Projektil in Schluchsee-Wolf gefunden

Illegale Abschüsse sind mit hohem Risiko verbunden

In der Leber des tot aus dem Schluchsee geborgenen Wolfs ist ein Projektil geborgen worden, wie das Umweltministerium Baden-Württemberg mitteilte: “Der tote Wolf weist Verletzungen im Brustbereich auf. Diese stammen von einem Projektil, das in der Leber des Wolfes gefunden wurde. Nähere Informationen zum möglichen Tathergang können aus ermittlungstaktischen Gründen zum jetzigen Zeitpunkt nicht mitgeteilt werden.” Je nach Zustand des aufgefundenen Geschosses könnte es möglich sein, nicht nur Art und Hersteller der verwendeten Munition sowie das Kaliber der Waffe zu bestimmen, sondern das Projektil einer bestimmten Waffe eindeutig zuzuordnen. Die Bild-Zeitung fragt demgemäß auch schon, ob jetzt “alle Jäger zur Waffenprobe” müssten. Die Fahnder nähmen die “örtlichen Jagdreviere ins Visier.”

Der Fall verdeutlicht das hohe Risiko, das mit illegalen Wolfs-Abschüssen verbunden ist. Der Red. ist zwar bisher nur ein Fall aus dem Jahr 2008 bekannt, in dem es zu einer Verurteilung kam. Damals hatten mehrere Jäger bei einer Jagd im Wendland auf einen Wolf geschossen, der zuvor bereits von einem unbekannten Schützen einen Schuss erhalten hatte. Sie wollten das Tier von seinen Qualen erlösen und wurden zu hohen Geldstrafen verurteilt. Ein Prozessbeobachter hatte seinerzeit resümiert, dass sich im Gerichtssaal mehr Gutachter, Zeugen und Ermittler befanden, als in manchem Mordprozess. Dies verdeutlicht den Aufwand, den Polizei und Gerichte treiben, um den Tätern bei illegalen Wolfsabschüssen auf die Spur zu kommen. Und es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Justiz geneigt sein wird, am Nächsten, der sich erwischen lässt, mit einem abschreckenden Urteil ein Exempel zu statuieren, um diese Form von Selbstjustiz zu unterbinden.

Wer erwischt wird, muss mit einer schmerhaften Geldstrafe, möglicherweise sogar mit einem Gefängnisaufenthalt rechnen. Außerdem dürften Jagdschein, WBK und Jagdwaffen für lange Zeit futsch sein, vielleicht sogar für immer. Außerdem ist mit massiven Angriffen und einer jahrelangen Verfolgung durch militante Tierfreunde und Jagdgegner zu rechnen. Jeder illegale Wolfsabschuss ist zudem denkbar schlechte Publicity für Jagd und Jäger und Legalwaffenbesitzer, die sich – durchaus zu Recht – als besonders gesetzestreu darstellen. Selbstjustiz mit Schusswaffen passt da denkbar schlecht ins Bild.

Jeder wolfsgeschädigte Jäger sollte sich fragen, ob er wirklich bereit ist, ein derart hohes Risiko einzugehen, zumal die Ausbreitung der exponentiell anwachsenden Wolfspopulation durch den Abschuss von Einzeltieren nicht gestoppt oder auch nur spürbar verlangsamt wird. Zu bedenken ist auch, dass die Stimmung beim Thema Wolf am Kippen ist und die Zeit für diejenigen spielt, die eine Regulierung der Wolfspopulation befürworten. Der Frust vieler Pächter kleinerer Jagdreviere, die praktisch kein Wild mehr in ihrem Revier zu Gesicht bekommen, ist groß. Außerdem wächst der Druck, den Landwirte, Weidetierhalter und Schäfer auf Jäger ausüben, um sie zu verbotener Selbsthilfe in Sachen Wolf zu drängen. Doch wer sich die schwer wiegenden Folgen einer Verurteilung auf Kontostand, Privat- und Berufsleben in allen Einzelheiten ausmalt, wird vor unüberlegten Schnellschüssen bewahrt bleiben.

