Peinliche Entgleisung

In einem “Offenen Brief” greift Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller den Journalisten Stefan Aust für eine kritische Reportage zum Thema Wolf scharf und auf empörend persönliche und aggressive Weise an – ein unerträglicher Einschüchterungsversuch.

Es hat 15 Jahre gedauert, bis ein Beitrag in den Mainstream-Medien erscheinen konnte, der sich kritisch mit der Rückkehr des Wolfs nach Deutschland auseinandersetzt: In der Tageszeitung “Die Welt” warnen Stefan Aust und Detlev Konnerth, dass “unser Umgang mit den Wölfen extrem gefährlich ist.” Der Artikel ist lesenswert, auch wenn er nicht viel enthält, was etwa dem aufmerksamen Jawina-Leser neu wäre. Aber was in den Jagdmedien steht, lässt sich halt sehr bequem ignorieren, totschweigen, diskreditieren: Die blöden Jäger wollen die Wölfe ja bloß abknallen, damit sie noch mehr Hirsche und Rehböcke schießen können… Dass jetzt so langsam auch die allgemeinen Medien die verbreitete Wolfs-Euphorie zugunsten einer ausgewogenen Berichterstattung hinter sich lassen, passt dem Nabu offenbar gar nicht. Und wenn Aust in der Welt dann auch noch die lukrative “Wolfsindustrie” auf- und angreift, ist der Lebensnerv der Spendensammler getroffen.

Bislang läuft es ja so, dass Nabu & Co. in der Berichterstattung zu Naturschutzthemen in sämtlichen Medien völlig selbstverständlich die Deutungshoheit haben: Egal, ob es um den Wolf geht oder um den Kormoran, das Muster ist immer dasselbe: Wenn überhaupt kommt zunächst ein unsympathischer, durchgeknallter Kritiker zu Wort, der sich mit wirren und extremen Äußerungen (Alle abknallen!) selbst disqualifiziert, bevor der nette Nabu-Mann seine Sicht der Dinge ausführlich darlegen kann. Die Mehrzahl sog. “kritischer Journalisten” sieht in Nabu und Greenpeace völlig unkritisch Instanzen höchster, nicht zu hinterfragender Wahrheit und Moralität. Und nun kommt dieser Aust daher und berichtet über den Wolf und den Nabu, und die Spenden, die ersterer für letzteren generiert – und fragt nicht einmal bei der Pressestelle an!

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Ausriss aus Millers Offenem Brief.

Aufgemerkt, Journalisten in deutschen Landen: Es ist verboten, über Naturschutzthemen zu berichten, ohne bei der Pressestelle des Nabu nachzufragen! Im Fortgang seines Briefs macht sich Miller gar nicht erst die Mühe, auf die Sachargumente Austs einzugehen oder sich kritisch mit den von dem Journalisten geschilderten Nahbegegnungen zwischen Mensch und Wolf auseinanderzusetzen, die so gar nicht zu der alten, von den Naturschutzverbänden endlos intonierten Leier von der “natürlichen Scheu” des Wolfs passen wollen, welche dafür sorge, dass man ihn nie zu Gesicht bekäme…

Stattdessen greift Miller auf persönlicher Ebene an: Als Tierhalter – Aust ist Pferdezüchter – sei er ja persönlich betroffen, womit sich “die Frage der Objektivität seiner Beiträge” stelle. Natürlich ist jeder Journalist als Mitglied unseres demokratischen Gemeinwesens auf irgendeine Weise von den Vorgängen persönlich betroffen, über die er berichtet. Oder können z.B. nur Nichtwähler über Wahlen berichten? Millers Behauptung, Austs Beitrag verstoße gegen den Pressekodex ist daher so absurd wie lächerlich. Auch Austs Ausführungen über die Spenden, die der Wolf dem Nabu verschafft, werden auf persönlicher Ebene beantwortet: Eine vergleichbare Summe (400.000 Euro) habe Aust in der Vergangenheit mit dem Verkauf von Sportpferden eingenommen – ein Appell an die niedersten Neid-Instinkte unserer Gesellschaft!

