Rheinland-Pfalz: Handlungsprogramm zur Intensivierung der Schwarzwildbejagung verabschiedet

Geplant unter anderem: Keine Abschussgebühren für Schwarzwild bei staatlichen Regiejagden – Weitgehende Einschränkungen von Kirrungen – Förderung des Jagdhundewesens

Angesichts ausufernder Wildschäden, weiterhin steigender Schwarzwildbestände und der Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) haben das Forstministerium RLP und involvierte Verbände (s.u.) ein 16 Punkte umfassendes Handlungsprogramm zur Intensivierung der Schwarzwildbejagung verabschiedet. Zur Erklärung der Dringlichkeit dieses Vorhabens heißt es in der Einleitung: “Seit Anfang der 1980er Jahre stiegen die Schwarzwildpopulation sowie die Jagdstrecke dieser Wildart enorm an. Damit einhergehend waren und sind zum Teil sehr hohe Wildschäden in der Landwirtschaft und im Weinbau zu beklagen. Hinzu kommen die Wildseuchenproblematik und die gestiegenen Verkehrsunfallzahlen. Gerade hinsichtlich der in Osteuropa vorkommenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) ist festzuhalten, dass flächendeckend Wildschweinpopulationen mit hohen Tierdichten vom Baltikum bis nach Deutschland bestehen. Eingeschleppt in nicht infizierte Gebiete besteht die Gefahr, dass sich die ASP dort mit der Tendenz der weiteren Ausbreitung dauerhaft festsetzen wird. Die Folgen sind schwerwiegende Restriktionen für schweinehaltende Betriebe und Jagende. Eine Impfung gegen ASP ist derzeit nicht möglich.

Die Schwarzwildbestände sind daher auf eine den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepasste Bestandsdichte zu bringen, um insbesondere

•    Schwarzwildschäden in der Landwirtschaft und im Weinbau zu verringern,

•    das Risiko einer Ausbreitung von infektiösen Tierseuchen abzusenken,

•    Gefahren durch Verkehrsunfälle mit Schwarzwildbeteiligung zu mindern sowie

•    dem zunehmenden Vorkommen von Schwarzwild in städtischen Bereichen entgegenzuwirken.”

[…]

Trotz Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen und dem durch die Jagdstrecken belegten Engagemente der Jäger, sei bislang keine Trendwende bei der Bestandsentwicklung zu erkennen. Diese soll nun durch die “situationsbedingte Bildung von „Aktionsgemeinschaften Schwarzwild“ erreicht werden. Dazu heißt es im Handlungsprogramm:

“Dabei sind alle Verantwortlichen vor Ort unter Initiative der Kreisjagdmeisterin oder des Kreisjagdmeisters aufgefordert, Lösungen zu erarbeiten. Insbesondere sollen nachfolgende Punkte erörtert und berücksichtigt werden:

1. Der Schwarzwildbestand ist in allen Landesteilen von Rheinland-Pfalz deutlich zu verringern.

2. Das Schwarzwild muss weiterhin ganzjährig intensiv bejagt werden. Hierzu sind die Jagdausübungsberechtigten, die Jagdrechtsinhaber und die zuständigen Jagdbehörden aufgefordert, alle jagdpraktischen und rechtlichen Möglichkeiten zur Optimierung der Schwarzwildbejagung auszuschöpfen. Die Jagdausübungs-berechtigten in den staatlichen Regiejagden nehmen ihre Vorbildfunktion wahr.

3. Die Höhe des Abschusses der Zuwachsträger (weibliche Stücke) ist deutlich zu steigern. Bachen, die noch erkennbar abhängige Frischlinge führen, sind zu schonen. Bei sich bietender Auswahlmöglichkeit gilt jedoch weiterhin die Regel „jung vor alt“.

4. Frischlinge sind umfassend und unabhängig von ihrer Verwertbarkeit zu bejagen.

5. Neben evtl. jagdbezirksspezifischen Vorgaben sollen die abzuschließen Abschussvereinbarungen/Abschusszielsetzungen für Schwarzwild diese Bejagungsempfehlungen, insbesondere die Durchführung von Bewegungsjagden und ggf. konkret überprüfbare Abschusszahlen, zum Inhalt haben.

6. Jegliche Beschränkungen der Jagdausübung auf Schwarzwild durch Gewichts- oder Altersvorgaben erschweren den erforderlichen Reduktionsabschuss und sind zu unterlassen.

