Rabauken-Journaille will weiter ungestraft gegen Jäger hetzen

Ein Kommentar.

Ein Redakteur des Nordkuriers hat einen Jäger, der ein totes Reh an der Anhängerkupplung seines PKW über eine Bundesstraße schleifte, als “Rabauken-Jäger” bezeichnet und ist dafür vom Amtsgericht Pasewalk wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro verurteilt worden. So weit der Sachverhalt. Nun springen diverse Medien, darunter Qualitätszeitungen wie die FAZ, dem gemaßregelten Redakteur bei, als wäre diesem mit der Verurteilung ein entsetzliches Unrecht geschehen, lautstark beklagen sie Willkürjustiz und wähnen das Ende der Pressefreiheit gekommen. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) zieht den Vorgang in einer Pressemitteilung ins Lächerliche, wenn er schreibt, “man könnte meinen, im Amtsgerichtsbezirk Pasewalk näherten die Menschen einander nur in formvollendeter Hochachtung, machten bei der Begrüßung Diener und Knicks.” Zugegeben: Auch ich habe im Verlauf meiner Adoleszenz, die mich zielstrebig die übelst beleumundeten Quartiere Berlins aufsuchen ließ, mitunter schlimmere Schimpfworte als “Rabauke” gehört. Doch darum geht es nicht.

Es geht auch nicht darum, die Vorgehensweise des Jägers zu verteidigen. Es ist weder schlau, noch zeugt es von gutem Geschmack und zartem Einfühlungsvermögen, auch entspricht es nicht “den anerkannten Grundsätzen deutscher Weidgerechtigkeit”, ein totes Tier am hellichten Tag auf einer viel befahrenen Bundesstraße an der Anhängerkupplung hinter sich her zu schleifen. Nur wird in manchen Presseberichten zum Thema (und in den wie gewohnt hysterischen Internetkommentaren erst recht) so getan, als habe der Mann ein lebendiges Reh zu Tode geschleift. Hat er aber nicht. Er hat einen stinkenden Kadaver auf rustikale Weise entsorgt. Wer sich darüber aufregt, muss wohl Veganer sein. Natürlich kann man über so einen Vorfall berichten. Es aber mit dieser selbstgerechten Empörung zu tun, über den Umgang mit lebenden und toten Tieren in der Lebensmittelindustrie aber zu schweigen (oder weiterhin das Billig-Schnitzel aus der Kühltruhe zu klauben) – ist schlicht Heuchelei. Und als Kampfblatt der Tierrechtsbewegung hat sich der Nordkurier meines Wissens noch nicht hervorgetan.

Man kann über so einen Vorfall berichten, man kann ihn auch kommentieren, aber es reicht, die Taten und Tatsachen für sich sprechen zu lassen. Wird der Akteur überdies mit abfälligen Bezeichnungen wie “Rabauken-Jäger” stigmatisiert, so ist eine Grenze überschritten: Die Grenze zur Beleidigung, und die ist nun mal strafbar – auch und erst recht für Nordkurier-Redakteure, weil es eben deutlich schwer wiegender ist, jemand in der Zeitung, als am Tresen in der Dorfkneipe zu beleidigen. Denn der Jäger, ein Rentner, ein harmloser alter Mann, hat der Meinungsmacht der (Lokal-)Presse schlicht nichts entgegen zu setzen. Es ist davon auszugehen, dass er in seiner lokalen Gemeinschaft bis ans Ende seiner Tage mit dem Etikett “Rabauken-Jäger” herumlaufen muss.

Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut. Sie soll es dem unerschrockenen Reporter ermöglichen, sich mit den Mächtigen anzulegen – sie dient nicht dazu, es sensations- und auflagegeilen Boulevardjournalisten zu ermöglichen, straflos kleine Leute, Normalos und Nobodys, anzupöbeln, bloßzustellen und zu diffamieren. Das ist ein Missverständnis und ein Missbrauch, den man nicht verteidigen muss, weil dieser der Pressefreiheit letztlich mehr schadet, als ein Gerichtsurteil, dass die Grenzen derselben aufzeigt. SE

Beitragsbild: Bildschirmfoto der Internetseite des Deutschen Journalistenverbands (DJV) mit dem oben zitierten und verlinkten Text. Copyright: DJV

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