Pfannenstiel: Waldstrategie 2050 sowie Novellierung des Bundesjagdgesetzes

Jagd als “Waldschutz” – Prof. Dr. Pfannenstiel fasst den derzeitigen Verfahrensstand (soweit bekannt) zur Waldstrategie 2050 sowie zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes wie folgt zusammen:

Zum derzeitigen Verfahrensstand (soweit bekannt):

  1. Zur Waldstrategie 2050 hat am 16.10.2019 eine Verbändeanhörung stattgefunden.
  2. Der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik beim BMEL hat im Februar 2020 die von ihm entwickelten „Eckpunkte der Waldstrategie 2050“ vorgelegt.

https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ministerium/Beiraete/waldpolitik/stellungnahme-waldstrategie-2050.html

Es gibt einen Entwurf des Kapitels Wald/Wild in der Waldstrategie 2050, zu dem derzeit Stellungnahmen abgegeben werden können. 

  1. In der Drucksache 19/17595 vom 04.03.2020 antwortet die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der LINKEN wegen „Änderung des Bundesjagdgesetzes zur Unterstützung des naturgemäßen Waldumbaus“

https://polit-x.de/documents/3164196/bund/bundestag/drucksachen/antwort-2020-03-11-auf-die-kleine-anfrage-drucksache-1917173-anderung-des-bundesjagdgesetzes-zur-unterstutzung-des-naturgemaen-waldumbaus

  1. Die Novelle zum Bundesjagdgesetz war schon im Februar in einer Verbändeanhörung. Die Ressortabstimmung ist nahezu beendet. Der Gesetzentwurf soll noch im ersten Halbjahr 2020 vom Parlament und Bundesrat verabschiedet werden.

Zur Rechtsnatur der„Waldstrategie 2050“

In der genannten Drucksache führt die Bundesregierung zu Frage 16 u. a. aus:

„Die Waldstrategie 2050 wird dem Bundeskabinett zur Entscheidung vorgelegt. Eine Befassung des Bundestages ist rechtlich und formal nicht vorgesehen. Nach Beschluss des Bundeskabinetts wird die Waldstrategie 2050 auf der Internet-Seite des BMEL veröffentlicht.“

Im Koalitionsvertrag CDU/CSU und SPD heißt es zur Jagd lediglich:

Wir erkennen die Jagd als nachhaltige Nutzungsform an und wollen sie weiterhin stärken. Wir werden bundeseinheitliche Regelungen für eine Zertifizierung von Jagdmunition mit optimaler Tötungswirkung bei gleichzeitiger Bleiminimierung, einen Schießübungsnachweis, die Jäger- und Falknerausbildung sowie –prüfung schaffen.

Aus den unter Ziffer 2) genannten Eckpunkten stammen die nachfolgenden Textstellen:

S. 44:

Die Schalenwildbestände sind weiter angestiegen und mit ihnen die Jagdstrecken und die Wildschäden. Dies ist eine Folge der Eutrophierung der Ökosysteme, des vermehrten Anbaus von Mais, von mehr Deckung in Feld und Wald sowie unterschätzter Zuwachsraten, einem überholten Revier- und Prestigedenken sowie geringerer Fallwildzahlen durch mildere Winter.

S. 44

Ein weiterer Gesichtspunkt, der immer stärker in das öffentliche Bewusstsein rückt, ist die gestiegene Zahl der Wildunfälle (Hothorn et al. 2015). Diesbezüglich haben inzwischen verschiedene umfangreiche Untersuchungen gezeigt, dass die Hauptursache die gestiegenen Wildtierpopulationen sind, ….

S. 45

Ein zentrales Hindernis für ein effizientes Wildtiermanagement zur Verbesserung der Verjüngungssituation im Wald ist die Tatsache, dass die Jagdausübung vielfach in der Hand von Jägern liegt, die bei der Jagd Entspannung vom beruflichen Alltagsstress und Erholung in der Natur suchen und dem Waldzustand gegenüber der Jagd keinen Vorrang einräumen. Diese Ausrichtung wird durch Lücken in der heutigen Jagdgesetzgebung erst ermöglicht (Ammer et al. 2010). Diese basiert in ihrer Ausrichtung nach wie vor auf Anliegen des Reichsjagdgesetzes aus dem Jahre 1934, das weder wichtige wildbiologische Zusammenhänge, Tierschutzaspekte, Biodiversitätsanliegen noch effiziente Kontrollen der Wildtierbestände kannte, sondern die Hege und den Aufbau attraktiver Wildtierpopulationen anstrebte. Hier muss es zu einer grundlegenden Neuausrichtung kommen, die die heutigen Erkenntnisse des Tierschutzes, der Wildbiologie, der Waldökologie und eines effektiven Wildtiermanagements zeitgemäß und differenziert berücksichtigt.