7. Großräumige, revierübergreifende Bewegungsjagden gelten als besonders effektive Form der Schwarzwildbejagung und sind vermehrt durchzuführen. Für die Schwarzwildbejagung sind Schützen notwendig, die ihre Schießfertigkeit hinreichend trainiert haben. Im Hinblick auf die Verkehrssicherungspflicht der Jagdausübungsberechtigten soll auf eine kostengünstige Genehmigungs- und Beschilderungspraxis hingearbeitet werden.

8. Da bei Bewegungsjagden auf Schwarzwild brauchbare Jagdhunde zwingend erforderlich sind, sollen gut ausgebildete Jagdhunde in ausreichender Anzahl verfügbar sein bzw. gefördert werden. Benachbarte Jagdausübungsberechtigte sollen sich hinsichtlich der bei Drückjagden über Jagdbezirksgrenzen hinaus jagende Hunde verständigen (z. B. im Rahmen der Wildfolgevereinbarungen). Jedem kommunalen Satzungsgeber steht es im Rahmen seines politischen Ermessens frei, eine Steuervergünstigung / -befreiung für die Haltung von brauchbaren Jagdhunden in der örtlichen Satzung zur Erhebung der Hundesteuer vorzusehen.

9. In den Vollmondphasen und bei Schneelage sollen Gemeinschaftsansitzjagden auf Schwarzwild durchgeführt werden, nach Möglichkeit revierübergreifend.

10. Der künstliche Futtereintrag ist zu minimieren. Jäger, Grundeigentümer, Landnut-zer und Jagdbehörden sollen Verstößen gegen die Fütterungs-  Kirrungsbestimmungen entschieden entgegentreten. Im Rahmen ihrer dienstlichen Verpflichtung sind Forstbeamte verpflichtet, ordnungswidriges Verhalten anzuzeigen.

11. Die Lockwirkung von Kirrmitteln ist insbesondere in Mastjahren mit hohem natürlichem Futterangebot sehr begrenzt und demzufolge ist die Erfolgswirksamkeit der Kirrjagd sehr eingeschränkt. In diesen Zeiträumen ist die Bejagung verstärkt auf andere Bejagungsweisen (siehe Punkte 7 und 9) zu stützen.

12. Die Jagdausübungsberechtigten sollen revierlose Jägerinnen und Jäger am Abschuss von Schwarzwild beteiligen. Der Landesjagdverband wird gebeten, seine Mitglieder hierzu nochmals aufzufordern.

13. Für die Erlegung von Schwarzwild werden in der staatlichen Regiejagd keine Jagdbetriebskostenbeiträge erhoben.

14. Die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe werden gebeten, die Jagdaus-übungsberechtigten bei der Bejagung durch Verbesserung der jagdlichen Infrastruktur (Schussschneisen, Hochsitze etc.) zu unterstützen. Deshalb werden die Bauern und- Winzerverbände gebeten, ihre Mitglieder aufzufordern, aktiv das Gespräch zur Verbesserung der jagdlichen Infrastruktur mit den Jagdausübungsberechtigten zu suchen. Die Unterzeichner setzen sich dafür ein, dass die Förderrichtlinien in Bezug auf die Anlage von Schussschneisen auf landwirtschaftlichen Flächen praxisgerechter ausgestaltet werden.

15.  Die Möglichkeiten der Gebührengestaltung für die Trichinenbeschau beim Schwarzwild, insbesondere mit dem Ziel einer Gebührenreduzierung bei Frischlingen, sollen voll ausgeschöpft werden.

16.  Um eine Ausbreitung zu verhindern, müssen Tierseuchen früh erkannt werden. Hierzu ist Wachsamkeit im Revier erforderlich. Insbesondere zur Früherkennung der Schweinepest sind daher weiterhin von jedem krank erlegten Stück sowie von jedem Stück Fallwild Proben zur Untersuchung zu entnehmen (Blut- und Milzprobe).

Download:

Handlungsprogramm zur Reduzierung überhöhter Schwarzwildbestände und zur Absenkung des Risikos einer Ausbreitung von Tierseuchen für das Jagdjahr 2017/2018

An der Erarbeitung der Gemeinsamen Bejagungsempfehlungen beteiligten sich das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten, der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz (LJV RLP), die Interessengemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, die Fachgruppe Jagdgenossenschaften im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz-Süd, der Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz, der Ökologische Jagdverband Rheinland-Pfalz e. V. und der Landesverband der Berufsjäger Rheinland-Pfalz/Saarland e. V.

