Österreich: Niederösterreich will Nachtzielhilfen für Wildschweinbejagung freigeben

Aufgrund der zu erwartenden Zunahme bzw. der bereits teilweisen hohen Bestände in Niederösterreich ist eine Reduktion des Schwarzwildes unbedingt notwendig, um im Falle eines Ausbruchs die Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu erleichtern, meint der Landesjagdverband Niederösterreich. Das Schwarzwild sei besonders schwierig zu bejagen. Es ist überwiegend nachtaktiv, wehrhaft und extrem vorsichtig. Eine Reduktion des Bestandes ist daher nicht leicht. Aus diesem Grund wird nun in Niederösterreich für eine Dauer von vorerst vier Jahren der Einsatz von technischen Nachtzielhilfen flächendeckend zur Intensivierung der Wildschweinbejagung erlaubt. Im Seuchenfall dürfen zudem spezielle Fallen, die den Lebendfang von mehreren Wildschweinen ermöglichen, eingesetzt werden.
Jägerschaft unterstützt in der Seuchenprävention

Der Ausbruch der ASP hängt von vielen Faktoren ab. Die NÖ Jägerschaft nimmt jedoch eine wichtige Rolle als Partner der Landwirtschaft in der Seuchenprävention bzw. bei einer notwendigen Eindämmung ein. „Wir nehmen unsere Verantwortung in dieser Thematik sehr ernst. In den vergangenen Jahren erfolgten intensive Informationsmaßnahmen innerhalb der Jägerschaft, um die Afrikanische Schweinepest rechtzeitig erkennen zu können. Zudem haben wir die Schwarzwildbejagung zur Prävention intensiviert. Mit der Zunahme der Bestände im heurigen Jahr aufgrund der für das Schwarzwild guten Witterungs- und Nahrungsverhältnisse müssen wir unsere Bemühungen intensivieren. Technische Nachtzielhilfen können dabei wesentliche Helfer sein“, so Josef Pröll, Landesjägermeister von Niederösterreich. Ein Ausbruch der ASP hätte nicht nur für Wildschweine, sondern vor allem auf die heimische Landwirtschaft enorme negative Auswirkungen. Um eine Bejagung der Wildschweine zu erleichtern, ist jedoch auch die Landwirtschaft gefordert: „Die Landwirte können die Jägerschaft unterstützen, indem sie die Errichtung jagdlicher Einrichtungen zulassen und zwischen Maisfeld und Waldrand Streifen belassen“, so Pröll.

Wildschweine werden mit einigen Ausnahmen bereits jetzt ganzjährig – auch nachts – bejagt. Mit der Zuhilfenahme von technischen Nachtzielhilfen soll eine einfachere Bestandsregulierung beim Wildschwein ermöglicht werden. Der Einsatz von Nachtzielhilfen ist nur jenen Jägerinnen und Jägern vorbehalten, die zumindest in den letzten drei Jahren durchgehend im Besitz einer gültigen NÖ Jagdkarte waren oder einen entsprechenden Schulungskurs für die richtige Handhabung dieser Geräte beim NÖ Jagdverband absolviert haben. Mit den Nachtzielhilfen dürfen ausschließlich Wildschweine und kein anderes Wild oder Raubzeug bejagt werden. Bei Zuwiderhandeln droht ein Strafrahmen von mindestens EUR 2.000,- bis EUR 20.000,- und der Entzug der Jagdkarte. Die voraussichtlich ab Mitte Januar 2020 in Kraft tretende Regelung ist bis 31. Dezember 2023 befristet. Vor Ablauf der Befristung wird die niederösterreichische Landesregierung eine wissenschaftliche Evaluierung durchführen, um den Erfolg zu bewerten.

Afrikanische Schweinepest rückt immer näher an Niederösterreich heran

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich seit 2014 in großen Teilen Nordosteuropas aus. In Tschechien brach die Seuche, die für Wildschweine als auch für Hausschweine hoch infektiös ist und in den meisten Fällen tödlich verläuft, im Juni 2017 – rund 80 Kilometer von der österreichischen Staatsgrenze entfernt – aus. Während in Tschechien durch intensive Bejagung in Kombination mit anderen Maßnahmen die Seuche eingedämmt werden konnte, meldeten im Herbst 2019 die Slowakei und Ungarn mehrere Fälle von ASP. Zwar gab es bis jetzt in Österreich noch keine bestätigten ASP-Fälle, hohe Wildschweinbestände verlängern jedoch die Eindämmung der Seuche, sollte sie sich von Osten her bis nach Österreich ausbreiten. Zudem verursachen erhöhte Bestände beim Schwarzwild enorme Schäden in der Landwirtschaft und das in einer bereits aufgrund des Klimawandels für die heimischen Bäuerinnen und Bauern angespannten Situation. Technische Nachtzielhilfen ermöglichen hier eine Verstärkung der Bejagung auf den Schadflächen und damit eine Verringerung der Schäden.