Man muss sich klar machen, welche weitreichenden Möglichkeiten die moderne Kriminaltechnik bietet, um Spuren auszuwerten und Verdächtige zu überführen – und dass diese Möglichkeiten bei illegalen Wolfstötungen ausgeschöpft werden. Wir wissen aus erster Hand, dass der Tatort bei Wolfstötungen wie der eines Kapitalverbrechens aussieht: Auf dem mit Markierungsbändern der Polizei abgesperrten Areal wuseln Forensiker in weißen Ganzkörperschutzanzügen  herum, die nach kleinsten Hinweisen suchen: Fuß- und Reifenspuren, einer achtlos weggeworfenen Kippe, einem verlorenen Haar. Jeder weiß, dass heute ein paar Hautschuppen oder ein paar Fasern von Kleidungsstücken für einen hieb- und stichfesten DNA-Beweis ausreichen können.

Die Polizei fordert die besten Nachsuchengespanne an, um die Fährte eines angeschossenen Wolfs oder auch Reifenspuren am Ablageort des Kadavers zurückzuverfolgen – zu einem Hochsitz, einer Garage oder Jagdhütte. Der Kadaver wird mit gerichtsmedizinischer Raffinesse untersucht, um jeden Hinweis auf den Täter, aber zum Beispiel auch auf den Todeszeitpunkt zu erfassen. Letzteres ermöglicht dann einen Abgleich der Verbindungsdaten aller Mobiltelefone, die zum fraglichen Zeitpunkt in der Nähe waren. Zeugen werden befragt, Überwachungskameras und Blitzer ausgewertet. Es hat sich schon oft erwiesen, dass Leute, die sich für schlauer gehalten haben, als der ganze Apparat, der da gegen sie aufgefahren wird, am Ende einfach nur die Dümmeren waren. Also: Lasst es lieber. SE

Beitragsbild: Eindeutig wie Fingerabdruck: Deformierte Projektile. (Symbolbild) Foto: SE

 

 

14 Gedanken zu „Projektil in Schluchsee-Wolf gefunden

  1. ostermann

    so ein quatsch. diese Projektile haben nie und nimmer in dem wolf gesteckt. ich vermute mal das es ein kalieber so um die 30/06 oder 308 win oder so ist. diese projektiele sind do projektiert das sie immer durchschlagen. sie haben eine auftreffenergie von ca 3800 jul auf 100 m da bleibt kein projektiel in einem wildkörper von 40 kg bis 60 kg auch nicht auf 200 m . und weiter können die weisten jäger nicht schiessen. das ist einfach nur angst zu schüren unter den Jägern.

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    1. Ulli

      Sie sind ja ein ganz schlauer…..es handelt sich bei den Projektilen um ein Beispielfoto. Warum soll man Angst schüren. So wie es in dem Bericht dargestellt wird ist es.

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  2. Tobias Harloff

    An diesem Artikel kann man einmal mehr erkennen wie tief doch die Liebe der Jägerschaft zum Natur- und Artenschutz reicht, und über welche profunden ökologischen Kenntnisse die Jägerschaft verfügt. Anstatt einer bitter nötigen, ehrlichen Distanzierung klammheimliches Verständnis für Straftäter und die üblichen Klischees und alternativen Fakten zur Wolfsbiologie. Ich werde an dieser Stelle nicht den eh sinnlosen Versuch unternehmen, die dringend notwendige Aufklärung zu leisten. Die echten Fakten sind bekannt und für jeden zugänglich. Die Jägerschaft sägt in ihrer Uneinsichtigkeit selbst am Hochsitz auf dem sie sitzt, und es wird der Tag kommen, an dem man die Hobbyjagd abschaffen wird. Die Schweiz (Kanton Genf und demnächst Zürich) macht uns vor, dass das möglich ist.

