Petition für Zertifizierung von Jagdmunition

Der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen hat eine Petition im Internet gestartet, in der er eine Zertifizierung für Jagdmunition fordert.

Im erläuternden Text zur Petition heißt es dazu: “Auf der Jagd dürfen nach dem Tierschutzgesetz (§ 4, Abs. 1) Tiere nur getötet und erlegt werden, „wenn hierbei nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen entstehen.“ In der Begründung der Petition heißt es: “Nun wird schon seit Jahren in Deutschland über die Einführung von bleifreier Munition bei der Jagdausübung diskutiert. In der Jagdpraxis ist inzwischen deutlich geworden, dass die geforderte, tierschutzgerechte sofortige Tötungswirkung bleifreier Jagdmunition häufig nicht vorhanden ist.”

Zur Petition geht es hier:

Aus diesen Gründen ergeben sich für den Carstensen folgende Forderungen:

1. Jagdmunition muss zertifiziert werden. Sie darf für die verschiedenen Wildarten nur zugelassen werden, wenn Zielgenauigkeit und insbesondere die Energieabgabe im Wildkörper ein tierschutzgerechtes Erlegen des Wildes gewährleisten.

2. Zur Entwicklung und Zertifizierung dieser Munition wird den Herstellern eine Übergangszeit von 3 bis 5 Jahren eingeräumt. Sie werden aufgefordert, die Bleigehalte in der Jagdmunition zu minimieren. Nach der Übergangsfrist darf zur Jagdausübung nur noch zertifizierte Munition verschossen werden.

3. Damit sichergestellt ist, dass dem Wild kein unnötiges Leiden zugefügt wird, ist in dieser Übergangszeit der Einsatz von bleihaltiger Munition, die tierschutzgerecht erlegt, bei den Jagden erlaubt.

4. Die Bundes-, Landes- und Kreisforsten werden angewiesen, in der Übergangszeit die ausnahmslose Nutzung von bleifreier Munition bei der Jagdausübung nicht weiter generell zu verlangen.

5. Feldversuche, bei denen verschiedene bleifreie Munition an Wild ausprobiert wird, sind zu untersagen oder nur unter bestimmten Bedingen und Auflagen zu erlauben.

Zur Begründung heißt es:

Wild, das in der bisherigen Praxis mit der neuen bleifreien Munition beschossen wird, flüchtet länger und ausgiebiger. Es leidet länger. Nachsuchen fallen häufiger an und dauern länger.

Damit Jagd aber tierschutzgerecht ist, muss ein Schuss sofort töten. Nur so kann das Wild vor möglichem Leiden bewahrt werden, und nur so lässt sich dem Anspruch unserer Gesellschaft gerecht werden.

Der Bundesverband Deutscher Berufsjäger (BDB),sowie zahlreiche Schweißhundführer berichten von dieser ungenügenden Wirkung und von Tierschutzproblemen bei dem Einsatz von bleifreier Munition. In einem Gutachten des BDB ist die Rede von „drei bis fünf mal längeren Fluchtdistanzen“.

Weitere Jäger berichten, dass beschossenes Wild trotz erheblicher Organverletzungen länger lebt und sich unnötig quält. Dies ist ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Zudem wird das Auffinden des erlegten Wildes erheblich erschwert, da es häufig im Schuss gar nicht zeichnet und am Anschuss oft keine oder nur wenige Anschusszeichen zu finden sind.

Fazit

Bei einem absoluten sofortigen Verbot von bleihaltiger Munition bleibt der Tierschutz in der Jagdausübung auf der Strecke. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) aus Schleswig-Holstein ist zuzustimmen, wenn er über das Töten von Tieren sagt:

„Wir dürfen sie nicht über Gebühr quälen oder ihnen Leiden zufügen. Tierschutzvorschriften müssen penibel eingehalten werden.

Damit Jagd den Tierschutzansprüchen des 21. Jahrhunderts entspricht, müssen gesetzliche Vorgaben geändert werden. Jagdmunition muss zukünftig unabhängig zertifiziert werden.

