Rebhuhn und Fasan in der Kulturlandschaft

Ein Auswilderungsprojekt der Jägerschaft Aurich

 Rebhühner gab es bis in die siebziger Jahre überall. Heute ist das gedrungene, rund 20 Zentimeter große, rotbraun-graue Tier mit dem kastanienbrauen hufeisenförmigen Fleck auf der Brust weitgehend ausgestorben. Rund um Aurich lässt es nur noch im Tannenhauser Moor und bei Simonswolde beobachten. – Nicht auszuschließen ist, dass es dem Fasan ähnlich ergeht. Seit etwa fünf Jahren nehmen die Bestände stark und schnell ab. Vielerorts ist ein Zusammenbrechen der Population nicht mehr auszuschließen. Revieroberjäger Heinrich Janssen, Landwirt Heinz Best und Mitpächter Jan Woltzen haben deshalb im Spätsommer dieses Jahres im gemeinschaftlichen Jagdbezirk in Wiesens Fasane und Rebhühner ausgesetzt,  um die Fasanen-Population zu stärken und das Rebhuhn wieder heimisch zu machen. Das Besondere an diesem Versuch ist: Die ausgesetzten Tiere kommen nicht aus Brütereien sondern wurden von Haushühnern aufgezogen. Das soll ihre Überlebenschance erhöhen.

Damit kein Missverständnis aufkommt, stellen Woltzen und  Janssen von vorneherein klar: „Dort, wo wir Fasane aussetzen, werden keine Fasane gejagt.“ Das Rebhuhn sei für den verantwortlichen Jäger sowieso schon seit Jahren tabu. „Wir haben kein jagdliches Interesse, wir wollen die Artenvielfalt erhalten.“ Und sie wundern sich: „Über Gänse, über die Rückkehr des Wolfes oder über neue Lebensräume für Wildkatzen oder Luchse wird öffentlich intensiv diskutiert. Darüber, dass es fast keine Rebhühner mehr gibt und der Lebensraum des Fasans schrumpft, spricht hingegen niemand.“ Öffentliche Unterstützung oder gar Förderung gibt es für das Projekt nicht.

huhn.jagd.2

Blick in die Box kurz vor den Aussetzen. Die jungen Rebhühner bekommen gerade ihr typisches Gefieder. Der rotbraune, hufeisenförmige Fleck auf der Brust wird erst in den nächsten Wochen sichtbar. Foto: privat

Fasane und Rebhühner aus Brütereien auszusetzen, ist wenig erfolgversprechend.  Die Erfahrungen mit den in Brutschränken ausgebrüteten, ohne Eltern aufgezogenen Tieren sind schlecht. Fast alle Tiere überleben in Freiheit nur kurze Zeit. Grund dafür ist, dass die Küken ohne Kontakt zu einem erfahrenen Alttier aufwachsen. Heinrich  Janssen nennt eine Vielzahl von Nachteilen: Nicht mehr unter den Flügeln eine Henne sondern von künstlichen Wärmequellen warm gehalten, verliert das Gefieder seine  Fettschicht, die sich später auch nicht mehr neu bildet; Feuchtigkeit perlt nicht mehr ab, die Tiere werden bis auf die Haut nass.  Außerdem lernen die  Küken nicht, wie sie sich in Freiheit verhalten müssen. Die Tiere wissen nicht, wo und wie sie Futter finden; und sie könnten Gefahren nicht rechtzeitig erkennen. Ausgesetze Fasane und Rebhühner aus Brütereien sterben deshalb in hoher Zahl an Krankheiten oder Mangelernährung oder werden alsbald Opfer ihrer Fressfeinde. Und wenn ausgesetzte Tiere bis zum nächsten Frühjahr doch überleben, dann sind sie oft nicht paarungsfähig.

Huhn.jagd.1

Heinrich Janssen (links) und Heinz Best tragen die Aufzuchtbox in die Dickung. Gleich werden die Rebhühner freigelassen. Foto: privat

Da man große Anlagen bauen müsste, um  Fasane oder Rebhühner von Fasanen oder Rebhühnern aufziehen zu lassen, setzt Heinrich Janssen auf Haushühner. Und hier kommt Heinz Best ins Spiel. Auf dem Hof von Best leben die Hühner nicht in Legebatterien oder  Mastställen sondern in größter Freiheit. Selbst nachts müssen sie nicht in einen Stall sondern können sich selber sichere Schlafplätze auf Bäumen suchen. Auch ins Brutgeschäft greift Best nicht ein. Die Glucken finden  auf dem Hof ihre Niststellen, um ungestört zu brüten.

jagd.huhn

Die ersten Fasane verlassen die Aufzuchtbox. Im Hintergrund Heinrich Janssen. Foto: privat

Best freut sich am natürlichen Verhalten seiner Tiere und hat sie deshalb gut im Blick. Er weiß wann seine Hennen brüten und konnte ihnen deshalb im Frühjahr die Eier zum rechten Zeitpunkt  unterschieben; die Einer stammten aus einer Wildfasanerie. Als dann nach 24 bis 25 Tagen die Fasanen- und Rebhuhnküken geschlüpft waren, kam jede Familie in eine von Janssen konstruierte und gebaute Aufzuchtbox, in der die Glucke „ihre“ Küken acht Wochen lang weitgehend ungestört vom Menschen „erziehen“ konnte.  Janssen: „Es war gut zu beobachten, wie die Glucke die Küken prägte. Wenn das Alttier Futter aus dem Spender scharrte, machten die Küken das sofort nach. Und wenn  der im nahen Gehölz nistende Bussard über die Bos  flog, stieß die Glucke Warnrufe aus und flüchtete mit ihrer Küken sofort unter den abgedeckten Teil der Box.“ Die Bosen habe man regelmäßig versetzt, damit die Tiere unter Anleitung der Glucke ebenfalls lernten, im Erdboden nach Futter zu suchen.

