Polen: “Unakzeptable und fundamental falsche Änderungen des Jagdrechts”

Es ist wie ein Alptraum: Keine Strafen für Jagdstörer, Jagdverbot für alle unter 18, regelmäßige Jägerprüfungen, Ernennung von Jagdfunktionären durch den Umweltminister – das polnische Jagdgesetz wird offenbar nach den Vorgaben totalitärer Jagdgegner umgestaltet.

Äußerst besorgt zeigt sich FACE, die Dachorganisation der europäischen Jagdverbände, über die Änderungen des polnischen Jagdgesetzes, denen der polnische Senat bereits zugestimmt hat. Diese bedeuteten “buchstäblich den Tod lange bestehender jagdlicher Tradition, Kultur und Methoden. Insbesondere die folgenden Neuregelungen, so FACE, hätten gravierende Auswirkungen auf Jagd und Jäger in Polen:

1 Das Verbot, Wildtiere ohne ausdrückliche jagdliche Zwecke zu stören. Dies würde FACE zufolge bedeuten, dass Jäger ihre Hunde und Falkner ihre Greifvögel nicht mehr effektiv trainieren könnten. FACE weist darauf hin, dass Falknerei und die Ausbildung von Greifvögeln von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt sind.

2 Die Ernennung des Präsidenten des polnischen Jagdverbands durch den Umweltminister und die Möglichkeit, diese Person durch den Minister zu entlassen, wenn ein Beratungsgremium dem zustimmt. Dies würde die Selbstverwaltung der Jägerschaft eliminieren und stelle einen unmittelbaren Angriff auf demokratische Grundprinzipien dar, so FACE.

3 Es soll keine Strafen mehr für Jagdstörung geben. Damit könnten Jagdgegner die Durchführung von Jagden blockieren und Jagden sabotieren, ohne Bestrafung fürchten zu müssen.

4 Jugendlichen soll bis zum Erreichen des 18. Lebensjahrs die Teilnahme an Jagden verboten sein. Dies würde verhindern, dass jagdliche Traditionen und Fertigkeiten von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Besorgt zeigt sich FACE auch über ein vollständiges Verbot von Bleimunition bis zum 31.12.2019 und über die geplanten regelmäßigen Prüfungen für Jäger alle fünf Jahre. FACE lehne den Ausschluss Jugendlicher von der Jagd fundamental ab, so die Organisation in einer aktuellen Pressemitteilung. Jagd sei nicht nur ein natürlicher und gesunder Weg, ökologische wertvolles Fleisch zu gewinnen, die Beteiligung von Jugendlichen an der Jagd vermittle darüber hinaus Wissen und tiefes Verständnis über Wildtier-Management und Tierwohl. Dies wirke sich positiv auf die geistige und körperliche Entwicklung Heranwachsender aus.

FACE glaube, so heißt es weiter, an das Recht von Eltern, ihre Kinder gemäß ihren eigenen Überzeugungen und Anschauungen zu erziehen, welches durch dieses Verbot missachtet werde. FACE weist in diesem Zusammenhang auf Artikel 2 der Europäischen Menschenrechtskonvention [gemeint ist offenbar Artikel 2 des Zusatzprotokolls zur Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten, Anm. SE] hin: “Der Staat hat bei Ausübung der von ihm auf dem Gebiet der Erziehung und des Unterrichts übernommenen Aufgaben das Recht der Eltern zu achten, die Erziehung und den Unterricht entsprechend ihren eigenen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen sicherzustellen.”

Die geplanten Gesetzesänderungen widersprächen überdies Grundprinzipien der Europäischen Charta über Jagd und Biodiversität, die von der Ständigen Kommission der Berner Konvention im November 2007 angenommen worden sei.

