Protest gegen Zustimmung zur DVO: Prof. Pfannenstiel verlässt LJVB

Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel tritt aus dem Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) aus. In einem Schreiben an den Verband begründete der renommierte Wildbiologe seinen Entschluss wie folgt: “Einem Verband, der einer solchen DVO zustimmt, möchte ich nicht  mehr angehören. Hiermit erkläre ich meinen Austritt aus dem Landesjagdverband Brandenburg e. V. zum nächst möglichen Termin.” In einem Kommentar zu einem JAWINA-Beitrag hatte Pfannenstiel das Verhalten des LJVB, der der DVO trotz schwerster inhaltlicher und formaler Bedenken und nicht erfolgter Verbändebeteiligung einstimmig (!) zustimmte, als “schizophren” bezeichnet.

Hintergrund: Pfannenstiels Austrittserklärung – und der oben erwähnte Kommentar – dürften als Reaktion auf den Brief vom 28.05. des LJVB-Präsidenten Dirk-Henner Wellershoff an den Brandenburger Landwirtschaftsminister Vogelsänger aufzufassen sein. Darin heißt es:

“Die DVO Jagd ist, neben dem Landesjagdgesetz, eine der wichtigsten Grundlagen für die Ausübung der Jagd. Deshalb müssen die Jägerinnen und Jäger umfassend in eine inhaltliche Diskussion einbezogen werden. Dies ist nicht erfolgt. Durch die verordnete Geheimhaltung, den hohen zeitlichen Druck und – daraus resultierend – die fehlende Verbändebeteiligung, wurden wir Jäger faktisch davon ausgeschlossen.

Dies wird vom Landesjagdverband Brandenburg nicht akzeptiert! Der Landesjagdverband Brandenburg lehnt Regelungen ab, welche wildbiologische Erkenntnisse außer Acht lassen. Für die verbindliche Festlegung von Hauptbaumarten fehlt es hinsichtlich einzelner Regelungen überhaupt an einer Verordnungsermächtigung.

Der Landesjagdverband Brandenburg denkt darüber nach, seinen Mitgliedern zu empfehlen, nicht an den Jagden derjenigen Landeswaldoberförstereien teilzunehmen, welche die neuen Regeln der DVO Jagd intensiv umsetzen und nutzen.

Einstimmig sind wir im Verband zu dem Ergebnis gekommen, den Entwurf, nicht zuletzt auf Grund der politischen Gesamtlage, trotz erheblicher Vorbehalte mitzutragen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Dirk-Henner Wellershoff Präsident des Landesjagdverbandes”

Die Andeutungen die “politische Gesamtlage” betreffend dürften sich auf Befürchtungen beziehen, dass die SPD auch nach den derzeit prognostizierten erheblichen Stimmverlusten bei der bevorstehenden Landtagswahl versuchen wird, an der Macht zu bleiben – und zu diesem Zweck die Grünen an der Regierung beteiligen könnte, wenn es für die bisherige Rot-rote Koalition nicht mehr reicht – und es der Jagd unter einem grünen Landwirtschaftsminister erst recht an den Kragen gehen könnte. Nach dieser Logik wäre es vorteilhafter, die DVO nicht zu blockieren, um eine Neufassung unter den grünen Khmer weniger wahrscheinlich werden zu lassen.

Ob es ratsam ist, sich für derlei taktische Erwägungen mit den haarsträubenden Regelungen und der mangelnden Verbändebeteiligung abzufinden – die bei dem schönen Erfolg einer einstimmigen Zustimmung Schule machen dürfte – sei dahingestellt. “Selbstmord aus Angst vor dem Tod”, kommentiert Pfannenstiel diese Taktiererei im Gespräch mit JAWINA.

Prof. Dr. Pfannenstiel war seit 1990, also von Beginn an, Mitglied im LJVB. Von 2004 bis 2012 war er als Mitglied des Präsidiums für Aus- und Weiterbildung und das jagdliche Schießen verantwortlich. Er war Vizepräsident von 2008 – 2012 und Ehrenmitglied seit 2012. SE

Beitragsbild: Aus dem Brief von LJVB-Präsident Wellershof an Minister Vogelsänger (Screenshot, Ausschnitt)

2 Gedanken zu „Protest gegen Zustimmung zur DVO: Prof. Pfannenstiel verlässt LJVB

  1. RK

    Konsequent. Ich hatte mir den Beitritt (zusätzlich zur Berliner Mitgliedschaft) überlegt, werde das erst mal auf Eis legen.

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  2. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Ein Verband hat keine Einzelmitglieder; diese sind in einer Jägervereinigung e.V. die dann die Mitglieder im Verband vertritt. Deshalb kann Herr Pfannenstiel auch nicht aus dem Verband austreten sondern nur aus seiner (Kreis)Jägervereinigung e.V. Dennoch konsequent!

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