Rabauken-Journalist freigesprochen

Der Journalist, der in seinem Käseblättchen einen Jäger als “Rabauken-Jäger” bezeichnet hatte, weil dieser ein totes, im Zustand fortgeschrittener Verwesung befindliches Reh an einem Seil hinter seinem Auto hergezogen hatte, ist vom Oberlandesgericht Rostock vom Vorwurf der Beleidigung freigesprochen worden. Dass Rabauken-Redakteur Thomas Krause mit seiner Wortwahl der ebenfalls schon ziemlich fortgeschrittenen Verprollung des deutschen Journalismus Vorschub geleistet hatte, war nicht Gegenstand des Verfahrens. Krause war von einer Vorinstanz wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt worden. Das OLG befand der FAZ zufolge, dass “Rabauke” eine “eher harmlose Herabsetzung” bedeute. “Es bezeichne in der Regel einen ungestümen jungen Mann.” Der Argumentation des OLG folgend stellt demnach auch das Wort “Arschloch” keine ernsthafte Herabsetzung dar: Es bezeichnet eine Körperöffnung.

Dass es möglicherweise einen Unterschied macht, ob eine Beleidigung im kleinen Kreis oder unter Ausnutzung asymmetrischer Medienmacht ausgesprochen wird, fand das OLG offenbar nicht: Der Ehrschutz müsse hinter der Meinungsfreiheit zurücktreten. Auch die von Krause aus dem Internet zitierte Bezeichnung “Drecksjäger” stelle keine Beleidigung dar, da der Zeitungsschreiber sich diese “nicht zu eigen gemacht” habe. Da in puncto Ehrschutz von deutschen Gerichten offenbar keine große Hilfe mehr zu erwarten ist, darf es einen nicht wundern, wenn manch einer sich berufen fühlen sollte, seine Ehre künftig wieder selbst – in altbewährter handgreiflicher Form- zu verteidigen:

“Foote, der Komiker, der auf der Bühne allerlei Zeitgenossen aufs Korn zu nehmen liebte, hatte sich vorgenommen, auch in der Gestalt Johnsons aufzutreten, da er sich von der Verulkung eines so berühmten Mannes großen Erfolg versprach. Als Johnson bei dem Buchhändler Thomas Davies vom Vorhaben des Schauspielers erfuhr, fragte er Davies: “Was kostet ein gewöhnlicher Bakel?” und auf die Antwort, sechs Groschen, sagte er: “Dann gestatten Sie mir, durch ihren Gehilfen einen solchen zu einem Schilling holen zu lassen. Ich brauche einen doppelt so starken; wenn Foote sich auf meine Kosten lustig machen will, werde ich dafür sorgen, dass er es nicht ungestraft tut.” Dies wurde Foote hinterbracht, was die Spottlust des Komikers entschieden dämpfte.” aus: James Boswell, Dr. Samuel Johnson, übers. v. Fritz Güttinger,

SE

Beitragsbild: Johnson Agonistes, Zeichnung von Ernest H. Shepard

 

3 Gedanken zu „Rabauken-Journalist freigesprochen

  1. Xerorx

    . Da in puncto Ehrschutz von deutschen Gerichten offenbar keine große Hilfe mehr zu erwarten ist,

    Ich denke eher, da wird der kulturelle Hintergrund des Täters, der sich seiner Ehre beraubt fühlt, in Zukunft noch große Bedeutung einnehmen. Manchmal gewinnt man in diesem Land sowieso schon den Eindruck, es gibt ein Recht für die Einheimischen und ein Recht für die anderen.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.