Pfannenstiel kontert mit koreanischer Reisschüssel

Den englischen und japanischen Blechkisten setzt Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel seine “koreanische Reisschüssel” entgegen – leider außer Konkurrenz, da die (flexibel gehandhabten) Teilnahmebedingungen eine mindestens zweistellige Zahl beim Alter und eine mindestens dreistellige beim Kilometerstand voraussetzen:

Diese koreanische Reisschüssel stammt aus dem Jahr 2009 und hat knapp 130000 km auf dem Tacho. Es ist mein dritter Sorento. Das sagt wohl einiges aus hinsichtlich der Qualität und Zuverlässigkeit des Wagens. Wie man sieht, kann man damit auch regelmäßig 1000 Liter Wasser zur trockenen Suhle bringen. Über die englische Blechkiste habe ich mich als erster Vorsitzender des VLRG echauffiert (VLRG – Verband der Land Rover-Geschädigten). Diesen Verband habe ich im Jahre 2000 gegründet, nachdem ich mehr als 5000 km mit einem Land Rover damals älteren Baujahrs in Namibia unterwegs war.

Als ich den Wagen bei Freunden auf der Farm in Empfang nahm hieß es, der Heckscheibenwischer sei defekt. Da wir Ende März unterwegs waren, also in einer Zeit, in der es nur noch selten regnet, maß ich dieser Aussage keine tiefere Bedeutung bei. Das war ein schwerer Fehler, wie sich kurz darauf herausstellte.

Es zeigte sich nämlich, dass spätestens alle 300 km irgendetwas an der Elektrik nicht funktionierte. Trotz mehrfacher Werkstattaufenthalte war der jeweilige Fehler weder lokalisierbar noch gar zu reparieren. Meist ließ sich der Defekt durch den Ersatz der entsprechenden Sicherung rasch beheben, allerdings nur für kurze Zeit. In der Folge hatte ich die linke Hosentasche voller Sicherungen jeden Typs, damit wir nicht irgendwo „in the middle of nowhere“ stehen blieben. In Lüderitz klärte mich dann ein deutschsprechender Mechaniker auf: Bei diesem Auto verlaufen alle Kabel einzeln ohne isolierten Kabelbaum irgendwo in Blechhohlräumen.

Beim Fahren im Gelände – über den Federungskomfort älterer LR muss ich mich hier nicht verbreiten – scheuert sich langsam die Isolierung der Kabel durch und alle Naslang gibt es irgendwo einen Kurzen. Den Vorschlag des wohlmeinenden Mechanikers, im Laufe einer Woche die gesamte Elektrik zu erneuern, bin ich nicht gefolgt. Als wir wieder auf unserer Farm ankamen, war mein Sicherungsvorrat nahezu aufgebraucht.

Übrigens: bei der Russenschleuder Lada Niva ist das genauso, wie ich selbst feststellen musste, als ich einen Winter lang im neu gekauften Niva ohne Heizung fahren musste, weil ein Kabel durchgescheuert war. Und es hat bedauerlicherweise bis zum Frühjahr gedauert, bis die Lada-Werkstatt den Fehler gefunden hatte.

Zu viert eine so lange Strecke in dieser LR- Blechkiste verbringen zu müssen, grenzt an Folter. Ich bin heute noch wegen ständiger Beschwerden an den Ilio-Sacral-Fugen in orthopädischer Behandlung, von den Bandscheibenproblemen ganz zu schweigen. Für die Hinterbänkler europäischer Größe bleiben nur die schmalen Fensterchen oben im Dach, um einen Blick auf die Schönheiten Namibias zu werfen. Pygmäen, die für die Hintersitze wie geschaffen wären, können sich leider keine LR-Blechkisten leisten.

Der interessierte Leser weiß jetzt, woher meine überschaubare Sympathie für dieses Gefährt herrührt. Zur dessen Ehrenrettung muss ich allerdings eingestehen, dass wir nicht ein einziges Mal in Schlamm oder Wüstensand steckengeblieben sind. Hans-Dieter-Pfannenstiel

Beitragsbild: Koreanische Reisschüssel im Reviereinsatz. Foto: Hans-Dieter Pfannenstiel

6 Gedanken zu „Pfannenstiel kontert mit koreanischer Reisschüssel

  1. Grimbart

    Ja, im Landi zählt jeder Kilometer 3x. Die Dinger sind einfach ein ewiges Groschengrab und rosten ab Werk. Trotzdem bleiben sie Kult und der eingefleischten Fan ist immer noch zu tiefst erschüttert, dass die Produktion eingestellt wurde.

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    1. admin Beitragsautor

      Also das mit dem Groschengrab stimmt – zumindest für die älteren, elektronikfreien und wartungsfreundlichen Modelle – nicht. Es gibt m.E. keinen Geländewagen, den man mit geringerem finanziellen Aufwand warten, fahren und erhalten kann – vorausgesetzt, dass man a) in der Lage ist, Ersatzteile in England zu bestellen und b) in gewissem Umfang selber zu schrauben. Deshalb fahren auch noch so viele Uralt-Defender rum. Der Punkt, an dem man sagen müsste, diese Reparatur lohnt sich jetzt nicht mehr, wird praktisch kaum je erreicht.

