Rasante Urwald-Vernichtung in Rumänien

Obwohl alle Urwälder in Rumänien seit 2008 unter strengem gesetzlichen Schutz stehen, geht die Urwald-Vernichtung weiter, wie die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur beklagt: Der aktuell entdeckte Fall im Fagarasch-Gebirge sei besonders gravierend, da die Holzeinschläge in Bereichen stattfinden, die den rumänischen Behörden seit dem Jahr 2005 als Urwaldgebiete bekannt sind: im Sinca-Urwald sowie im benachbarten Strambei-Tal. EuroNatur wurde lt. Wikipedia “im Europäischen Umweltjahr 1987 gegründet, initiiert vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU).” Diese Verbände setzen sich hierzulande dafür ein, Wirtschaftswälder aus der Nutzung zu nehmen, was den Bewirtschaftungsdruck auf Urwälder nicht nur in Rumänien erhöht.

Ein Teil des Sinca-Urwalds wurde von der rumänischen Regierung im Februar 2016 als Welt-Naturerbe nominiert und ist damit Teil einer europaweiten Nominierung von Buchen-Urwäldern als UNESCO-Welterbe der Menschheit. Der aktuelle Holzeinschlag im Sinca-Urwald verstößt damit nicht nur gegen geltendes Recht in Rumänien, sondern rückt auch die sehr begrüßenswerte Nominierung des Sinca-Urwalds als Weltnaturerbe in ein schlechtes Licht.  Zudem gelten für die Anerkennung als Weltnaturerbe strenge Vorgaben, die auch Eingriffe in den umgebenden Gebieten und Pufferzonen streng reglementieren.

Nach Ansicht von EuroNatur stellen die Einschläge zudem einen schwerwiegenden Verstoß gegen geltendes EU-Naturschutzrecht dar: Beide Gebiete gehören zum FFH-Gebiet Fagarasch, dessen Ziel auch die Erhaltung natürlicher Waldgesellschaften ist. EuroNatur fordert die rumänische Regierung auf, unverzüglich für eine Sicherung aller Urwälder in Rumänien zu sorgen und damit den nationalen und europäischen gesetzlichen Vorgaben nachzukommen. Alleine im Fagarsch-Gebirge stehen einige tausend Hektar einzigartiger Urwälder auf dem Spiel.

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Noch unberührter Buchenurwald im Fagarasch-Gebirge. © Matthias Schickhofer

„Die immer weiter voranschreitende Urwald-Vernichtung in Rumänien ist bereits seit mehr als einem Jahrzehnt bekannt. Die rumänische Übergangsregierung unter Premierminister Dacian Ciolos muss nun rasch und entschieden handeln, um diesen Missstand zu beenden“, fordert Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der EuroNatur Stiftung.  „Ein Moratorium für jeglichen Holzeinschlag in allen Urwald-Verdachtsflächen ist dringend erforderlich. Anderenfalls ist zu befürchten, dass das einmalige Naturerbe Rumäniens in wenigen Jahren vernichtet ist.“ Im Zusammenhang mit dem Schutz der Urwälder Rumäniens gibt es viele Ungereimtheiten. „Es ist völlig unverständlich, warum nur ein Teil der Urwaldflächen im Sinca-Strambei-Gebiet für die Nominierung als Weltnaturerbe vorgeschlagen wurde. Konsequent wäre es gewesen, den gesamten Urwaldkomplex als Welterbe der Menschheit zu sichern“, sagt Gabriel Schwaderer. PM/SE

Beitragsbild: Noch unberührter Buchenurwald im Fagarasch-Gebirge. © Matthias Schickhofer

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