Ein Teil des Problems entsteht auch daraus, dass die Wildschäden im Wald (Wachstumseinbußen, Qualitätsverluste, Entmischung, Mortalität, Destabilisierung von Bergwäldern) anders als in der Landwirtschaft von den Jagdausübungsberechtigten meist nicht erstattet werden, sodass sie ihre Jagdkonzepte nicht auf eine Schadensminderung im Wald ausrichten. Um die verschiedenartigen Ziele von Waldeigentümern in Bezug auf die Jagd, vom Wald als Kulisse für Jagdfreuden bis hin zur Jagd als Instrument für eine artenreiche Waldverjüngung befriedigen zu können, sollte man sich vom Leitbild eines mittleren Managements mit all den heute gebräuchlichen undefinierten Begriffen wie „landeskulturellen Bedürfnisse“, „gesunder Wildbestand“, „ausgeglichenes Geschlechterverhältnis“ verabschieden und diese durch moderne Ziele aus Erkenntnissen der Wildbiologie, des Tierschutzes und der Waldökologie ersetzen.

Wegen der Vorschläge wird auf die Seiten 46 und 47 verwiesen, die damit enden, dass das Monitoring der Wildbestände durch die Forstämter erfolgen soll.

In dem Entwurf BMEL zur Waldstrategie 2050 heißt es:

  • Viele Baum- und Straucharten können sich bei den derzeitigen Wilddichten nicht natürlich verjüngen
  • Krautige Pflanzen sind in ihrer Entwicklung beeinträchtigt
  • Überhöhte Wildbestände stören ….nachhaltig die Entwicklung zu klimaangepassten Mischwäldern
  • Sie gefährden die existentiellen Leistungen der Waldökosysteme für die Gesellschaft
  • Die Jagd ist wichtiger Bestandteil des Waldschutzes
  • Die Jagd muss ihrer Verantwortung in höherem Maße nachkommen als bisher
  • Es muss ein möglichst freier Zugang zur Jagdausübung bestehen
  • Die Jagd ist verantwortlich für klimastabile Mischwälder
  • Alternativen zur Pacht sind zu fördern
  • Die Vermeidung von Wildschäden unterliegt hoheitlicher Aufsicht

(Ob die Aufzählung der Maßnahmen vollständig ist, ist ungewiss, weil die Seite 3 leer ist, die Eckpunkte aber weitere Maßnahmen enthalten, z.B.:

Zulassung weiterer technischer Methoden, die die Jagd tierschutzgerechter und effizienter machen.

 Verbesserung der Rahmenbedingungen für großräumig angelegte Bewegungsjagden und Entschärfung der Regelungen im Fall überjagender Hunde.

 Bestehende gesetzliche Regelungen, die sich aus dem Hegegedanken des Reichsjagdgesetzes ableiten, sind aus dem Jagdgesetz zu Gunsten wildbiologischer und ökologischer Erkenntnisse zu entfernen.)

Folgerungen:

Ziel dieser Waldstrategie ist die Trennung des Jagdrechts vom Eigentum an Grund und Boden, womit sich dann auch die Frage der Jagdbezirke erledigt.

Da § 3 BJagdG eine einfachgesetzliche Bestimmung ist, wäre dies wohl durchaus möglich. Die Sichtweise (Jagd ist Bestandteil des Waldschutzes – da kommt Eigentum schon nicht mehr vor) entspricht dem bereits.

Pflanzenfresser stören, insbesondere deswegen, weil sie tatsächlich außerhalb der Vegetationszeit auch noch was zum Fressen brauchen! Im Hinblick auf die ganzen Abkommen zur Biodiversität eine schon eigenwillige Sichtweise.

Dass nun auch die Krautschicht zu dem vor Wildverbiss zu schützenden Bewuchs gehört, ist eine weitergehende Betrachtungsweise des BMEL.

Wenn die Jagd „nach dem Stand der Technik“ weiterentwickelt werden soll, dürfte das erklärungsbedürftig sein. Von welchem „Stand der Technik“ (des Tötens?) ist da die Rede?

