Reinhold Messner: Wölfe gezielt abschießen

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Der Extrembergsteiger und Umweltaktivist Reinhold Messner warnt im Interview mit ÖSTERREICH (Sonntagsausgabe) vor falscher Romantik im Umgang mit Wölfen. Messner: “Ich warne seit Jahren, dass sich Wölfe in die Nähe von Städten wagen werden. Man muss endlich wieder ein Gleichgewicht herstellen. Wölfe müssen wieder Angst vor Menschen haben, das haben sie verloren. Das geht aber nur, wenn jene Wölfe, die Schafe töten, vom Menschen entnommen werden.” Auf die Frage, ob das den Abschuss von Wölfen bedeuten würde, antwortet Messner: “Ja, gezielt abschießen, aber die EU verbietet das ja. Man kann sie nicht einfangen und in einen Tierpark bringen, das funktioniert nicht. Auch können wir die Schafe nicht ständig hinter doppelte Zäune sperren. Die Wölfe sind Jäger. Sie richten ihre Opfer fürchterlich her, bringen auch zehn um, nur um die Innereien von einem Schaf zu fressen.”

Die Wölfe sollten “in Sibirien bleiben”. Messner: “Wo sollen Wölfe bei uns leben? Sie brauchen ein großes Habitat, aber das haben sie hier nicht mehr. Warum sieht man nicht ein, dass Wölfe, die in Stadtnähe kommen, entnommen werden müssen. Nach einer ganz klaren Jagdordnung.”

Eine strikte Begrenzung sei nötig, denn: “Menschen werden Wölfe nicht anfallen. Wenn sie aber so viele Tiere umbringen, wie zuletzt, dann wird die Aggression der Bauern gegen die Wölfe weiter wachsen. Anstatt einer friedlichen Koexistenz mit einer begrenzten Anzahl an Tieren werden harte Kämpfe kommen.” PM

Beitragsbild: Reinhold Messner auf der Frankfurter Buchmesse 2017. Autor: Ptolusque, Quelle: Wikipedia, verööfentlicht unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International Lizenz.

5 Gedanken zu „Reinhold Messner: Wölfe gezielt abschießen

  1. J.Bartel

    Hallo Herr Messner,
    Sie haben ja eine antiquierte Meinung über Wölfe. Sie als “Umweltaktivist “müßten es eigentlich besser wissen. Ich glaube es gibt mehr Probleme mit Menschen in den Bergen (Vermüllung und Störung ) als mit Wölfen.Wir haben ganz andere Probleme auf diesem Planeten durch Massentourismus. Auch Ihre Yaks gehören nicht in die Alpen.

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  2. J. Bartel

    noch nie was FFH Fauna,Flora Habitat gehört? Wenn nur Hobbyjäger das Sagen hätten wären alle essbaren Tiere schon ausgrottet. Der Wolf macht die Jagd erst interessanter, da die Tiere vorsichtiger sind.

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    1. Frank Martini

      Sehr geehrter Herr Bartel,

      Ihre Argumentation mit der FFH-Richtlinie und Ihre paternalistische Haltung gegenüber Herrn Messner – den man im Übrigen ja nicht mögen muss – in allen Ehren. Aber wie steht es denn mit Ihrer eigenen Unvoreingenommenheit?
      Zumindest deckt sich Messners Urteil mit allen Erkenntnissen nordamerikanischer und kanadischer Forscher, die die Scheue und Distanzhaltung canis’ lupus in dort ja üppig vorhandener freier Wildbahn empirisch untersucht haben. Deren Fazit: Der Wolf ist – wie viele andere Raptoren auch – ein Nahrungsopportunist und geht daher zunehmend dort hin, wo er “am billigsten” Fraß findet. Die Annäherung an entlegene Farmen und Siedlungen gab dabei sogar eine genaue verhaltensbezogene Skalierbarkeit und damit Berechenbarkeit von Wölfen her. Ein weiteres Ergebnis: Erst der gezielte Abschuss einzelner Tiere aus sich in Menschennähe herumtreibenden Rudeln führte zu einer Verhaltensänderung der Wölfe in Richtung Meideverhalten menschlicher Behausungen, ja sogar in Bezug auf Abfalldeponien.
      Auch Ihr zweiter Vorhalt gegenüber der Jägerschaft bezüglich der Arterhaltung “essbarer Tiere” entbehrt jeder faktischen Grundlage und ist auch logisch betrachtet barer Unsinn. Denn wer ein Habitat jagdlich bewirtschaftet, hat – wie jeder, der eine nachwachsende natürliche Ressource bewirtschaftet – ein ureigenes Interesse daran, dies Nachhaltig zu tun. Vulgo: Niemand, der nicht komplett zweizellig ist, sägt an dem Ast, auf dem er sitzt.
      Dies freilich erschließt sich erst dem, der binäres Denken wie “Natur gut – Wirtschaft pöse” schafft , aus seinem Oberstübchen herauszuhalten. Aber wenn man in unserer Gesellschaft mit hoher Siedlungsdichte auf geringem Raum einer noch dazu überwiegend eben eindeutig als Kulturlandschaft definierbaren, nur noch von Rudimenten tatsächlich “unberührter Natur” sitzt und – wohlgemerkt: Wo kommt denn unser aller Essen und alles über diese schiere Überlebensressource hinausgehende Gut her? – solche Bilder zeichnet, die nach Ihrer Kritik an Messner und Ihrer weiteren Einlassung Ihr Welt-, Natur- und Menschenbild zu bestimmen scheien, kommt man auf solchen Unsinn. Gepaart mit paternalistischen Ansprüchen, die Sie zum Ausdruck bringen, kommen dann solche Vermessenheiten zu Stande, jemandem wie Messner, der sich ohne jede Not härtesten Entbehrungen unterzogen hat und zwar weltweit und daher zumindest über einen erheblichen Fundus eigener Beobachtungen verfügt, derart – mit Verlaub dümmlich – anzugehen.
      Mag sein, dass der Wolf wegen ihm geschuldeter Heimlichkeit übrigen Wildes die Jagd interessanter macht. Wenn man es z. B. interessant findet, sich genau überlegen zu müssen, ob und wo man einen Hund noch für diesen gefahrlos zur Jagd einsetzen kann, mag dies sogar stimmen. Und sicher auch, dass es dem Ansehen der Jäger – selbst jener, die den Wolf nicht nur im Jagdrecht sehen wollen, sondern sogar Abschussquoten fordern – in dem Maße hilft, in dem der Wolf als ernstzunehmende Gefahr für den Menschen und seine Tiere wahrgenommen werden.
      Aber: Haben Sie schon mal eine Güterabwägung vorgenommen, die den “Preis” dieser “Vorteile” ins Kalkül zieht? Allem Anschein nach ist Ihnen die Komplexität solcher Erwägungen eher fremd.

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