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    1. admin Beitragsautor

      Aha, Sie wähnen sich im Besitz der allein seligmachenden, einzigen und endgültigen Wahrheit, wollen diese aber nicht mit uns teilen. Wirklich schade. Dann können Sie sich die haltlosen Unterstellungen und Anschuldigungen in Ihrem Kommentar aber auch sparen.

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    2. Ralf Eisenhardt

      Genau diese Motive und Jägerbashing meinte ich. Daher auch nicht auszuschliessen, dass der Wolf von den Leuten erschossen wurde die jetzt so laut schreien. Manchen NGOs und sogenannten Tierschützen darf man erfahrungsgemäß auch Straftaten zutrauen. Welcher Jäger wäre so dusselig einen Wolf mit KK zu schiessen, das Risiko zu gehen dass er gefunden wird und die ggfs. zum Täter führende Kugel gleich mit? Diese Vorverurteilungen sind nichts als erbärmlich. Warten wir ab was die Kripo findet.

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    1. admin Beitragsautor

      Die hartnäckige Weigerung von Wolfsfreunden und Politik, das Offensichtliche anzuerkennen – nämlich, dass vor allem Weidetierhalter und Jäger die durchaus auch materiellen Folgen der Rückkehr des Wolfs zu tragen haben, trägt maßgeblich zur Verbitterung und zur zunehmenden Wut in diesen Gruppen bei, was sich wiederum auf die Neigung oder Bereitschaft zur Selbstjustiz auswirken könnte. SE

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  3. Berge

    Ich habe an der Berufungsverhandlung des Todesschützen vom Dannenberger Wolf (LK Lüchow-Dannenberg – Gorleben) in Lüneburg teilgenommen. Vor uns auf der Anklagebank saß ein 58 Jähriger, der aussah wie 78 Jahre alt. Er war geknickt und man sah ihm an, was für einen Horrortrip er seit der Erschießung im Dez 2007 hinter sich hatte. Es war 2010! Die höchste und letzte Instanz, dass Oberlandesgericht Celle hat die Entscheidung der beiden Untergerichte ebenfalls bestätigt. Die eigentliche Strafe war nicht die rechtskräftige Verurteilung, sondern die 4 Jahre Prozess über 3 Instanzen und der öffentliche Druck. Der Mann war gebrochen fürs Leben. Jeder, der illegal einen wilden unter Schutz stehenden Wolf schießt, wird es genau so ergehen. Ein weiteres Beispiel gibt es aus Niedersachsen im Jahre 2003, wo ein Jäger die in Thüringen ausgebrochene Wölfin Bärbel erschossen hatte. Der benötigte Psychologische Hilfe hinterher, weil er so fertig war aufgrund des Druckes. Und es war da “nur” eine Gehegewölfin. Also man sollte das Ernst nehmen und nicht auf die leichte Schulter. Genau so wird es sein, dass der Nächste, der erwischt wird, ein Exempel sein wird – und das ist gut so. Die Jägerschaften haben es selbst in der Hand, die schwarzen Schafe an die Hand zu nehmen. Wild ist herrenlos nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Niemand steht es zu, über Leben und Tod zu bestimmen. Freuen wir uns daran, dass sie Natur zurückgekehrt ist und die Bemühungen für unsere Enkel und Enkelskinder fruchten. Der Wolf ist der König der Deutschen Wälder. Er gehörte immer hierher und ist nur für eine kurze Zeit von 100 Jahren ausgerottet worden, weil in der Zeit die Menschen kaum etwas zu essen hatten. Heute sind wir eine Überflussgesellschaft, die sich leicht wilde Wölfen leisten kann.

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    1. Werner Schönfelder

      @Berge
      Bitte bei den Fakten ordentlich recherchieren. Wölfin Bärbel stammte aus dem Tierpark Klingenthal und das ist bekannterweise ein Städtchen im schönen sächsischen Vogtland an der Grenze zu Tschechien liegend. Dort sind seit 1970 schon mehrmals Wölfe entfleucht, deren Verbleib nicht immer geklärt werden konnte . Einige wurden von tschechischen und deutschen Jägern erschossen, bei manchen konnte man nur spekulieren.