Anmerkung:

Jagd als Wirtschaftsfaktor (z. B. Jagdpacht, Wildschadenszahlungen, Arbeitsplätze für Jagdkleidung, – autos pp.) spielen keine Rolle

Wildbret als Lebensmittel ebenfalls nicht.

Daraus könnten sich folgende

Fragen an Bundestagsabgeordnete

ergeben (dabei stellt es sich als Problem dar, dass der Inhalt der Novelle nicht bekannt ist):

  1. Sehen Sie eine Notwendigkeit, das Bundesjagdgesetz über die im Koalitionsvertrag hinausgehenden Punkte zu verändern?

Was wurde dazu zwischen den Koalitionspartnern vereinbart? (Diese Frage richtet sich nur an die MdBs der CDU und SPD)

  1. Werden Sie dafür eintreten, dass
  1. Das Jagdrecht weiterhin untrennbar mit dem Eigentum an Grund und Boden verbunden bleibt (jetzt § 3 BJagdG) und
  2. Das Recht, die Jagd auszuüben weiterhin an die jetzige Mindestgröße zusammenhängender Flächen geknüpft bleibt (Reviersystem)?
  1. Halten Sie nach wie vor daran fest, dass das Jagdrecht ein im Verhältnis zum Waldrecht eigenständiger Rechtsbereich ist oder soll die Jagdausübung künftig ausschließlich waldbaulich für erforderlich gehaltenen Vorgaben zu folgen haben?

Falls Sie das bejahen: was sind die Gründe dafür und wer legt diese fest?

  1. Sind Sie der Auffassung, dass die Vermeidung von Wildschäden hoheitlicher Aufsicht bedarf?

Wenn ja, warum und wie hoch schätzen Sie die dadurch entstehenden und aus Steuergeldern zu finanzierenden Kosten ein?

Welche Behörde würde das beaufsichtigen sollen?

  1. Was verstehen Sie unter einem „klimastabilen“ Wald? Warum soll dieser Begriff, der in den Waldgesetzen nicht vorkommt, für den Bereich der Jagdausübung von Bedeutung sein können?
  1. Die bisherige Waldbewirtschaftung hat sich bewährt, wie sich aus den Zertifizierungen durch FSC und PEFC erkennen lässt. Das umfasst auch den Wildeinfluss. Sehen Sie jetzt einen Grund dafür, dass Waldeigentümer mit ihrem Wald weniger verantwortungsbewusst umgehen werden, so dass staatliche Regulierung erforderlich wäre?

Wenn ja, welche konkreten Fälle liegen dem zu Grunde?

Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Beitragsbild: Der (Alp-)Traum von weitgehend schalenwildfreien Waldplantagen soll mit der Novellierung des Bundesjagdgesetzes endlich in Erfüllung gehen. Foto: SE

8 Gedanken zu „Pfannenstiel: Waldstrategie 2050 sowie Novellierung des Bundesjagdgesetzes

  1. Peter-C.Neigenfind

    Eindeutig sei das es nun mehrere Schuldige für das Waldsterben gibt. Landwirte: durch ehöhten Maisanbau und Deckung schaffende Pflanzen. Autofahrer reduzieren die überhöhten Wildbestände !? Jäger da sie der Wildbiologie nicht mächtig sind. Waldschäden die von den Jägern nicht bezahlt werden müssen. Ach ja, da ist noch alles Schalenwild, pardon “Schädlinge”. Kein Wort über Jahrzente verfehlte Forstpolitik die nur Holzertrag im Blickpunkt hatte. Keine intensive Schädlingsbekämfung, weder
    Äsungs- noch Ruhezonen für das Wild im Wald . Großflächige Gesellschaftsjagden selbst in den Wintermonaten wodurch das Schalenwild praktisch nachtaktiv und zu Schäl- und Verbissschäden provoziert wird. Verlängerung der Jagdzeiten unter Ignoranz des Tierschutzes.
    Die Wünsche der Einreicher dieses Entwurfes sind aber eindeutig: Die Erträge der Forstwirtschaft zu steigern. Trennung von Jagd und Eigentum. Dies kommt einer Enteignung gleich! Und das alles unter Umgehung = Missachtung des Bundestages.
    Aber die Führungsebene des Forstministeriums hat anscheinend nur ein Ziel: WALD ohne WILD !!