Beitragsbild: Punkt 4 des Handlungsprogramms: Frischlinge sind umfassend und unabhängig von ihrer Verwertbarkeit zu bejagen. Angesichts der Bestandsentwicklung, ausufernder Wildschäden und der Bedrohung durch ASP eine alternativlose Forderung. Foto: SE

5 Gedanken zu „Rheinland-Pfalz: Handlungsprogramm zur Intensivierung der Schwarzwildbejagung verabschiedet

  1. Grimbart

    Zu Punkt 4: Mit dieser Forderung degradieren wir uns zu Schädlingsbekämpfern und ziehen uns den Unmut einiger Teile der Bevölkerung zu. Das hat mit Artenschutz nichts zu tun und ist nur schwer zu vermitteln, denn es geht nur um die Eindämmung von wirtschaftlichen Schäden. Wollen wir in der Öffentlichkeit so dastehen? Nichts gegen eine scharfe Bejagung, aber bitte nicht nur etwas tot schießen, was dann in der Tonne landet. Was ist dann der nächste Schritt? Massenfang und keulen? Damit schaufeln wir uns unser eigenes Grab.

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    1. Lars

      Es ist immer das gleiche. Es gibt das Programm jetzt bereits seit unzähligen Jahren und mindestens genauso lange wird dagegen gehalten. Das sind dann meistens auch die selben Personen die über die hohen Wildschäden durch die Schwarzkittel im eigenen Revier jammern. Waidgerecht ist zunächst einmal was das Gesetz erlaubt – vor allem aber was dem Wildbestand gut tut. Wenn ich mir die Jagdzeiten, die Wildschäden und die Strecken in Hessen oder Brandenburg angucke, dann weiß ich dass die Bejagung dort sicher nicht waidgerecht ist. Der Beweis dafür liegt auf der Hand: Die immer öfter auftretenden Krankheiten kommen nun einmal nicht von ungefähr. Denn aus Sicht der Natur/Evolution ist ein bakterieller oder virologischer Seuchenzug das Mittel der Wahl, wenn es um die Reduzierung zu hoher Besatzdichten einer Art geht.

      BTW: Alles ab 5 Kilo Lebendgewicht ist verwertbar. Die kleinen können nach der Versorgung direkt zerlegt werden und passen perfekt in den Kugelgrill oder den Dutch Oven.

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    An den, der sich hinter “Grimbart” versteckt:
    Merken Sie nicht, dass Ihr Verwertungsargument der Tod der Jagd auf alles ist, was nicht verwertet werden kann? Was machen Sie denn beispielsweise mit den Jungfüchsen, die Sie jetzt erlegen? Jagd auf Schwarzwild hat mit Artenschutz nicht das Geringste zu tun! Ist die Art Sus scrofa etwa bedroht?
    Jagdgesetze fordern die Anpassung von Wildbeständen an die Landeskultur. Beim Schwarzwild wird nur die scharfe und frühzeitige Bejagung von Frischlingen mittelfristig die Bestände absenken, es sei denn man jagt erbarmungslos jedes Stück ohne Rücksicht auf Elternschutz und Sozialstruktur. Das wird ja leider heute immer wieder propagiert. In Jagdgesetzen steht nicht, dass jedes erlegte Stück verwertet werden muss. Es ist also absolut in Ordnung und dringend geboten, auch Frischlinge zu erlegen, die man nicht verwerten kann!

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    1. Jochen

      Im Grunde ist die Forderung nur das zu jagen, was man auch verwerten kann, reinster Nabu Sprech. Ich kann mir vorstellen, was die Bauern hier sagen würde, wenn ich nur die paar Kanin jagen würde, die ich auch verwerten und verkaufen kann, die 1000 anderen lasse ich dann die Äcker kahl fressen, oder was? Da bin ich schneller aus dem Pachtvertrag raus, als ich blinzeln kann. Bei Sauen ist das Problem ja noch deutlich größer!

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  3. Heinz P.

    Brüllt da in Rheinland Pfalz kein Grüner ( die Grünen sind dort an der Landesregierung beteiligt ) mit dummen Worten wie “Hausfriedensbruch” herum, wenn Schwarzwild mit Hunden in Maisschlägen bejagt wird? In NRW haben wir das bei der Baujagd schon erlebt, obwohl der Fuchs kein reiner Erdbewohner ist. Ja die Grünen, sie sind die Meister der Verbotspalitik-aber auch Meister darin was sie schon so alles erlauben wollten.

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