Rettungspunkte: Mach mal einen Punkt

Der Unfall eines belgischen Jagdgasts vor einigen Tagen (JAWINA berichtete) zeigt ein Problem auf, von dem viele, wenn nicht die meisten Jäger betroffen sein dürften, die in einem fremden Revier zur Jagd gehen: Wenn etwas passiert, ist es für Ortsunkundige oft schwer zu beschreiben, wo sie sich befinden. Zwar bieten Smartphones die Möglichkeit, den eigenen Standort per GPS zu erfassen und auch zu versenden, das funktioniert aber nur unter zwei Voraussetzungen: a) Der Verunglückte muss im Besitz eines Smartphones und noch in der Lage sein, es zu bedienen und b) am Unglücksort muss einigermaßen guter Internet-Empfang vorhanden sein.

Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, fällt es vielen Leuten schwer, ihre Position einigermaßen genau zu beschreiben: Sie können nicht angeben, in welcher Himmelsrichtung sie sich wie weit bewegt haben, kennen markante Geländepunkte wie Seen, Flussläufe oder Erhebungen nicht und können deshalb auch nicht angeben, ob sie sich in der Nähe derselben befinden. Hinzu kommt, dass auch Rettungskräfte mit den Gegebenheiten vor Ort in der Regel auch nicht vertraut sind, so dass sie auch eine genaue Beschreibung des Anfahrtswegs oft nicht unmsetzen können. Die Folge ist, dass die Suche nach dem Verletzten viel kostbare Zeit kostet – mit möglicherweise ernsten Folgen.

Um dieser Problematik zu begegnen, wurde das System der Rettungspunkte geschaffen: Dabei handelt es sich laut Wikipedia um “definierte Anfahrtsstellen für Rettungsfahrzeuge außerhalb von Ortschaften, vorwiegend in Waldgebieten.” Ursprünglich wurden die Rettungspunkte eingerichtet, um die Notversorgung verunglückter Waldarbeiter gewährleisten zu können. Heute profitieren auch Wanderer, Mountainbiker und eben halt Jäger davon. Nur: Damit Rettungspunkte etwas bringen, müssen sie bekannt sein. Es empfiehlt sich also:

  • Vorhandene Rettungspunkte im Revier zu ermitteln
  • Rettungspunkte mit genauer Bezeichnung in Revierkarten einzuzeichnen
  • Jagdgäste auf die Rettungspunkte hinzuweisen und beim Ansetzen darauf hinzuweisen, in welcher Entfernung und Richtung der nächstgelegene Rettungspunkt liegt.

Es gibt auch Apps, in denen die Rettungspunkte gespeichert sind, aber auch deren Benutzung setzt mobilen Internetempfang und den Besitz eines Smartphones voraus, die genannten Maßnahmen sind also in jedem Fall sinnvoll.

Leider ist das Rettungspunkte-System nicht bundesweit einheitlich geregelt, nicht einmal die Bezeichnung der Rettungspunkte stimmt überein: Je nach Bundesland ist lt. Wikipedia auch von “Rettungskette“, „Anfahrtspunkt für Rettungsfahrzeug“ oder „T-Punkt“ die Rede.

Das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (kwf) hat die Rettungspunkt-Koordinaten verschiedener Bundesländer gesammelt und stellt sie als Shape- oder KML-Datei kostenlos zum Download bereit. SE

Beitragsbild: Hinweisschild Anfahrtspunkt für Rettungsfahrzeuge. Autor: Ogmios, Quelle: Wikipedia

 

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