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  2. Adrian Bushi

    Ich dachte bis jetzt in ein demokratischen System zu leben. Wenn ich sowas lese, wird mir richtig schlecht. Ist unser Jagdgesetz-System so schlecht dass die ganze Welt uns dafür beneidet? Warum wird immer wieder versucht das Rad neu zu erfinden, vor allem vom Bürokraten und Theoretiker, die ihre Unfähigkeit hinter aufgeschwollene Frasen und Wörter verstecken wollen? Leider wie überall im Leben, die Entscheidungsträger sind die Ignoranten, die nur nach Profit sehen, ohne die Gründe in Betracht zu ziehen warum es so gekommen ist wie es ist. Jahre lang den roten Stift angesetzt, Miswirtschaft im Forstbereich betrieben, und jetzt soll und muss das Wild dafür gerade stehen, und vieles mehr,…Enteignung und..und..und
    Armes Deutschland
    Ich hoffe dass es nicht dazu kommt, denn dann ist die Jagd und die Liebe zu Natur, wo unser aller Ursprung ist, nicht das was ich darunter verstehe und seit Jahrzehnten, so wie ich vom Kindesbein gelernt habe, praktiziere.
    Mit Waidmannsheil

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  3. Heinz Göppel

    Waldstrategie, entwickelt von überwiegend “Waldbauern”!
    Es solls ja geben, dass Wissenschaftler Fehler begehen und dies auch zugeben. Die “Forstwissenschaft” hat ja uns den heutigen Forst ja produziert, Fichte und Tanne gepflanzt wie ein Maisfeld. Könnte evtl. ein Fehler gewesen sein, aber man weiß ja schon wieder wie es in Zukunft wissenschaftlich belegt weitergeht. Es wird kaschiert, von den eigentlichen Problemen abgelenkt und ein Schuldiger gesucht (Trump lässt grüßen).
    Wer hat denn da empirisch diese Jagdausübungsberechtigten untersucht, die eigentlich nur zum Entspannen in den Wald gehen? Die ein “zentrales Hindernis für ein effizientes Wildtiermanagement” darstellen.

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  4. Peter Möck

    Das gedankliche Konstrukt ruht auf tönernen Füßen. Abgesehen davon, daß es ethischen Grundsätzen hohnlacht – WO SIND SIE DENN, die überhöhten Wildbestände?? Seit der Gegenwart des Wolfes gehen die Bestände mehr und mehr in den Keller! Wo früher im Winter Sprünge von 20, 30 Stück Rehwild zu sehen waren, hat man heute Glück, hier und da ein paar versprengte Tiere zu Gesicht zu bekommen. Die Strecken von Drückjagden sprechen die gleiche Sprache. Jedenfalls ist das ein Faktum dort, wo ich jage. Und sollte es sich andernorts noch anders verhalten – das wird sich angleichen, weil die offizielle Wolfspolitik die flächendeckende Ausbreitung des Räubers herbeiführen wird.

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  5. Waldjäger

    Für mich ergeben die Eckpunkte des BMEL durchaus Sinn. Hoher Wildbestand im Waldrevier=hohe Einnahmen+hohe Prestigewirkung bei keinem zahlungspflichtigem Wildschaden. Machen wir uns doch nichts vor. Der Wald wird als Kindergarten wahrgenommen und wenn mal was wachsen soll, kommt ein Zaun drum und das Wild wird ausgesperrt.
    Bei diesem ganzen Försterbasching sollte man sich vielleicht auch mal fragen welche weiteren Gründe es noch gehabt haben könnte, dass so viel Kiefern und Fichten gepflanzt wurden..?
    Rechnet doch mal zurück wann die großen Monokulturen entstanden sind..nämlich nachm Kriech als die Menschen andere Sorgen hatten als naturnahen Waldbau. Zu Erich´s Zeiten sah es dann auch nicht besser aus für einen stabilen Mischwald. Die Staatsjagd/ Wildtierforschung hat doch erst in Rekordzeit dafür gesorgt, dass die Bestände ausufern und sich alles nach dem Wild richtet. Da Kiefer und Fichte kaum verbissen wird, war die Welt ja auch in Ordnung.
    Nach der goldenen Wende began man dann mit vermehrten Waldumbau. Aber da man die Bäume erst ab einem gewissen Alter stabil genug bekommt durch gezielte Durchforstung damit man den Bestand frei genug stellen kann um was darunter zu pflanzen kann man das nur Schritt für Schritt vollziehen. weil Umbau bedeutet ja was neues drunter pflanzen ohne Kahlschlag. Und bezahlt werden muss es ja auch. Mittlerweile ca. 10.000€/ Hektar. Und jetzt stelle man sich vor der Wald verjüngt sich von selbst zu jeder Zeit wenn Licht unten ankommt..gar nicht vorzustellen wie schön das wäre 🙂

