aus der Region verarbeitet, wie die freundlichen Burgerschmiede verrieten.

Burger von Voglwild: Lecker. Fotos: SE

Zwischen 9 und 12 Euro kann man in der Umgebung Münchens auf Veranstaltungen für so einen Wildburger mit Süßkartoffel-Pommes aufrufen – falls jemand noch auf der Suche nach einer Idee für eine selbständige Existenz im Bereich Jagd und Wildverwertung ist… SE

Beitragsbild: Zünftige Wadeln. Foto: SE

 

 

2 Gedanken zu „RS14 Evolution: Strasser ist krasser

  1. Gottfried Schnurr

    Im o.a. Filmbeitrag über das Zerlegen und Zusammensetzen hat der Vorführer auf dem Messestand beim Zusammensetzen den Vorderschaft nicht angeschraubt. Ok ist Erbsenzählen…:-) ich werde mir den Püster doch noch irgendwann zu Gemüte führen. Netter Bericht !

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