Solange das nicht gewährleistet ist, darf eine ausschließliche Verwendung von bleifreier Munition, wie sie in den Staatsforsten vieler Bundesländer Praxis ist, nicht geduldet werden.

4 Gedanken zu „Petition für Zertifizierung von Jagdmunition

  1. Bernhard Brändle

    Sehr geehrte Damen und Herren

    Zum Glück gibt es in der Schweiz noch keine Vorschriften betr. Bleifrei oder nicht.

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  2. Bernhard Brändle

    Sehr geehrte Damen und Herren

    Zum Glück gibt es in der Schweiz noch keine Vorschriften ob bleifrei oder nicht. (Die Diskussion ist aber schon im Gange)

    Es stellt sich die Frage, kann in nächster Zukunft ein Bleigeschoss so hergestellt werden, welches im Wildkörper weniger oder keine Splitter hinterlässt, wie zum
    Beispiel bondet (Verbundgeschosse),- die Fragmente gezielt im Schusskanal bleiben. Bei Knochentreffern kann auch ein Verbundgeschoss diesem Anspruch nicht standhalten. Also gibt es kein Universalgeschoss das allen Ansprüchen gerecht wird.
    Da die Tötungswirkung auch von folgenden Faktoren abhängt, stellt sich die Frage, soll das Geschossgewicht- Geschwindigkeit-Geschossart-Ennergie reglementiert werden.
    Darf nur mit bestimmten Geschossen wie, Defomationsgeschossen auf bestimmte Wildarten geschossen werden? Ist die Ansprechleistung genügend, ist der Auschuss gewärleistet?
    Am Bleigeschoss kommen wir also nicht vobei, wenn das mit der “Verpackung”nur gelösst werden könnte, wäre das die Lösung.
    Vielleich müssen Vorschriften erarbeitet werden, mit wecher Munition auf weches Tier geschossen weden darf.
    Bleigeschosse und bleifreie Geschosse hinterassen im Wildkörper Spuren, diese können nur beseitigt werden, wenn beim aufbrechen die nötige Vorsicht gewärleistet ist.

    Kupfergeschosse verschmieren den Lauf viel schneller als z.B. Tombakmäntel, somit lässt auch die Schussgenaugkeit schneller nach, d.h. ich muss die Büchse nach wenigen Schüssen wieder einschiessen oder chemisch reinigen. Nach der Reinigung muss die Waffe so oder so justiert werden. Viele Jäger sind mit dieser Prozedur aber überfordert
    und die Weidgerechtigkeit ist somit in frage gestellt.
    Freundliche Güsse

    Bernhar Brändle

    Ich würde mich freuen, wenn Sie mir eine Rückmeldung senden.

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  3. Klaus

    Bevor ich auf bleifreie Munition umstellte jage beim Staat, reinigte ich den Lauf chemisch da kam viel heraus nachher waren die Züge und Felder wieder gut sichtbar. Beim einschießen der bleifreien Munition stellte ich mit Verwunderung fest dass sich die Treffpunktlage fast gar nicht verändert hatte gegenüber der vorherigen Bleimunition. 5 Schüsse am Schießstand auf den Bock jeweils eine 10 mit dem Gewehr kann man zur Drück Jagd gehen. Letzten Samstag auf Drück Jagd stand eine Reh in ca 40 m in idealer Position ich konnte ruhig meinen Schuss anbringen das Reh sprang nach links ab, bin mir sicher, es tödlich getroffen zu haben. Nachdem die Jagd beendet war mußten wir es Nachsuchen leider ohne Erfolg kann es sein, daß die Trefferwirkung bei bleifreier Munition so viel schlechter ist als bei bleihaltiger? Sonst lagen die Stücke immer in ca 10-50 m Entfernung. Mein Kaliber 7×64 10 Grain bleifrei.

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    1. admin Beitragsautor

      Nun hat ein Schuss auf ein Reh nicht unbedingt statistische Relevanz – was für ein Geschoss kam denn zum Einsatz?

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