Das ist schon allerunterstes Niveau, doch Leif Miller unterbietet selbst das noch. So kritisiert er harsch Austs Reminiszenz an die Vergötterung des Wolfs durch die Nazis:

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Ausriss aus Millers Offenem Brief.

Unerträglich sei sein Versuch, “der Begeisterung und dem Engagement für den Wolf einen nationalsozialistischen Ideologiebezug zu unterstellen.” Was Aust übrigens nicht tut – er schildert lediglich die historische Dimension der Beziehung Wolf-Mensch. Aber Miller tut genau das, was er Aust vorwirft, im letzten Absatz seines Briefs, wenn er Wolfsgegner zu Rassisten und Ausländerfeinden erklärt:

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Ausriss aus Millers Offenem Brief.

Und DAS ist wirklich unerträglich. SE

Beitragsbild: Der Offene Brief Leif Millers an Stefan Aust.

13 Gedanken zu „Peinliche Entgleisung

  1. MH

    Tja, was soll man dazu sagen? “Und willst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich Dir …” Man möchte halt meistens keine Meinung, sondern nur die Zustimmung des anderen. Erfolgt die nicht, reagiert man reflexartig mit Vorwürfen von Unkenntnis, Voreingenommenheit, etc. Herr Aust ist in der Öffentlichkeit sicher über solche Vorwürfe erhaben, das sorgte wohl für die Überreaktion. Hätten wir doch ausreichende DNA-Proben von den vielen Wolfssichtungen, dann wüßten wir vielleicht auch einfacher einzuordnen, warum so viele dieser wilden Polenwölfe bei uns so zutraulich werden. Ich würde zudem gerne einmal eine Zusammenstellung der Kosten für das Wolfsmonitoring sehen, und, vor allem, den Weg, den die Gelder genommen haben. Qui bono?

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  2. LM.

    Die Äusserungen von Leif Miller grenzen meiner Meinung nach schon an Volksverhetzung gegen die Jäger. Wann folgen die Landwirte, Schäfer, Pferdezüchter und andere Landnutzer?

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  3. Paul

    eigentlich wollte ich mich zur Wolfsproblematik nicht mehr äußern, aber der hier aufgeführte Beitrag hat doch wieder Emutionen geweckt.
    In jüngst vergangener zeit habe ich mir viele im Internet angebotene Beiträge über Wölfe angesehen . Sehr interessant, Beitäge aus den Rocky Mountains, aus Kanada , Australien und anderen typischen Wolfsgebieten . Ein herrliches , kluges und in GRUNDWESEN
    gar nicht so a g e r e s s i v e s Tier. Ich schätze es sehr und habe mir die Beiträge mit BEGEISTERUNG angesehen.
    Und trotzdem : in unsere “BREITEN ” gehört er einfach nicht hin . Wenn die “Verfolgung ” von Menschen in den allermeißten Fällen auf das mitführen von Hunden zurückzuführen ist, kann es in diesem ZUSAMMENHANG doch auch zu echten Konfrontationen mit dem Menschen kommen. Ich möchte das hier nicht weiter ausweiten…
    Eines s t ö r t mich wirklich bei der Wolfsproblematik : … solche unqualifizierten “Äußerungen ” wie sie von diesem ; für mich fraglichen “Verein” (NABU) in Person von Miller gemacht werden sind einfach unter der Gürtellinie und ( meiner Meinung nach)
    nicht besonders intelligent …… kein weiterer Kommentar. Fazit : der Wolf ist ein herrliches Tier, beachtens- und schützenswert, aber nicht für unser Sozialgebiet geeignet. Minimum des Duldens wäre ( für mich und viele andere/auch Jäger) eine kontrollierte
    Stückzahl. die auch “erfährt”, das der Mensch für ihn nicht g a n z ungefährlich ist und dadurch die natürliche Scheu/Vorsicht in
    ihm ( wieder) e r w e c k t wird , das angeborene Distanzverhalten zur Notwendigkeit seines Überlebens notwendig ist …..

