Rotwildbejagung im Sachsenforst: An ihren Taten sollt ihr sie erkennen

Wenige Tage nachdem ein Gutachter harsche Kritik an der Bejagungsstrategie im Sachsenforst geäußert hatte und der Leiter des Forstamts Neudorf der Hegegemeinschaft Erzgebirge eine Zusammenarbeit angeboten und Entgegenkommen signalisiert hatte (JAWINA berichtete), wird bekannt, dass der Forst die Eskalationsschraube wieder einige Windungen weitergedreht hat: Mit Schreiben vom 26.06. informiert der Sachsenforst die Hegegemeinschaft, dass der Forstbetrieb einen Antrag auf “Abschussplanerhöhung für Rotwild im Planungszeitraum 2016 bis 2019” um 500 Stück gestellt hat. Die Mitteilung erfolgt gem. § 21, Ziffer 5 des Sächsischen Landesjagdgesetzes zwecks “Herstellung des Benehmens”. In dem Schreiben von Sachsenforst heißt es dazu: “[…] der Forstbezirk Neudorf hat für Rotwild eine Erhöhung des Gruppenabschussplans in Höhe von 500 Stück beantragt. Der Antrag betrifft in wesentlichen Teilen angrenzend den Wirkungsbereich der Hegegemeinschaft Erzgebirge.”

Sachsenforst bzw. Obere Jagdbehörde bitten um Herstellung des Benehmens bis zum 10.07.

Karsten Bergner, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Erzgebirge, lehnt eine Zustimmung zur Abschussplanerhöhung jedoch ab. In seinem (der Red. vorliegenden) Antwortschreiben, erklärt Bergner, dass “die Hegegemeinschaft Erzgebirge – ebenso wie übrigens auch die betroffenen Kreisjagdverbände – die geplante Erhöhung des Abschussplanes im Forstbezirk Neudorf nicht befürwortet.” Generell sei festzustellen, so Bergner weiter, “dass der 3 Jahresplan, der offensichtlich bereits erfüllt wurde, schon eine erhebliche Abschusserhöhung beinhaltete. Die geplante Erhöhung ist auf der uns vorliegenden Datenbasis nicht nachvollziehbar. Bereits im Februar 2018 wurden die revierweisen Abschusszahlen für die Forstbezirke Marienberg, Neudorf, Chemnitz und Eibenstock unter Verweis auf das UIG beim SBS angefragt. Bis heute steht die Antwort aus!!!

Im folgenden dokumentieren wir Bergners Schreiben im Wortlaut:

“§ 2 Abs. 2 Sächsische JagdVO sieht eine Änderung des Abschussplans nur vor wenn: „Ändern sich nach Bestätigung oder Festsetzung des Abschussplans die für die Abschussplanung maßgebenden Verhältnisse oder erweisen sich Annahmen als unrichtig, kann die Jagdbehörde auf Antrag des Jagdausübungsberechtigten oder bei Vorliegen eines Gruppenabschussplans auf Antrag der Hegegemeinschaft oder von Amts wegen den Abschussplan ändern.“

Die Tatsache, dass die für einen Dreijahreszeitraum vorgesehenen Abschüsse bereits in zwei Jahren erfüllt wurden, entspricht diesen Vorgaben nicht.

Höchst vorsorglich erstatte ich hiermit OWi- Anzeige wegen Verstoßes gegen § 39 Abs. 2 Nr. 3 BJagdG („wer den Abschussplan überschreitet“). Hier kommen wir erneut zu der Grundsatzfrage, ob ein Dreijahresplan evtl. schon in einem Jahr oder in zwei Jahren erfüllt werden kann.

Generell wird sich die Hegegemeinschaft einer vorgesehenen Planerhöhung nicht grundsätzlich verschließen, wenn diese begründet und ersichtlich ist, auf welcher Grundlage sie erfolgt. Nach den jüngsten Ausführungen von Prof. Herzog zur diesjährigen Mitgliederversammlung der HG bestehen hier jedoch erhebliche Zweifel, zumal Prof. Herzog deutlich gemacht hat, dass Schäl- und Verbisserhebungen keine Grundlage sind, die einen Rückschluss auf die Höhe des Wildbestandes ermöglicht.

Um sich abschließen zu obigem Antrag äußern zu können, benötigt die Hegegemeinschaft folgende Angaben:

– revierweise Abschusszahlen getrennt nach Altersklassen und Geschlecht der ersten 2 Jagdjahre des Dreijahresplans
– Ermittlung (Datengrundlagen und Rechenweg), warum explizit eine Planerhöhung um 500 Stück beantragt wird.

Vorsorglich beantrage ich diese Auskunftserteilung nach Sächsischem Umweltinformationsgesetz.

Es sei bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der zuständige Forstbezirkschef Matthias Weinrich auf Nachfrage gegenüber unserem Vorstandsmitglied Wilhelm Bernstein erklärt hatte, dass  es während des Rotwild- Forschungsprojektes des SBS nicht zu höheren Abschüssen als in den Vorjahren kommen wird. Hierdurch würden sich die Rahmenbedingungen des Projektes entschieden ändern, wodurch das gesamte Forschungsprojekt (nach unserer Kenntnis 600.000,- € öffentliche Mittel…) unhaltbar würde.
Am 17.07.2018 ist ein Gespräch des HG- Vorstandes mit Prof. Braun geplant. Hier werden wir dies nochmals kommunizieren.

