“Reset-Knopf drücken”: Prof. Pfannenstiel fordert Neuanfang bei der DVO Jagd

+++ LJVB-Präsident veröffentlicht ebenfalls Offenen Brief zur DVO: “Die geplanten Änderungen werden wir gut ertragen können. Sie sind weder der Untergang des Jagdverbandes noch der Untergang weidgerechter Jagd.” +++

Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel hat aus Anlass der skandalösen Durchführungsverordnung zum Brandenburger Jagdgesetz (DVO Jagd) einen Offenen Brief an den Brandenburger Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) geschrieben, in dem er sein “Entsetzen” über die geplanten Bejagungsrichtlinien und Jagdzeiten äußert. Wir veröffentlichen das Schreiben im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Minister,

in Ihrem Hause wurde eine Novellierung der Durchführungsverordnung zum Jagdgesetz des Landes Brandenburg erarbeitet. Der DVO-Entwurf wurde vor knapp drei Wochen den Unteren Jagdbehörde der Landkreise im Sinne einer „breiten Partizipation“ zugeleitet. Die dafür zugemessene Zeit ließ allerdings eine intensive Beteiligung kaum zu. Zudem wurde im Begleitschreiben betont, dass einmal die fachliche Beratung nahezu abgeschlossen sei und zudem die vorliegende „Fassung von allen beteiligten Seiten mitgetragen wird.“ Letztere Aussage kann sich allerdings lediglich auf die den Landesjagdbeirat konstituierenden Personen beziehen.

Alle mir bekannten Stellungnahmen zum DVO-Entwurf von Unteren Jagdbehörden, von Jagdverbänden und Kreisjagdverbänden im Landesjagdverband Brandenburg e.V. und zuletzt vom Landkreistag Brandenburg üben aus schwerwiegenden juristischen, inhaltlichen und formalen Gründen heftige Kritik an dem vorgelegten Entwurf.

Wenn eine DVO zum Jagdgesetz aus rechtlicher, wildbiologischer und jagdpolitischer Sicht sinnvoll und unangreifbar sein soll, dann führt kein Weg an einem völligen Neuanfang vorbei. Sie müssen in Ihrem Hause sozusagen den Reset-Knopf drücken, sehr geehrter Herr Minister, um zu zeigen, dass Sie sich nicht von der Ministerialbürokratie Ihres eigenen Hauses an der Nase herumführen lassen. Nur einen wichtigen Punkt lassen Sie mich bitte dazu herausgreifen.

Als Professor für Zoologie und langjähriger Jäger bin ich entsetzt über die im DVO-Entwurf vorgesehenen Bejagungsrichtlinien und Jagdzeiten für wiederkäuendes Schalenwild. Trotz gegenteiliger Beteuerungen lassen diese Vorschläge wildbiologisches Fachwissen vollständig vermissen. De facto bedeuten diese Vorschläge die Abschaffung eines qualifizierten Abschussplans für Rot-, Dam- und Muffelwild. Ein Abschussplan für Rehwild wurde bereits vor einigen Jahren komplett abgeschafft, wobei die Eigentumsrechte der Jagdrechtsinhaber mit Füßen getreten wurden. Im Vordergrund des DVO-Entwurfs scheint lediglich die Absicht zu stehen, im Landeswald Waldumbau durch möglichst rigide Bejagung, die jegliche Rücksicht auf den Tierschutz und die Bestimmungen des § 1 unseres Jagdgesetzes vermissen lässt, ohne Wild realisieren zu können. Der Entwurf hat mit der Realität auf nahezu 90 Prozent der Landesjagdfläche wenig zu tun. Wie ernst Tierschutz im vorliegenden Entwurf genommen wird, zeigt die fehlende Beteiligung des Referats V.3 des Ministeriums der Justiz und für Europa und Verbraucherschutz (MdJEV). Durch das nahezu wahllose Zusammenschießen werden die resultierenden Wildbestände erheblich darunter leiden, dass sie nicht mehr entsprechend ihrer natürlichen Sozialstruktur leben können.

Gestatten Sie mir abschließend einen Hinweis darauf, dass der Entwurf angeblich „von allen beteiligten Seiten mitgetragen wird.“ Wenn die Vertreter der Jägerschaft im Landesjagdbeirat dem Entwurf zugestimmt haben, dann geschah das nach allen mir vorliegenden Informationen nicht unter Beteiligung der gesamten Jägerschaft. Ich kenne keine einzige positive Stellungnahme eines Jagdverbandes bzw. Kreisjagdverbandes im Landesjagdverband Brandenburg e. V. zum vorliegenden DVO-Entwurf! Einen völligen Neuanfang bei der Erarbeitung einer DVO zu unserem Jagdgesetz unter Beteiligung der gesamten Jägerschaft unseres Landes und anderer Organisationen und Verbände betrachte ich als absolut notwendig und würde es als Zeichen der Stärke bewerten, wenn Sie, sehr geehrter Herr Minister, dazu den Anstoß geben.

Mit freundlichem Gruß

gez.

Hans-Dieter Pfannenstiel, Univ.-Prof. für Zoologie, Diplom-Biologe

Beitragsbild: Offener Brief von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel an Minister Vogelsänger (Screenshot, Ausschnitt, bearb.)

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