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    1. Achim Mähringer

      Oh ja, ganz meine Rede: Australien ist typisches Wolfsgebiet! Da gehören sie hin.
      Keinesfalls aber gehören Wölfe nach Mitteleuropa, in unser “Sozialgebiet”:
      Großartig, Respekt! Einen solchen Schwachsinn habe ich selten gelesen. Um genau zu sein, eigentlich noch nie.
      Abschliessend ein guter Rat: Bleiben Sie bei Ihren “Emutionen”, versuchen Sie es nicht mit rationellem Denken. Bitte!
      Und ich hoffe ernsthaft für uns alle, daß Sie nicht im Besitz eines Jagd(berechtigungs)scheins sind.
      Was für eine peinliche Entgleisung, dieser Beitrag, wie auch der Artikel.

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      1. Keule

        @ A. Mähringer: Gibt ja nichts Schöneres, als Andersdenkende bei Rechtschreibfehlern zu ertappen, was? Da sind die gleich widerlegt, zumindest in den Augen aller Kleingeistigen… Und außer “Emutionen”, genauer gesagt, Aggresionen, haben Sie auch nicht viel zu bieten. Sachargumente, rationales Denken (Sie meinten rational, nicht rationell, nicht wahr? Ist ein Kreuz mit den schwierigen Fremdworten. Mein Tipp: Einfach vermeiden…), ein Mindestmaß an Benehmen – ist alles nicht. Peinlich. Wirklcih.

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  4. Anko

    Neu an Austs sehr lesenswertem Artikel in Kontext Wolf die Nennung der Jahreseinnahmen des Nabu: 32.200.0000 EUR allein im Jahr 2014. Wohlgemerkt allein aus Mitgliederbeiträgen und Spenden, also nicht durch Einsatz von Kapital und unternehmerischem Risiko erarbeitete Einnahmen, sondern quasi geschenktes Geld.

    32.200.000 EUR, zu denen noch Sachspenden aus vorwiegend Bundesvermögen in Form unentgeltlicher Grundflächenübertragungen hinzuzurechnen sind.
    Und zweifellos noch erkleckliche Summen aus Fördermitteltöpfen der EU, des Bundes und der Länder, die die übersichtlichen Personal- und demgegenüber hohen Lobbying-Kosten für Nabu-Volksbildung und Spendenwerbung sicher schon weitgehend abdecken werden.

    Im Ranking der gewinnstärksten deutschen Wirtschaftsunternehmen ergäbe sich für ihn sicher ein Plätzchen unter den Top-300.

    Journalistische Neugier wird hier sicher weiteres und präziseres Zahlenwerk aus den teils öffentlich abfragbaren Fördermitteldatenbanken und Geschäftsberichten des Nabu und der Nabu-Ortsvereine zu Tage fördern können.

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    1. Simon

      Lächerliche Behauptungen.
      abgesehen davon, daß die Haushaltsführung sowie alle Einnahmen und Ausgaben des NABU regelmässig öffentlich gemacht werden (https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/nabu/jb2014.pdf) stimmen weder die Zahlen noch die behaupteten zusätzlichen Einnahmen.
      Im Gegensatz zu den wirtschaftlich äußerst leistungsfähigen LJV’s beziehen die Nauturschutzverbände übrigens keine millionenschweren zuschüße aus der staatlich eingezogenen Jagdabgabe.
      Wenn sie, sehr verehrte(r) “Anko” hier schon Stimmung machen wollen, dann halten sie sich doch evtl. an die Wahrheit.

