Rauchmelder als Kitzretter

Auf Wiesen in der schleswig-holsteinischen Gemeinde Bönebüttel (Kreis Plön) sind in der letzten Zeit merkwürdige Installationen zu sehen, vor allem aber zu hören: Auf Weidezaunpfählen auf Kunststoff ist ein rundliches Gerät angebracht, das einen durchdringenden Piepton ausstößt. Ein Gefrierbeutel schützt das Gerät vor Regen, ein Stück Flatterband erhöht die Sichtbarkeit für die Fahrer der Erntemaschinen. Es handelt sich um Rauchmelder, die von den engagierten Weidmännern des Hegerings 8 der Kreisjägerschaft Plön zu Kitzrettern umfunktioniert wurden. “Es war nicht unsere Idee”, betont Jens Teegen, Naturschutzbeauftragter der Jägerschaft, “Ein Jäger aus einem Nachbarrevier hat uns den Tipp gegeben.” Dort sind die elektronischen Quäken schon erfolgreich im Einsatz. “Das gute an den rettenden Rauchmeldern ist: Es ist nicht teuer, es geht schnell und ist überhaupt kein Aufwand”, erklärt Teegen im Gespräch mit JAWINA. Und es funktioniert: “Auf den Wiesen, die wir mit Rauchmeldern bestückt haben, ist kein einziges Kitz ausgemäht worden”, berichtet er stolz.

Voraussetzung ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Jägern und Landwirten, in Bönebüttel klappt das hervorragend: “Die Bauern und Jagdgenossen rufen uns ein paar Tage vorher an und sagen, Du, in zwei Tagen will ich die Wiese mähen.” Zwei Tage vor der Mahd stellen die Jäger dann die auf Dauerton geschalteten Rauchmelder auf. Ein Rauchmelder beschallt eine Fläche von vier bis fünf Hektar. Bei der Mahd sammeln die Landwirte die Kitzretter ein und stellen sie an einem zuvor vereinbarten Ort ab, wo sie von den Jägern abgeholt werden.

Aber wie kriegt man die Geräte dazu, dauerhaft zu piepen? “Ganz einfach, erklärt der stellvertretende Hegeringsleuter Kai Steinkamp: “Alle Rauchmelder haben auf der Rückseite einen Knopf, mit dem sich die Funktion überprüfen lässt: Betätigt man diesen, so erklingt der Warnton. Man muss den Knopf nur mit einem Schräubchen in der entsprechenden Stellung fixieren oder – die Variante für Fortgeschrittene – ein Kontaktplättchen im Gerät umbiegen.”

Steinkamp empfiehlt, Rauchmelder mit Alkali-Batterien einzusetzen: Die halten wesentlich länger, als die einfachsten Geräte: “Ein Rauchmelder für 4,95 ist nach zwei Nächten leer, Geräte für 35 Euro halten locker die erforderlichen drei bis vier Tage durch.” Das erspart einem den Batteriewechsel. Der unangenehme Piepton veranlasst die Ricken, ihre Kitze an einen weniger lärmbelasteten Ort zu verbringen. Dass sich Anwohner und Passanten über die Dauerbeschallung beschweren würden, ist Jens Teegen zufolge nicht zu befürchten: “Von außen hört man das kaum.”

Die Erfolge mit den manipulierten Rauchmeldern haben sich in der Umgebung von Bönebüttel bereits herumgesprochen: “In einem befreundeten Revier, wo mein Schwiegersohn zur Jagd geht, wurden die Rauchmelder jetzt auch eingesetzt”, berichtet Teegen. “Auch dort wurde kein Kitz ausgemäht.” Dennoch warnt der Weidmann vor vorschneller Euphorie: “Wir haben diese Technik dieses Jahr zum ersten Mal verwendet. Wir müssen abwarten, ob das dauerhaft funktioniert oder ob mit der Zeit ein Gewöhnungseffekt einsetzt.” JAWINA wird berichten. SE

Beitragsbild: Rauchmelder. ©: Marianne F. (JAWINA dankt für das Foto!)

 

4 Gedanken zu „Rauchmelder als Kitzretter

  1. Lars

    Aus dem Landesimmissionsschutzrecht: “Der Betrieb von akustischen Einrichtungen und Geräten zur Fernhaltung von Tieren in Weinbergen oder in anderen gefährdeten landwirtschaftlichen Anbaugebieten, durch den Anwohnerinnen und Anwohner erheblich belästigt werden können, bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde. Die Erlaubnis soll nur erteilt werden, wenn die Fernhaltung mit anderen verhältnismäßigen Mitteln nicht erreicht werden kann.” Und dazu: “Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu fünftausend Euro geahndet werden.”

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Sesselfurzer aller Länder vereinigt Euch! Ob die Fürze in die Sessel der schleswig-holsteinischen Ministerialbürokratie durch das “Landesimmissionsschutzrecht” gedeckt sind, muss offen bleiben. Ich gehe davon aus, dass Jawina die Fangemeinde informiert, wenn die Rauchmelder wegen fehlender höchstbehördlicher Genehmigung entfernt werden müssen. Wir haben übrigens zur Kitzrettung blinkende Autowarnlampen mit gutem Erfolg eingesetzt. Abends installiert, führen die Ricken ihre Kitze nachts aus dem gefährdeten Schlag. Aber vermutlich wird irgendeinem Sesselfurzer auch die optische Immission ein Dorn im Auge sein, und hier im wahrsten Wortsinn.

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  3. Joachim

    Ein zu tiefst deutsche Phänomen: geht leider nicht, weil…

    In diesem Falle: Kitze in Stücke hacken ist ok, weil vorher laut piepsen ist leider eine Ordnungswidrigkeit. Schade.

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  4. Lars

    Nun, alleine schon weil ordnungsbehördlich genehmigte Kitzrettungsaktionen polizeiliche Kostennoten wegen Bombenattrappeneinsätzen verhindern, sollte man darüber nachdenken die Zeit und ggf. Gebühr zu investieren.

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