rebh1

Foto: privat

Ernährt wurden die Küken mit Puten-Aufzuchtfutter. Da dieses Futter kein tierisches Eiweiß enthält, gerade aber Rebhühner in den ersten Lebenswochen vor allem mit Larven und Insekten ernährt werden, bekamen die Tiere zusätzlich zerstoßene hart gekochte Eier. Und je älter sie wurden, umso öfter setzten Best und Janssen dem Futter klein geschnittene  Brennnessel, Schafgabe, Vogelmiere und Gräser zu.

Nach dem Aussetzen werden die Tiere weiter gefüttert. Das  Aufzuchtfutter wird aber mehr und mehr durch „Abfälle“ aus der Getreidereinigung ersetzt. Janssen: „Die Tiere sollen ja nicht fett werden sondern an der Fütterung letztendlich nur noch das finden, was sie auch in ihrem Biotop fressen.“

Doch selbst ein naturnah aufgezogenes Tier hat in Freiheit kaum eine Überlebenschance, wenn der Lebensraum schlecht zu seinen Ansprüchen passt. Fasane oder Rebhühner in einem Maisfeld oder auf  intensiv bewirtschafteten Grünland auszusetzen, verspräche kaum Erfolg. Im Revier von Jan Woltzen gibt es jedoch, als Ausgleich für die Flurbereinigung, unterschiedlich gestaltet Biotope, die, wenn auch nur auf kleiner Fläche, Fasanen oder Rebhühner mehr Nahrung und Schutz bieten.  Beide Tierarten ernähren sich von Wildkräutern und Insekten und benötigen deshalb eine extensiv bewirtschaftete, vielfältige, kleinräumige  Agrarlandschaft mit Wasserflächen. Im Gegensatz zu Rebhühnern schlafen Fasane, gut geschützt vor Füchsen, auf Bäumen. Rebhühner hingegen sind reine Feldtiere und deshalb auf noch mehr Bodendeckung angewiesen.

Außerdem leben Rebhühner paarweise zusammen und verteidigen Reviere, die von Wällen, Gräben oder Altgrasstreifen umgrenzt sind. Je engmaschiger solche Grenzlinien die Flur gliedern, umso mehr Platz existiert für Rebhuhn-Reviere. Falsch wäre es, Rebhühner und Fasane an gleicher Stelle auszusetzen, da sie sich nicht tolerieren.

Janssen, Woltzen und Best  wollen auch in den nächsten Jahren in Wiesens von Haushühnern groß gezogene Fasanen und Rebhühner aussetzen, um beurteilen zu können, ob  das wirklich zu einer Stärkung der Fasanenpopulation und zur Wiederkehr des Rebhuhns führt. Hat man Erfolg, dann ist das, so die Hoffnung, eine Vorlage für andere Revierinhaber. Janssen, Best und Woltzen  setzen dabei auch auf das Greening der EU. Wenn in den kommenden Jahren fünf Prozent der landwirtschaftlichen Fläche zur Ausgleichsfläche werde, dann werde es auch wieder (etwas) mehr Lebensraum für Rebhühner und Fasane geben.

rebh3

Die Rebhühner suchen sofort Deckung. Foto: privat

Beringt wurden die ausgesetzten Tiere nicht. Das ist nicht notwendig,  sagt Janssen. Wer sein Revier kenne, der wisse ob im Frühjahr 2015 um die Aussetzstelle mehr Hähne lebten als 2014. Und wo die auffälligen, bunten Hähne zu sehen seien, da seien auch die unscheinbaren Hennen. Ob das Rebhuhn zurückkehre, nehme man mit den Ohren wahr. Früher sei überall im Feld das hohe, etwas heisere „Girreck-Girreck“ der Männchen zu hören gewesen, wenn sie ihr Revier verteidigten und sich den durchaus wählerischen Weibchen anboten. Höre man im kommenden Frühjahr wieder diese Laute an der Aussetzstelle, dann hätte zumindest ein Männchen den Winter überlebt. 1982 wurden an der Aussetzstelle zum letzten Male Rebhühner gesehen. 1972, vor der Flurbereinigung, lebten dort auch noch Birkhühner. An deren Wiedereinbürgerung ist nicht mehr zu denken. Jägerschaft Aurich, Onno Reents

Die Jawina-Redaktion dankt Onno Reents ganz herzlich für diesen Beitrag und wünscht dem Auswilderungsprojekt den verdienten Erfolg und allen daran beteiligten Jägern viel WMH!

Ein Gedanke zu „Rebhuhn und Fasan in der Kulturlandschaft

  1. Alwin Bennmann, Dipl.-Ing.

    Sehr geehrte Leserinnen / -er
    Ein sehr interessanter Beitrag. Die Vorgehensweise ist plausibel und nachahmenswert. Bei mir im Wildacker versammeln sich täglich bis zu 10 Stück der ausgesetzten Fasane. Sie bleiben ständig in kleinen Trupps zusammen. Scheu vor Gefahr besteht offensichtlich keine, denn die Tiere zeigen bei Störungen absolut keines der zu erwartenden Fluchtverhalten.
    Gruss
    Alwin Bennmann

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.