Das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen hat per Verordnung in Niederösterreich aufgrund der ASP ein Kontrollgebiet ausgewiesen, um die Verbreitung der Krankheit einzudämmen. Dazu gehören alle nördlich der Donau gelegenen Gebiete der Bezirke Hollabrunn, Tulln, Korneuburg, Mistelbach, Gänserndorf, Bruck/Leitha und alle Wiener Bezirke. In der Verordnung werden die Meldung von verendeten Wildschweinen, die seuchensichere Entsorgung von Tiermaterialien und anderes mehr für das Kontrollgebiet geregelt. PM

Beitragsbild: Nachtzielgerät. Foto: SE

2 Gedanken zu „Österreich: Niederösterreich will Nachtzielhilfen für Wildschweinbejagung freigeben

  1. Carpe Diem.. jetzt erst recht

    Nachtsichttechnik in den Händen von Jägern war, ist und bleibt umstritten, denn Nachts sind alle Katzen grau. Aber diese Technik wird sich durchsetzen, weil sie einer gewissen Logik folgt. Wer sich erinnern mag, war seinerzeit der Leuchtpunkt im Absehen der ZFR “Kriegstechnik” und wurde vom BKA lange blockiert. Heute spricht keiner mehr davon. Bei Nachtsichtzielgeräten ist das heute nichts anderes. Die Obrigkeit fürchtet den Terror und den entmündigten Bürger. Dass Staatsfeinde diese NVS-Technik schon vor den Jägern hatten, wird dabei ausgeblendet. Es wird Zeit, das Nachtsichtzielgeräte legalisiert werden, damit der graue Markt und die Preistreiberei aufhören.

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    1. 9x19

      Ja. Abusus non tollit usum. Gilt leider heute nicht mehr aus Angst vor einem Missbrauch oder wird Makulatur nach einem solchen, der dann wieder Rechts- UND Freiheitseinschränkungen überall zur Folge hat. Wenn dann irgendwann die letzte Schnitte von der Freiheitssalami weg ist, wird man sich verwundert die Augen reiben, wo die FREIHEITLICH demokratische Grundordnung eigentlich hingekommen ist. Wer nicht weiß, was Freiheit ist, dem sei gesagt, dass die das Recht beinhaltet, das tun zu dürfen, was OBJEKTIV keinen Anderen schädigt UND das nicht tun zu müssen, was ein Anderer von ihm verlangt. Erst recht nicht, wenn dieses Verlangen dem Misstrauen, der (oft von Medien geschürten) Angst oder der eigenen Unfähigkeit geschuldet ist und vorgebliche Gefahren oft nolens volens nur behauptet werden. Denn mit solchen Begründungen kann man alles verbieten oder unter Strafen stellen, was einem nicht passt, sogar die Deliktswilligkeit des Menschen auf tote Gegenstände, Werkzeuge, übertragen, um sie ächten oder dem Menschen den nötigen Rechtsschutz versagen zu können, dann wird eine dumme, ferngesteuerte Mehrheit in einer Demokratie zur Diktatur für die kluge, wissende oder weise Minderheit, die keinen Schutz und keinen Bestand in Bezug auf ihre meist objektiv gar nicht gefährlichen Interessen und Rechte mehr erlangen kann. Meinetwegen kann also die NZT kommen, hier sind ja die Jagdnachbarn selber das Problem mit ihrem Misstrauen. Denn zur reinen Jagdausübung bei Nacht sind die Dinger ja weitaus besser geeignet als ein 8x50er Ofenrohr mit Technik aus dem kalten Krieg. Wenn nur eine führende Bache nicht erlegt wird, Frischlinge nebenan bemerkt werden, hat sich ein solches Ding m.E. schon gelohnt.

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