Österreich: Nationalpark Hohe Tauern fördert bleifreie Munition

Den Pinzgauer Bezirksjägertag, der am 5. Februar 2017 in Saalfelden stattfand, hat die Nationalparkverwaltung zum Anlass genommen, um für 17 der Pinzgauer Gemeinden und  für die Pongauer und Lungauer Nationalparkgemeinden eine Förderaktion für die Umstellung auf bleifreie Büchsenmunition zu starten. Das teilt der Nationalpark Hohe Tauern mit. Vor fünf Jahren startete die Nationalparkverwaltung in den beiden Forschungsrevieren Habachtal in Bramberg und Anlauftal in Bad Gastein eine umfangreiche Testphase für die Verwendung bleifreier Büchsenmunition. Neue Waffen für die drei Berufsjäger des Nationalparks wurden angeschafft und jeder Regulierungsabschuss hinsichtlich etlicher Parameter wie Ballistik, Tötungswirkung, Nachsuche, Wildbretzerstörung, Schäden an den Gewehrläufen genau dokumentiert, um beim damals noch sehr umstrittenen und kontrovers diskutierten Thema an Objektivität zu gewinnen.

Wildfuetterung_c_NPHT

Wildfütterung im Nationalpark Hohe Tauern. Quelle: NPHT

„Zahlreiche Forschungsergebnisse und vor allem immer mehr nachgewiesene Bleivergiftungen bei Greifvögel haben damals den Naturschutzaspekt bleifreier Munition klar werden lassen. Da es aber auch nicht zu vernachlässigende Gegenargumente gab, war es naheliegend, nichts zu erzwingen, sondern erst einmal objektiv zu testen. Das sehe ich als Aufgabe eines Nationalparks, vorausschauend und mit zuverlässigen Daten und Fakten zu überzeugen“, so NP-Referentin LH-Stellvertreterin Dr. Astrid Rössler.

Heute lässt diese Dokumentation über fünf Jahre keine Zweifel mehr an der jagdlichen Tauglichkeit bleifreier Büchsenmunition. In den NP-Forschungsrevieren sind mittlerweile 235 Abschüsse hauptsächlich bei Rot- aber auch bei Reh- und Gamswild aufgezeichnet, der Zustand der Gewehrläufe von den Herstellerfirmen überprüft und das Fazit der NP-Berufsjäger ist uneingeschränkt positiv. Bei der aus Tierschutzüberlegungen sensibel zu betrachteten unmittelbaren Tötungswirkung kann zusammengefasst werden, dass diese bei 94% der 235 Abschüsse gegeben war, was den Vergleich mit Bleimunition nicht zu scheuen braucht. Hinsichtlich Wildbretqualität ergibt sich eine Durchschnittsnote von 1,5 nach dem Schulnotensystem.

„Die Zeit ist also reif, die Verwendung bleifreier Büchsenmunition auch auf breiterer Basis zu forcieren“, ist Rössler nach heutigem gut belegbarem Wissensstand überzeugt und erfährt dabei auch Unterstützung durch die Salzburger Jägerschaft. Landesjägermeister KR Josef Eder: „Die Jagd in Salzburg leistet generell einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung der heimischen Wildtiere. Hinsichtlich der Verwendung von bleifreier Büchsenmunition bestand nie Skepsis, sondern Vorsicht gegenüber zu rascher Einführung nicht ausgereifter Produkte. Nicht nur in den NP-Revieren auch bei den Österreichischen Bundesforsten und in Privatjagden wurden viele Jahre Erfahrungen gesammelt. Und wenn heute von allen Seiten, insbesondere auch von den Munitionsherstellern, sehr viel an nachweislicher Sicherheit und Qualität gegeben ist, werden die Salzburger Jägerinnen und Jäger sich dieser Naturschutzmaßnahme nicht verschließen.“