      Und als König der Wälder bezeichnet man in Deutschland üblicherweise noch immer den Rothirsch und nicht den Wolf.

      Bei allem Respekt, vielleicht unterhalten Sie sich mal mit von Wolfsattacken betroffenen Tierhaltern und schauen sich deren gerissene Nutztiere an. Könnte sein ihre Auffassung vom “Wölfeleisten” relativiert sich. Einen Rat noch, bitte lassen Sie ihre Enkel bei dieser Stippvisite daheim.

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  4. Ralf Eisenhardt

    Diese Geschosse sind sicher nicht die aus dem Wolf, denn der wurde wohl eher mit Kk gestreckt, weil kein Durchschuss erfolgte. Das wiederum öffnet den möglichen Täterkreis massiv. Jägerbashing ist hier völlig fehl am Platz. Man muss such doch mal fragen wer das grösste Motiv hat. Neben Naturnutzern sind das auch diejenigen, die jetzt so furchtbar laut schreien. Sie haben Aufmerksamkeit, Spendenthema, Feindbildthema, Wahlkampfthema. Auszuschliessen ist das genauso wenig wie alles andere. Ich hoffe der Täter wird gefunden.

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    1. admin Beitragsautor

      Hinweis: Stimmt! Die abgebildeten Geschosse dienen nur zur Illustration (deshalb als Symbolbild gekennzeichnet).

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  5. Ariane Failer

    Ich finde die “Hobby”jagd einfach nur pervers. Leute, die daran Spaß haben, und sogar noch von Tierschutz sprechen, können nicht bei klarem Verstand sein. Sie können nur Narzißten im psycho-medizinischen Sinne sein, wenigstens Psychopathen und Soziopathen. Diese Leute gehören in Therapie, in der Hoffnung, daß es etwas bringt.

    Hobbyjagd gehört verbannt, geächtet, strickt verboten. Doch es gibt zu viele Politiker unter diesen Narzißten, jetzt hat auch noch der FDP Vorsitzzombie seinen Jagdschein gemacht. Unwählbar !

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    1. admin Beitragsautor

      Sehr schön, FDP-Wahlwerbung wider Willen.
      Ansonsten finde ich auch, dass die Welt ein viel angenehmerer Ort wäre, wenn alle, die anderer Meinung sind und Dinge tun, die ich nicht befürworten kann, weggesperrt, umerzogen, verklappt oder zu Soylent Green verarbeitet werden würden. Allerdings musste ich erkennen (übrigens aus der Einsicht heraus, dass ich mit meinen elitären und zukunftsweisenden Ansichten eine winzige Minderheit darstelle und daher vermutlich als einer der Ersten in der Katzenfutterfabrik landen würde), dass das nicht durchsetzbar und in letzter Konsequenz nicht einmal wünschenswert ist.
      Man nennt die so gewonnene Einsicht Toleranz. Eine Prise, ein winziges Scheibchen davon (am besten verabreicht mit einer ordentlichen Dosis an gutem Benehmen), würde Ihnen auch ganz guttun, Frau Failer – Sie könnten sich glatt zu einem ernstzunehmenden Gesprächspartner entwickeln, manch einer würde Sie vielleicht sogar für einen erträglichen Menschen halten… SE

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  6. Ralf K.

    @ Tobias Harloff:
    Die Schweiz hat durchaus festgestellt, dass Berufsjäger eine Menge Geld kosten. Zudem ist die Rehpopulation im Zuge des privaten Jagdverbots auf 10 bis 15 Tiere pro km² Wald angewachsen. Beim Rotwild verzeichnet man eine Zuwanderung aus Frankreich seit 2000 und eine Dichte von mittlerweile 2 bis 3 Tieren pro km². Beim Schwarzwild besteht eine Dichte von 2 bis 5 Tieren pro km².
    Wissen Sie, wenn man keine Ahnung hat, dann sollte man sich raushalten!

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