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      1. Keule

        Selber lächerlich!
        Die Behauptung von den “wirtschaftlich äußerst leistungsfähigen LJVs” (wie nennt man nochmal Apostrophe, wo sie nicht hingehören?) ist mindestens eine unzulässige Verallgemeinerung und im Vergleich zur ökonomischen Potenz von Nabu & Co. einfach nur lächerlich. Und von der Jagdabgabe profitiert leider auch der unersättliche, mit Steuergeldern und Großschenkungen gemästete Nabu. Zur “Wahrheit” scheinen Sie selbst ein angespanntes Verhältnis zu haben…

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      2. Anko

        >>>abgesehen davon, daß die Haushaltsführung sowie alle Einnahmen und Ausgaben des NABU regelmässig öffentlich gemacht werden (https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/nabu/jb2014.pdf) stimmen weder die Zahlen noch die behaupteten zusätzlichen Einnahmen. <<>>Im Gegensatz zu den wirtschaftlich äußerst leistungsfähigen LJV’s beziehen die Nauturschutzverbände übrigens keine millionenschweren zuschüße aus der staatlich eingezogenen Jagdabgabe.
        Wenn sie, sehr verehrte(r) „Anko“ hier schon Stimmung machen wollen, dann halten sie sich doch evtl. an die Wahrheit. <<<<<

        Das tue ich gern und auch wenn es für Sie wieder schmerzlich ist: Die Jagdabgabe wird ausschließlich und allein von Jägern getragen. Sie finanziert direkt jede Menge Maßnahmen und Organisationen, selbst solche ohne Jagdbezug. Unter den Jagdabgabe-Empfängern findet sich natürlich " der" Nabu, vgl. für Berlin etwa http://www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/jagd/de/jagdabgabe.shtml

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  5. Paul

    an alle “normalen ” Leser : Sorry, das meine Emotionen zu Emutionen wurden. Eigentlich ist die Rechtschreibung keine Schwäche von mir… beim Schreiben sind wohl die E … mit mir “durchgegangen “….
    für “Herrn Mähringer ” zwei ZITATE : “Je kleiner die Leute, desto größer der Klamauk ” – Kurt Tucholski –
    “Verleumdung und BOSHEIT tötet man am Besten durch Schweigen ” – Maxim Gorki –
    Ansonsten ( glaube ich ) sollte uns mehr der Hintergrund einer Aussage beschäftigen, als seine Rechtschreibung – oftmals würde sonst so mancher gute Beitrag daran “zerbrechen ” können…. ( also RS . nicht unwichtig, hier jedoch NEBENsache… SORRY )

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  6. Paul

    übrigens : rechtschreibmäßig sind in meinem “Beitrag” noch einige “Fehler” vorhanden, die jetzt zu berichtigen scheint jedoch wenig sinnvoll , weil inhaltlich nicht von Bedeutung…… ja.ja die “EM-U-TIONEN….

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  7. Dirk Vogel

    Regel 1: Der Wolf verhält sich so, wie der NABU das wünscht und vorhersagt.
    Regel 2: Verhält sich der Wolf anders als vom NABU gewünscht, tritt automatisch Regel 1 in Kraft.

    Meiner Ansicht nach ist das blinde Vertrauen der Damen und Herren beim NABU in die angebliche Menschenscheue des Wolfs mit dem Wort “naiv” nur sehr ungenügend beschrieben. Und der “Offene Brief” des NABU-Bundesgeschäftsführers, der vor Selbstgerechtigkeit und Arroganz nur so strotzt, wäre in einem normalen Betrieb ein Grund für eine verschärfte Abmahnung. Aber ein Mindestmaß an Umgangsformen oder auch einen gewissen Respekt gegenüber anderer Leute Meinungen hat der NABU auf seinem hohen Ross wohl nicht nötig.
    Ziemlich PeTA-esk, der Herr Miller. Anders kann ich es leider nicht formulieren.

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