Rechtsanwalt Dr. Granzin: “Kann diesen ganzen Hybridisierungs-Unsinn nicht mehr hören”

Ziemlich häufig gehen Anfragen in der Red. ein, in denen nach dem Wahrheitsgehalt eines im Netz kursierenden Gerüchts gefragt wird: Demnach soll das Verfahren gegen den holländischen Jagdgast, der in Brandenburg einen Wolf erschoss, eingestellt werden – und zwar mit der Begründung, das erlegte Tier sei kein Wolf, sondern ein Hybrid. Das erscheint widersinnig, weil auch Wolfshybriden streng geschützt sind. Bedenklich an dem Gerücht ist, dass unbedarfte Zeitgenossen dadurch verführt werden könnten, einen Wolf zu erlegen, dem sie aufgrund irgendwelcher Merkmale die Rassereinheit abgesprochen haben – auch dazu kursieren ja vermeintlich unfehlbare Ansprechhilfen auf einschlägigen Seiten. Sicherheitshalber haben wir bei Dr. Heiko Granzin, dem Anwalt des Wolfsschützen noch einmal nachgefragt. Seine Antwort lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: “Ich kann diesen ganzen Hybridisierungs-Unsinn nicht mehr hören. Alle möglichen ahnungslosen Gestalten – nicht zuletzt eine Menge ahnungslose Rechtsanwälte – faseln  ohne Sinn und Verstand ständig davon, dass es sich um einen Hybriden gehandelt habe”, so Dr. Granzin

Hierbei werde “schlichtweg verkannt, dass auch hybridisierte  Wölfe über mehrere Generationen den gleichen Schutzstatus genießen, wie die eigentlich geschützte Art. Jegliche Diskussion darüber, ob es sich bei dem Tier um einen Hybriden gehandelt hat, verbietet sich zunächst rechtsdogmatisch erst einmal.”

Zum Fortgang des Verfahrens gibt es bislang nicht viel zu berichten, da dem Anwalt noch keine Akte vorliegt. Der möglicherweise vorhandenen Neigung der Staatsanwaltschaft, das Verfahren gegen eine kleine Geldauflage einzustellen, steht die Auffassung Dr. Granzins gegenüber, dass “das Verfahren nach § 170 Abs. 2 StPO aufgrund der gegebenen Notstandslage einzustellen wäre.” SE

Beitragsbild: Von Jagdgast erschossener Wolf. Foto: privat

3 Gedanken zu „Rechtsanwalt Dr. Granzin: “Kann diesen ganzen Hybridisierungs-Unsinn nicht mehr hören”

  1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Im Schwäbischen gibt es gleichwohl “Wolfswissenschaftler” die offensichtlich dem NABU und einem Institut in Frankfurt seeehr nahe stehen sollen, ein gewisser Prof. Dr. Lug E. Beutel und sein Kollege Prof. Sel Wille Moine. (von Historiker Gerhard Raff “Herr laß´Hirn ra” erwähnt) Diese fällen ihre Urteile gusto und gesellschaftlicher Stimmungslage wie so mancher Zeitgenosse.

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  2. Michael Lehner

    Waidmannsdank für die Klarstellung. Es reisen ja genug Experten durch die Lande, um Jägern falsche Hoffnungen zu machen. So lange die Referenz-DNA allenfalls 25 Jahe alt ist, wird es kaum Mischlinge gben. Und wenn es welche gibt, sind sie bei uns geschützt, obwohl sie nach der Berner Artenschutzkonvention umgehend entnommen werden müssten. In der Praxis sind solche Gebrauchsanweisungen so wenig hilfreich wie diverse Notwehr- und Nothilfe-Konstruktionen. In Wahrheit hilft nur beten, dass der Amtsrichter seine Weltsicht nicht bei Peta und Nabu oder gar dem WWF bezogen hat. Das gilt sogar in Schweden, wo der Gesetzgeber glaubte, für klare Rechtslage gesorgt zu haben. Vor Gericht und auf Hoher See sind halt auch Jäger in Gottes Hand.

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  3. Doni

    In Frankreich werden Hybriden nicht angerechnet auf die Anzahl der Wölfe, die geschossen werden dürfen.
    Nur zur Info.

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