Pelzverbot in Vegetarier-Clubs

Die FAZ berichtet in dem Beitrag “Fuchs, Nerz – ihr kommt hier nicht rein!” über ein neues Verfahren zur Auswahl und Erziehung von Club-Besuchern: Seit gut einem Jahr ist der Züricher Hiltl-Club pelzfrei. Auf Anregung des Schweizer Tierschutzes hat Besitzer Rolf Hiltl, der auch das älteste vegetarische Restaurant Zürichs betreibt, einen “Fur-free-Dresscode” eingeführt”, so die FAZ. Vom Tierschutzverband speziell geschulte Türsteher scannen die Eintrittswilligen nicht mehr nur auf die üblichen stilistischen Verfehlungen – die FAZ nennt als Beispiel Badeschlappen – die den Einlass in Clubs europaweit zuverlässig ausschließen, sondern eben auch auf etwaige Echtpelz-Applikationen an der Kapuze der Outdoor-Jacke. “Du kommst hier nicht rein”, heiße es dann, “Das ist Echtpelz an Deiner Jacke.”

Viele Gäste wüssten gar nicht, dass der zottelige Besatz an ihrem Kleidungsstück Echtpelz sei. Minderwertige Felle etwa von Marderhunden aus Fernost seien inzwischen billiger als Kunstpelz aus Wolle oder Synthetik, so die FAZ, die immerhin darauf hinweist, dass nicht jeder Pelz ethisch verwerflich sei. Das Problem sei, so Hiltl in der FAZ, dass “das Geschäft mit Echtpelz heute in Länder geht, in denen es keinen Tierschutz gibt, wie wir uns das nach unseren Standards vorstellen.” Das Gesagte verdeutlicht das Dilemma etlicher wegregulierter Branchen von der Frühstücksei-Produktion bis zur Pelzindustrie: Einst ein wertvolles, weil seltenes Naturprodukt, geriet Pelz infolge der Machenschaften skrupelloser, tierquälerischer Pelztierzüchter in Verruf. Die Folge waren gesetzliche Regulierungen und gesellschaftliche Ächtung, die das Geschäft hierzulande unrentabel machten – mit der von Hiltl geschilderten Folge. Pelztierfarmen werden heute in Ländern betrieben, in denen “unsere Standards” keine Rolle spielen und weder kontrollierbar noch durchsetzbar sind. Das einstige Luxusgut ist dabei mitunter zum anrüchigen Billigprodukt verkommen.

Inkonsequent erscheint uns indes, dass Gäste mit Echtledergürteln oder -schuhen anscheinend noch immer Zutritt zu den vegetarischen Etablissements erhalten. Hier sind dringend Nachbesserungen gefordert. Das würde dann natürlich nicht mehr nur einige wenige in der Warteschlange betreffen, die Leute müssten vermutlich in Scharen abgewiesen werden. Gut so: Es könnte dann keiner mehr behaupten, dass hier lediglich mit plakativem Gutmenschentum Werbung für Amüsierbetriebe gemacht würde, da wirtschaftliche Einbußen die unausbleibliche Konsequenz wären. Wir finden: Das muss es wert sein. SE

Beitragsbild: Pelze aus artgerechter Haltung, aus Artenschutzgründen selbst geschossen und umweltschonend gegerbt sind ein wertvolles Naturmaterial. Copyright: SE

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