FACE appelliert nachdrücklich an den polnischen Präsidenten Anrzej Duda, die Jagdgesetzänderung im Hinblick auf die Berner Konvention und die Menschenrechte zu überdenken. PM (Übers.: SE]

11 Gedanken zu „Polen: “Unakzeptable und fundamental falsche Änderungen des Jagdrechts”

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Paradiesökologen und Ökofantasten aller Länder vereinigt Euch!
    Wenn wir nicht aufpassen, wird es uns bald auch so gehen. Extreme Tierrechtler überlegen schon, wie man Prädatoren und Fleischfresser genetisch zu Vegetariern umprogrammieren kann. Das ist leider kein Witz. Wie weit kann man sich eigentlich als Stadtjappel noch von der Natur entfernen?

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  2. Astrid Gerken

    Eine wundersame Wendung mit der Hoffnung auf weitere Länder die dem folgen sollten. Ich kenne Polen als eine mitfühlende Menschen und wenn Menschlichkeit über Tötungswahn und Quälerei siegt, dann ist ein entscheidender Schritt für die Tierwelt getan. Leider klammert sich unsere Jägerschaft an Gesetze die eine unselige Partei beschlossen hat die nur Unheil gebracht hat…das sich leider bis in die heutige Zeit durchzieht. Auch hier sind Reformen mehr als nötig!

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    1. Ole

      Meinen Sie das Bundesjagdgesetz, dass die Regelungen des Reichsjagdgesetzes übernommen hat, die 1934 aus der preußischen Jagdverordnung des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Otto Braun abgeschrieben wurden? Da werden sich die Sozialdemokraten aber freuen, dass Sie die SPD als “unselige Partei” bezeichnen. Oder meinen Sie die Jagdgesetze z.B. in NRW oder BaWü, die komplett neue Gesetze sind und unter grüner Federführung entstanden sind? Da haben Sie mit “unselig” vielleicht recht.
      Aber da Sie sich ja offenbar für Geschichte interessieren: Wussten Sie, dass der NABU bis 1945 “Reichsbund für Vogelschutz” hieß und keine jüdischen Mitglieder aufgenommen hat? Welche Schlußfolgerung müssten Sie jetzt daraus ziehen?

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  3. P Stein

    @ Dr Michael
    richtig! Die Vergangenheit hat ja auch bereits gezeigt, dass unter dubiosen Vorwänden unter totalitären Regimen eine Volksentwaffnung stattfand.
    Und die Lämmer unter uns freuen sich.

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  4. Thomas

    Demnaechst in Deutschland auch, nur noch eine Frage der Zeit.
    Wasser kommt aus dem Hahn, Strom aus der Steckdose und Fleisch aus der Fabrik alles oekologisch und umweltvertraeglich erzeugt, klar doch…

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  5. Helmut

    die ASP ist anscheinend schon wieder Geschichte. Die Devisen die Polen durch die Jagd verdient sind es anscheinend auch nicht wert erwähnt zu werden. Gerade Polen ist als Jagdreiseland sehr beliebt. Na egal, sollen sie sich doch selber das Grab schaufeln, Litauen, Lettland, Estland, Tschechien warten auf die Einnahmen die Polen in Zukunft ausschlagen wird.
    Die ASP allerdings kann niemand brauchen, weder die Polen noch die angrenzenden Länder. Aber vielleicht helfen dann die NGO’s die jetzt schon wegen dem Gesetz jubeln bei der Abhilfe der Krankheit, kann ich mir zwar nicht vorstellen, aber egal. Vielleicht wird Polen ja ein zweites “Genf”. Dort jubeln die Tierrechtler ja auch noch immer dass nicht gejagt wird, und das obwohl staatlich bezahlte Jäger mehr Wild wie je zuvor vom Diesseits ins Jensseits befördern. Polen wird es sich schon leisten können “Jagdranger” anzustellen und zu bezahlen.

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    1. Jürgen Hauschke

      Danke für die interessante Darlegung. Es geht also tatsächlich nur ums Geld und nicht um den Tierschutz! Es gibt doch tatsächlich Jäger die behaupten sie wären Tierschützer. Übrigens die ASP wird durch LKW-Fahrer-Mettbrötchen und unvorsichtige Landwirte verbreitet … wollen sie die auch abschießen?

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