Quasimodogeniti

Auf den Palmsonntag folgt der Ostersonntag. Gelegentlich wird auch für diese Zeit ein Merkvers genannt: Osterzeit, wenig Beut. Dennoch streichen die Schnepfen auch um Ostern herum noch, wenn der Strich auch allmählich nachlässt. Der Spruch kommt wohl eher daher, dass die wackeren Weidgesellen die miese Stimmung ihrer besseren Hälften fürchteten, falls sie an Ostern zur Jagd rausgegangen wären. Deshalb war um diese Zeit die Strecke sehr gering.

Quasimodogeniti wird der erste Sonntag nach Ostern genannt. Quasi modo geniti infantes, halleluja, rationabile sine dolo lac concupsicite, halleluja, lautete es zu Beginn der Messe. Die Übersetzung könnte auch für uns Jäger ein gutes Motto sein: Wie neugeborene Kinder, Halleluja, verlangt nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, Halleluja. Die vernünftige Milch, nach der wir verlangen sollen, könnte doch für uns Jäger das Wissen um neue wildbiologische Erkenntnisse sein und deren Umsetzung in der Jagdpraxis. Da haben wir nämlich noch sehr viel Luft nach oben. Halleluja ist übrigens ein Imperativ: Preist Gott!

Der heutige Merkvers lautet: Quasimodogenti, halt Jäger halt, jetzt brüten sie. Der gesetzlich gebotene Schutz zur Aufzucht von Jungen, heute in § 22 (1) des Bundesjagdgesetzes verankert, hat also auch unter dem Aspekt der Weidgerechtigkeit bereits gegolten, als es noch kein Bundesjagdgesetz gab. Die leidige Diskussion, ob das Reichsjagdgesetz von 1934 als Vorläufer des Bundesjagdgesetzes ein Nazigesetz war, will ich hier nicht eröffnen. Nur so viel dazu: Das Reichsnaturschutzgesetz war auch Vorläufer des Bundesnaturschutzgesetzes! Darüber wird nie diskutiert.

Die Schnepfe ist ein Bodenbrüter. Meist wird zweimal im Jahr gebrütet. In die Nestmulde, in aller Regel im Wald, allenfalls mit etwas Laub gepolstert, werden meist vier bräunlich gesprenkelte Eier gelegt. Brut und Jungenaufzucht übernimmt alleine die Schnepfenhenne. Die Küken schlüpfen nach rund 22 Tagen. Sie sind Nestflüchter, also beim Schlupf schon sehr weit entwickelt. Schon nach vier Wochen sind die Küken flügge, und bereits nach fünf bis sechs Wochen selbständig.

Die Frühjahrsjagd auf den Schnepf endete also definitiv am Sonntag nach Ostern. Sie hat vielen Jägern große Freude gemacht und wegen der damit verbundenen Naturerlebnisse auch tiefe innere Ruhe geschenkt. Das mag sich heute im Cyberzeitalter ein wenig gestelzt anhören, entspricht aber sicher den Erinnerungen, die viele ältere Weidgenossen an die „alte Zeit“ des Schnepfenstrichs haben. Damit endet dann auch diese kleine Serie, die hoffentlich einigen Jawina-Lesern etwas Spaß gemacht hat. Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Beitragsbild: Schnepfenstimmungsbild. Foto: SE

Bisher erschienen:

Quasimodogeniti

Palmarum

Judica

Laetare

Reminiscere

Oculi

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