Mit freundlichen Grüßen

Karsten Bergner

Beitragsbild: Schreiben von Sachsenforst an die HG Erzgebirge (Screenshot, Ausschnitt)

9 Gedanken zu „Rotwildbejagung im Sachsenforst: An ihren Taten sollt ihr sie erkennen

  1. Waldläufer

    Das ist ja das ultimative Eingeständnis der Abhängigkeit der OJB vom SBS. Es zeigt sich einmal mehr, dass der staatliche Forst unfähig ist, “Wald zu bauen” – geschweige denn zu bewirtschaften. Gut, dass man den Sündenbock Schalenwild hat. Und wenn man das dann ausgerottet hat, schiebt man den Hasen und den Mäusen den schwarzen Peter zu. Wann werden die Verantwortlichen endlich hierfür zur Verantwortung gezogen? Hier agiert ein Staat im Staate und die Politik schaut machtlos zu… Armes Deutschland!

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Die ganze unsägliche Geschichte mit dem Rotwild in Sachsen (Sachsenforst, Rotwild HG Erzgebirge) beginnt mit dem Unvermögen zahlreicher heutiger Förster, Waldbau im Einklang mit Wild zu betreiben. Und falls dafür die “schwarze Null” eine erhebliche Rolle spielt, unter deren Diktat ja alle Landesforsten stehen, dann hätte man seitens der Forst früher dagegen angehen müssen. Ich bin sicher, der Steuerzahler wäre bereit, für seinen Wald auch etwas zu zahlen, wenn alle Waldfunktionen (u. a. grüne Lunge, Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Wasserspeicher, Erholungsraum für den Menschen) berücksichtigt würden. Die “schwarze Null” hat nur den Holzertrag im Auge. Das Wild muss dafür büßen. Und wenn die Jagdbehörde, die für alle Jagdbezirke da sein sollte, gleich ein Teil der Landesforst ist, wie es in Sachsen und jetzt auch in Brandenburg jetzt der Fall ist, dann wird eben versucht, das wildfeindliche – letzten Endes auch waldfeindliche – Jagdsystem dem ganzen Land überzustülpen. Waldfeindlich deshalb, weil Rotwild, wenn es so wie von Sachsenforst bejagt wird, mehr Schaden im Wald macht als vernünftig bejagtes Rotwild.
    Deutlicher als Sven Herzog das gesagt hat, kann man es wohl kaum noch ausdrücken. Warum geht das in manchen Holzkopf nicht hinein?

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    1. Albrecht v Heimgerber

      …….und das traurige bzw. die Wahrheit zur “schwarzen Null” ist : wenn ich die Zeit vor Gründung des SBSF in 2006 bis zur politischen Wende mit dazunehme, kostet dieser “Betrieb” dem Steuerzahler seit 1991 fast 1 MILLIARDE Euro.

      Nur in den letzten 11 Jahren seit Gründung des SBS: ca. 350 Millionene Euro.

      Soviel zum Thema “Betrieb” und “Schwarze Null”.
      Wer Billanzen lesen mag und kann, der wird die Verlustausgleiche die da vom Landeshaushalt jedes Jahr (anders betituliert) kommen, auch finden.

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  3. Frucht, Christoph

    Wir spenden lieber für die Elefantenschäden in Afrika, als, dass wir unsere einige, letzte Großwildart vernünftig bejagen. Durch zu hohen Jagddruck entstehen ja die Schäden meist erst. Es hilft auch gar nicht, dass man 200 % der Schmalspiesser und Schmaltiere erlegt. Man muß sachgerecht und maßvoll die Alttiere bejagen, was aber Können und Wllen voraussetzt und richtig “Arbeit” macht. Aber nur so bekommt man einen vernünftig strukturierten Rotwildbestand in den Griff.
    Dazu Weidmannsheil !

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  4. Axel Plümacher

    Letztes Jahr auf einerDrückjagd in Sachsen -Anhalt sprach ich mit einem jungen Förster, darüber da? das FA Eibenstock ja total verlocj´kende Angebote für die Bewegungsjagden im Herbst bei Jagd 1 veröffentlicht hatte. Billige Standgebühren und für die HUndeführer würden sogar die Hotelkosten erstattet werden . Antwort des Försters. Da will ja auch niemnad mehr hin, weil da kaum noch Wild ist. Wenn an dieser Aussage auch nur ein wenig Wahrheit ist, ist eine Erhöhung des Abschusses von 500 Stück Rotwild nicht nachvollziehbar. Ähnlich kranke Pläne teilte mir ein Förster aus der Schorfheide mit für die staatlichen Reviere dort, mit der Anmerkung, daß er sich lächerlich vorkommt eine Jagd zu organisieren um am Ende mit 100 Schützen vor den letzten 10 Stück Schalenwild seines Revieres zu stehen. Icch gewinne langsam aber sicher den Eindruck, daß es gar nicht um die Verhinderung von Wildschäden mehr geht, sondern daß in den Ministerien mittlerweile eine grünversiffte Brut das Zepter in der Hand hat und auf diesem Wege die Jagdausübung durch Privatpersonen mangels Wild abschaffen will, und einige karrieregeile Förster lassen sich vor diesen Karren spannen. Da tut es gut zu wissen, daß es auch beim Sachsenforst noch andere Förster gibt, die die Machenschaften ihrer Kollegen und des Ministeriums mehr als kritisch sehen und anders handeln.

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  5. Karl Schwabe

    Das Wort Benehmen hat in unserer Muttersprache zwei Bedeutungen. Hier kann ich das Verständnis für beide nicht richtig erkennen.
    Und eine Bestands-Zuwachs-Abschußberechnung mit dem Ergebnis 500 glatt – na ja.
    In Zollgrün können die das so nicht gelernt haben.
    Karl Schwabe

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    1. HW

      “In Zollgrün können die das so nicht gelernt haben.”

      Nein! Da ich heute den Wortspielkasper gefrühstückt habe: Solche Rechenkünste kann man nur im Tante-Emmert-Laden erwerben

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