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  6. Norbert Vossen

    Als Waldbesitzer und Jäger muss ich mich fragen, warum eine Novellierung des Bundesjagdgesetzes überhaupt notwendig ist mit der Ausnahme einer einheitlichen Regelung in Deutschland hinsichtlich bleifreier Munition, denn es kann schon hinderlich sein, wenn man immer 2 Munitionssorten je nach Bundesland in der Tasche hat mit unterschiedlicher Trefferlage. Auch muss eine klare Vorgabe getroffen werden in wie weit Nachtsicht Zielgeräte eingesetzt werden dürfen, wobei ich da grosse Probleme hätte zu glauben, dass der ehrbare Jäger, wenn er auf Sauen ansitzt und sein Abschuss noch nicht erfüllt hat beim Rotwild, dann sein Zielgerät abstellt. Machen wir uns nichts vor und appellieren an den waidgerechten Jäger, keiner von uns würde so konsequent heute die Geschwindigkeitslimite einhalten, wenn es nicht Radargeräte gäbe, die uns auch einen Punkt in Flensburg kosten.Der Herrgott schuf den Menschen an einem Tag und auch danach, war wohl offensichtlich zu wenig Zeit, um uns zu Engeln zu machen.

    Das heutige Bundesjagdgesetz gibt doch dem Wald Eigentümer umfassende Rechte hinsichtlich der Auswahl des Pächters oder Jägers. Wenn ich nicht sicher bin wie der neue Pächter nach anfänglichen Zusicherungen dann das Revier bejagt, kann ich ja Jagderlaubnisscheine ausgeben, die jährlich erneuert werden oder wo man nach 3 Jahren denn auf eine normale Pachtperiode übergeht. Auch kann ich fordern, dass die Vorgaben der unteren Jagdbehörden einzuhalten sind und einen körperlichen Nachweis fordern. Wenn nicht wird das Pachtverhältnis automatisch beendet.

    Ich kann auch eine Beteiligung am Wildschaden fordern oder an den Kosten von Wildschutz Zäunen. Ob man dann einen Pächter findet ist eine andere Sache, dann muss ich eben selbst das Revier bejagen.
    Wenn immer wieder betont wird, dass Wald und Wild eine Einheit bilden, dann muss man sich fragen, warum heute ein Grossteil der Forstbeamten nicht mehr zur Jagd geht, teils aus Überzeugung oder teils von den Wald Eigentümern vorgegeben. Gehe ich als Förster zur Jagd, erklärt sich für mich mancher Wildschaden von selbst, ich komme dann auch in Teile meines Reviers, die ich heute wo der Arbeitstag aus 50% Büro Tätigkeit besteht , so nicht sehe. An stark begangenen Wildwechsel muss ich nun nicht den Baum pflanzen wo jeder weiss wie magnetisch er auf das Wild wirkt.
    Wenn man heute die Vielfalt wieder im Forst fordert, kann ich auch eine Schwarzkiefer pflanzen, die den Wilddruck besser übersteht.

    Wald und Wild geht dann nicht, wenn der Eigentümer sich nur dem Wald verpflichtet fühlt , beim Pächter ist es anders herum. Da nun der Dümmste heute weiss, dass Wildschaden komplexe Ursachen hat, nämlich zu viel Wild, zu wenig Äsung und wenn die vorhanden ist, die permanente Störung im Wald , die man aber durch eine Wegeführung, Ruhezonen, Reduzierung der Selbstwerber, die bis spät am Abend ihr Holz holen und eine Jagdstrategie wie sie heute mehr oder minder als Intervall Jagd bezeichnet wird, lösen kann.

    Jeder Waldbesitzer sollte sich klar machen, dass das Jagdrecht heute noch ein Eigentumsrecht ist, was in vielen Ländern nicht mehr der Fall ist und wenn man heute auf den Zug der Ökofreaks und der Förster aufspringt, die mit der Jagd nichts am Hut haben, weil man unfähig ist den Wildschaden zu lösen, dann würde bei Abschaffung des Jagdrechtes an Grund und Boden der nächste Schritt sein, dass man auch die Baumartenwahl nicht mehr bestimmen kann. Damit kann man jeden Privatwald kaputt machen, denn wenn ich heute Eiche und Buche pflanzen muss, können die nächsten 3 Generationen keinen Ertrag vom Wald erwarten. So einfach kann man dann den Waldbesitz enteignen.