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      1. Grimbart

        Die alten Buschtaxis von Toyota spielen noch in der Liga unverwüstlich. Ich bin viel mit einem Freund unterwegs, der seine Defender als Hobby hat. Ein ehemaliges Militärmodel der Holländer, Karo einfach und ein zum Wohnmobil umgebauter Td4. Der ist mal gerade wieder in der Werkstatt, weil ein neuer Motor fällig wurde. Mit dem Vorgänger sind wir in Schweden mit Getriebeschaden liegen geblieben. Also ich kann nicht sagen, dass die Dinger vor Zuverlässigkeit strotzen. Das es reinregnet ist z.B. auch völlig normal. Ich habe auch mit dem Gedanken gespielt mir einen zu kaufen, nur davon Abstand genommen, da ich es mir einfach nicht leisten kann. Vom Schrauben habe ich zum einen nicht so viel Ahnung und meine Zeit verbringe ich lieber im Revier mit den vielfältigen Aufgaben, die es dort zu erledigen gibt. Für die Werkstatt bin ich nicht reich genug. Nichtsdestotrotz finde ich sie immer noch kultig und bin erstaunt, wie gut der fast 50 Jahre alte Landi sich im Gelände schlägt. Nach einem Tag hat man Muskelkater vom Lenken und Krämpfe in den Waden vom Bremsen und Kuppeln. 80 Sachen auf der Landstraße treiben einem die Schweißperlen auf die Stirn und kommen einem wie eine wahnwitzige Geschwindigkeit vor. Bremsmanöver bedürfen einer sorgfältigen Planung und erinnern mit dem Bremsweg an einen Supertanker. Macht aber trotzdem Spaß, auch wenn die passive Sicherheit in dem Teil nicht nur gegen Null tendiert, sondern Minuswerte erreicht. Nicht mal ein Gurt gaukelt einem einen nicht vorhandenen Schutz vor. Aber einen warmen Fuß hat man immer.

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        1. admin Beitragsautor

          Ich sehe schon, ich muss den lange geplanten (und ebenso lange aufgeschobenen) Beitrag zum Thema LR demnächst mal in Angriff nehmen… Aber es stimmt schon: Mit dem Defender wegen jedem Wehwehchen in die (Vertrags-)Werkstatt zu fahren, ist der Königsweg zur Privatinsolvenz. Das sagt aber eher etwas über die Werkstätten, als über das Auto aus…
          Ebenso klar ist, dass man an ein Stück Automobilgeschichte, wie es der Defender ist, nicht die perfektionistischen Ansprüche hinsichtlich Fahr- und Bremsverhalten und erst recht Komfort anlegen darf, wie an eine moderne Konstruktion. Wen es wirklich stört, dass es reinregnet, der soll halt was anderes fahren. Aber für mich bleibt es dabei: Wenn man vergleicht, was einen moderne Autos kosten, erst bei der Anschaffung, dann in der Markenwerkstatt, die aufgrund konstruktiver Verschlimmbesserungen ja vorsätzlich unentbehrlich über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs gemacht wird, dann steht man mit dem alten Defender unter den genannten Voraussetzungen deutlich besser da. Und wir wollen eines nicht vergessen: Wir reden hier über Fahrzeuge in einem Alter, das die meisten neueren Fahrzeuge niemals erreichen werden. Auch der von Prof. Pfannenstiel mit Undank gestrafte LR war “älteren Baujahrs”, hatte also wahrscheinlich schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel bei offensichtlich sträflich vernachlässigter Wartung – fährt aber immer noch 5000 Kilometer durch Afrika. SE

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  2. robert

    5000 km durch namibia mit einem ollen landy? mit einem sicherungsverbrauch von mehreren stück pro 100 km? nicht übel. das kann aber natürlich nicht ausgleichen, dass der sorento vieeel zu jung ist, um in dieser altkisten-challenge mitzuspielen bzw. zu -fahren.
    abgesehen davon gibt es noch den oberinoffiziellen “häßlichster sitzbezug ever”-contest. und in dem ist der forester sf mit seiner unmittelbar augenkrebserregenden polsterung wirklich unschlagbar…

    gruß

    robert

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  3. Frank

    Na, also jetzt muss ich mich doch auch noch einmischen, ohne den Landis eine Lanze brechen zu wollen: Wieso fährt denn der Herr Professor seinen mittlerweile dritten Sorento? Etwa, weil er den genauso geil findet, wie ich seinerzeit meinen? Er gegenüber mir nur resilienter oder gar schmerzresitenter ist?
    Ich war mit meinem Sori 10 Jahre glücklich – obwohl er bereits im vierten Jahr bei schlappen 92.000km die Flügel streckte! Der 2,5 L 4-Zyl.-Diesel hatte sich buchstäblich zerlegt! Nix Turbo! Nix Hochdruckpumpe! Neenee – Motor! Vier Mille und ein halbes Jahr weiter fuhr die Karre wieder – bis sich, bei ziemlich genau der doppelten Laufleistung, der Ersatzmotor – mangels Stückverfügbarkeit vom Freundlichen aus der großen Teilekiste handgeschraubt! – auch der auf ähnliche Weise verabschiedete. War’s dann zu leid, die Büchse noch mal aufreißen zu lassen, um einen genauen Schadensbefund zu kriegen – die Zuschaltbarkeit des Untersetzungsgetriebes hatte sich zwischenzeitlich ebenso verabschiedet, wie die automatische Allradzuschaltung (es war ein EX als Schalter) mich inzwischen zum Hecktriebler gemacht hatte.

    Dass ich damit nicht allein war – mein Sori war einer der ersten – konnte ich dann recht schnell erahnen. Denn mir wurde klar, dass die alsbald von Kia herausgegebene Parole “7 Jahre Garantie” die einzige Chance für diese koreanischen Reisvergifter war, nach trotz anfänglichen höchsten Lobes soviel verbrannter Sorento-Erde im deutschen Markt überhaupt noch präsent zu bleiben.

    Ein paar Jahre später – habe dem Modellwechsel ehrlich gesagt nachgetrauert – kam dann der neue Sorento – ein “richtiger” SUV (so ohne alles wie Leiterrahmen, Untersetzung etc), den ich hier mangels politischer Korrektheit lieber nicht in Umgangssprache betiteln will…

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