Rebhuhn-Küken: Kaum geschlüpft, schon verhungert!

Deutsche Wildtier Stiftung: Warum Rebhuhn-Küken in Deutschland kaum noch Überlebenschancen haben

Feld und Wiesen sind zurzeit eine einzige Kinderstube. Als Nesthäkchen aller Tiere kommen jetzt im Juli die Rebhuhn-Küken auf die Welt. Aber während Entenküken oder Jungtauben genug Futter finden, müssen Rebhuhn-Küken schon vom ersten Tag an ums Überleben kämpfen. „Die Küken-Sterblichkeit ist in den vergangenen Jahrzehnten enorm gestiegen“, sagt Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung. Wildbiologen sind sich da einig: Der Mangel an geeignetem Lebensraum für Brut und Kükenaufzucht ist die Hauptursache für den Rückgang des Rebhuhnbestands in Deutschland. „Europaweit ist die Rebhuhnpopulation seit 1980 um 94 Prozent eingebrochen. Die Küken verhungern schlichtweg“, berichtet Kinser.

Rebhenne mit Küken. Quelle: Dr. Eckhard Gottschalk / DeWiSt

Als Nestflüchter folgen Rebhuhn-Küken ihren Eltern auf Schritt und Tritt und lernen so ganz schnell, wo sie ihr Futter finden. Der gerade erst geschlüpfte Nachwuchs lebt fast ausschließlich von tierischem Eiweiß. Vor allem Ameisenlarven stehen auf ihrem Speiseplan, die meist auf lichten Bodenstellen und an Feldrändern zu finden sind. Und genau hier liegt das Problem: Durch die intensive Landwirtschaft gibt es quasi keine offenen Bodenstellen mehr, auf denen Ameisen und andere Insekten existieren. Der häufige Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft gibt den letzten Insekten den Rest.

Damit das Rebhuhn wieder auf die Beine kommt, unterstützt die Deutsche Wildtier Stiftung ein Projekt der Universität Göttingen (siehe Infobox). „In unseren Untersuchungsgebieten legen Landwirte strukturreiche Blühflächen für die Rebhühner an.“, erklärt Projektleiter Dr. Eckhard Gottschalk von der Abteilung Naturschutzbiologie der Universität Göttingen. „Das Besondere daran ist, dass es einen Teil mit älterer Vegetation gibt, in dem die Altvögel genügend Deckung zum Brüten finden, und einen frisch eingesäten, lichten Vegetationsbereich, in dem sich die Küken an Spinnen und Larven satt futtern können“, so Gottschalk weiter. In den frisch eingesäten Bereichen der Blühflächen ist die Insektendichte vier Mal höher als in einem Getreideacker.

Rebhenne mit Küken. Quelle: DeWiSt

Als sogenannte Agrarumweltmaßnahmen werden diese freiwilligen Artenschutzleistungen der Landwirte mit einem finanziellen Ausgleich des Landes Niedersachsen oder durch Projektmittel honoriert. Allerdings: Die öffentlichen Mittel für solche wertvollen Leistungen sind knapp bemessen und nur wenige Landwirte nehmen an Agrarumweltmaßnahmen teil. „Der Löwenanteil der landwirtschaftlichen Förderung wird im Moment per Gießkanne verteilt. Damit wird es keine Trendwende beim Rebhuhn geben“, so Andreas Kinser. „Wir fordern eine gezielte Unterstützung von Landwirten, die bei der Produktion Rücksicht auf Wildtiere nehmen!“

Infobox:

Das internationale Projekt PARTRIDGE ist ein europäisches Gemeinschaftsprojekt (EU-Interreg-Projekt), das die Lebensbedingungen in der Agrarlandschaft beispielhaft verbessern soll. In den untersuchten Landschaften werden dafür jeweils etwa sieben Prozent der Flächen im Sinne der Wildtiere aufgewertet. Der Gradmesser für den Erfolg des Projektes ist die Entwicklung der Rebhuhnpopulation.

Neben dem „Game and Wildlife Conservation Trust“ als Projektträger des Dach-Projektes und der Demonstrationsregionen in England und Schottland beteiligen sich Institutionen aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland an dem Projekt. Die Abteilung Naturschutzbiologie der Georg-August-Universität Göttingen wird von der Deutschen Wildtier Stiftung und dem Deutschen Jagdverband unterstützt.

4 Gedanken zu „Rebhuhn-Küken: Kaum geschlüpft, schon verhungert!

  1. Jens Körner

    Vor 50 Jahren konnte ich als Kind durch Getreidefelder gehen und zwischen die Reihen treten ohne eine Ähre umzuknicken. Heute kann man nicht einmal mehr den Boden unter den Getreidehalmen erahnen. Wo sollen da Feldhühner und andere Vögel noch Lebensraum und Nahrung finden?
    Die Entscheidungsträger in o.g. Organisationen sind offenbar nicht befähigt sinnvolle Wege der landwirtschaftlichen Lenkung zu finden. Da sind kleinstrukturierte Hilfsmaßnahmen der Jägerschaft nur ein vielzitierter „Tropfen auf den heißen Stein!“.
    Selbst Jäger die auch Landwirte sind scheren sich in den meisten Fällen einen Dreck um’s Niederwild…
    In Schleswig-Holstein schreibt die Knickverordnung vor, daß die Bodenbearbeitung 0,5m vom Knickfuß entfernt beendet werden muß. Die Einhaltung wird aber nicht kontrolliert! In der hiesigen Agrarwüste sind die Knicks aber das letzte Rückzuggebiet für’s Wild. Sag’ das ‘mal einem Landwirt und drohe mit Abzügen bei der Jagdpacht weil er ganz unverfroren den Knickfuß abpflügt und damit Wildlebensraum vernichtet!
    Für mich ist es eine Tatsache, daß bei der Vergabe der Ausgleichs- und Fördergelder viel geredet aber nichts Sinnvolles gemacht wird. Die Herren und Damen Natur- und Umweltförderer beweihräuchern sich doch nur selbst auf internen Veranstaltungen. Praxinorientierte Hilfsmaßnahmen sehen anders aus!
    Meine Vermutung ist die, daß hier irgendwelche Fördergelder ‘mal wieder zweckentfremdet verschwendet werden

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  2. Heinz P.

    Diesem Beitrag kann man nur zustimmen, schließlich wurden aus allen Töpfen der Länder und der EU mit unseren Steuergeldern Agrarfabriken gefördert. Auch die Maiswüsten kommen ja nicht ungefähr.

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  3. Krannich Michael

    Macht es einen Sinn Rebhühner aus einer Zucht zu kaufen ca 5 Paare und dann auszuwildern . Ich bin häufig auf dem Land =(Otalbkreis) dort sind in den Agrarwüsten viele Hektar Blühsaaten zu sehn da könnte sich doch wieder ein Rebhuhn ansiedeln lassen?….

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    1. admin Beitragsautor

      Wahrscheinlich nicht. Denn Rebhühner aus Zuchten haben i.d.R. nicht die Fitness, um in der freien Wildbahn zu überleben. Ausnahmen aus sehr weitläufigen, naturnahen Volieren bestätigen die Regel. Dazu kommt, dass nicht nur der Lebensraum spielen muss, sondern zur (Wieder-)Begründung eines Bestandes auch eine sehr intensive und weiträumige Prädatorenkontrolle stattfinden muss, und daran scheitert es dann meist. SE

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