    Wildschaden ja oder nein liegt in erster Linie in den Händen der Waldbesitzer, der Jäger ist dabei der Vollzugsbeamte, auch heute hat der Verpächter alle Möglichkeiten auf die Höhe des Wildschadens einzuwirken, er muss dann möglicherweise auf eine hohe Pacht verzichten, beides geht nicht.

    Norbert Vossen Forstgut Faust.

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  7. Christoph Egert

    Besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. Pfannenstiel der diese wichtigen Informationen zusammengefasst hat.

    Ich nehme Bezug auf:
    “Die Schalenwildbestände sind weiter angestiegen und mit ihnen die JAGDSTRECKEN UND die WILDSCHÄDEN.
    Dies ist eine FOLGE der Eutrophierung der Ökosysteme, des vermehrten Anbaus von Mais … sowie unterschätzter ZUWACHSRATEN … und Fallwildzahlen durch mildere Winter.”

    Wenn man wichtige Einflüsse benennt, weshalb hinterfragt man nicht die POLITIK der Landwirtschaft? Beispielsweise wurden in Sachsen in den 60er Jahren etwa 800 Sauen geschossen. Im Jahr 2019 waren es wohl ~ 35 000. Vergleicht man das mit dem Verhältnis des Anbaus der Energiepflanzen, dann ist der Zusammenhang offensichtlich.

    Das Ansteigen der Schalenwildbestände wird nicht beherrschbar, solange die Haupteinflußgröße – Landwirtschaft – unbeachtet bleibt.

    Es ist hinlänglich bekannt das sich der Stoffwechselprozess beim Schalenwild Ende Dezember reduziert. Trotzdem werden im Januar viele Drückjagden durchgeführt. Offenbar bedeutet dem Veranstalter der Jagden der Commerz mehr als die  Ergebnisse der Wissenschaft.
    Man kann die Einnahmen durch die Gesellschaftsjagden auch in Festmeter Holz umrechnen… Jeder zahlende Jagdgast bezahlt letztlich jedesmal etwa seinen Drückjagdbock. Die Förster, die diese aufwendigen Vorbereitungen und Nachbereitungen der Jagd durchführen müssen, bekommen ja ohnehin Gehalt…

    Mich interessiert, wie der Einfluss des Wolfes, den auch die Energiereduzierung des Schalenwildes im Winter nicht interessiert, auf die Verbiss- und Schälschaden im einem Wald mit überhöhter Wolfsdichte berücksichtigt wird.

    Die monotone Priorität ist: Wild reduzieren, Wild reduzieren… Änderungen der Jagdstrategien werden nicht hinterfragt!
    Es gibt Jäger die bei Drückjagden der Aufforderung des Jagdleiters zur tierschutzgerechten Jagd nicht befolgen. Häufig fehlen Reaktionen der Jagdleitung dem Schützen gegenüber. Ich weiß, worüber ich schreibe. Wenn eine Änderung des Bundesjagdgesetzes erfolgt, dann sollte auch darauf Bezug genommen werden, dass der Jäger das Privileg hat, über Leben und Tod einer Kreatur zu entscheiden. Darüber sind sich einige Jäger nicht im Klaren! Letzten Endes ist der Jagdschein die “Lizenz zum Töten”. Die Jagd wird immer mit “Hobby” in Verbindung gebracht. Die Jagd ist ein Handwerk, das man nicht in drei Wochen erlernen kann!
    In der jetzigen Zeit hat sich der Begriff “Jäger” mehr auf “Schädlingsbekämpfer” reduziert – Artenvielfalt? (Muffelwild und Wölfe?) Man kann auch, wie ähnlich dem Kammerjäger, die Schalenwildbestände mit “Chemie” reduzieren. Die wesentliche Ursache für die “Schädlingsbekämpfung” Wild sehe ich  im Commerz und in der Politik. Die Achtung der Kreatur bleibt auf der Strecke. Welchen Stellenwert hat “Ehrfurcht vor dem Leben” (Albert Schweizer) noch, wenn alles dem Commerz untergeordnet wird? Das Leiden des Wildes durch die Jagd wächst so mit der politisch gewollten Landwirtschaft und dem Commerz. Je höher die vorgegebenen Abschusszahlen steigen, um so mehr tritt die Ethik des weidgerechten Tötens zurück.

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