Dreh- und Angelpunkt für eine breitere Forcierung der bleifreien Büchsenmunition sind nicht nur die eigenen Testergebnisse, sondern die Kooperation und Zusammenarbeit mit der Salzburger Jägerschaft und den ansässigen Büchsenmacherbetrieben, diese genießen bei den Salzburger Jägerinnen und Jägern Vertrauen und können so wesentliche Bewusstseinsbildung und Überzeugungsarbeit leisten. „Die nun gestartete Förderaktion wurde deswegen in enger Zusammenarbeit mit den Büchsenmachern in der Nationalparkregion ausgearbeitet und wird auch zu einem großen Teil von diesen abgewickelt“, berichtet NP-Dir Wolfgang Urban. Jägerinnen und Jäger erhalten dort eine fachkundige Beratung, einen Kaliber- und Waffencheck. Und im Falle der Entscheidung für bleifreie Büchsenmunition werden dann die chemische Reinigung der Waffe durch den Büchsenmacher und das Einschießen zu 100% und der Ankauf von weiterer bleifreier Munition zu 25% vom Nationalpark gefördert. PM

Ein Aktionsblatt zur Förderung der bleifreien Munition kann hier heruntergeladen werden.

Beitragsbild: Wildfütterung im Nationalpark Hohe Tauern. Quelle: NP Hohe Tauern

3 Gedanken zu „Österreich: Nationalpark Hohe Tauern fördert bleifreie Munition

  1. Paul

    habe gerade wieder die ( dringend notwendige) chemische Reinigung meiner Waffe ( R93 ; 8×57) hinter mir. Vom Büchsenmacher gemacht, der mich auch unterstützt. ABER .. in Zukunft werde ich DAS wohl nicht mehr machen w o l l e n , wenn man DAS versteht …..wenn es auf Gemeinschaftsjagden gefordert wird , werde ich mich daran halten: Für m e i n e n Gebrauch jage und schieße ich jedoch wieder so wie schon seit über 30 Jahren !! >>>> gute Schockwirkung, guter Ausschuß, kaum Nachsuchen(!!!!), jedenfalls n i c h t munitionsbedingt, und vergiftet habe ich mich in über 30 Jahren auch noch nicht…Aufbruch wird vergraben oder verblendet ..wie schon immer !!Das selbst bei “todsicheren ” Schüssen, wenn auch manchmal nur 40-50m lange) Nachsuchen erforderlich sind, damit mag ich mich nicht abfinden. Auf offenem Geländfe ist das auch kein Problem, aber im Wald erfordert es schon Aufwand, der eigentlich unnötig wäre und DAS nicht nur im Einzelfall. Jeder muß das natürlich für s i c h entscheiden und ich mache hier keine Werbung für bleihaltige Munition, zeige einfach nur meine ;nach längerer PROBEPHASE , gefundene Erkenntnis . Weidmannsheil !

    Antworten
  2. Grimbart

    Ich jage seit 10 Jahren bleifrei mit guten Erfahrungen. Es geht doch nicht darum, ob man sich vergiftet. Gerade diese Woche lief in der ARD um 20.15, also zur Primetime, eine Doku über Seeadler. Wer ist Schuld, dass sie sich nicht noch weiter ausbreiten und schneller? Die JÄGER, weil sie Bleimunition verwenden! Und schon bleibt wieder was haften vom schlechten Image der Jäger. Von Windrädern wurde nur am Rande berichtet. Der Widerstand gegen bleifreie Munition resultiert z.T. aus Bequemlichkeit und Geiz. Doppelbüchsen lassen sich eben nicht so einfach neu einschießen. Da kann ich schon verstehen, dass man nicht begeistert ist über ein Bleiverbot. Nur lässt sich dieser Zug nicht mehr aufhalten und Gegenwehr schadet nur dem Ansehen der Jägerschaft.

    Antworten
  3. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Die grundsätzliche Frage, WARUM man auf bleifrei umsteigen soll, hat mir bisher keiner schlüssig und nachvollziehbar beantwortet!
    Die abgedroschene Seeadler-Geschichte lockt doch niemanden mehr hinter dem Ofen vor. Es gibt mehr Seeadler als je zuvor bei uns. Die Todesursache Bleivergiftung steht beim Seeadler bei weitem nicht an erster Stelle! Blei verursacht kein Artenschutzproblem beim Seeadler.
    Auch das Verbraucherschutz-Argument zieht nicht. Nur weit unter einem Prozent unserer Bleiaufnahme rührt von Wildbret her. Bier und Blattgemüse sind da wesentlich “gefährlicher”. Die Zahlen sauge ich mir nicht aus dem Finger. Sie stammen von der EFSA (European Food Safety Authority). Auch bleifrei erlegtes Wildbret enthält Blei, weil dieses Element eben in unserer Umwelt allgegenwärtig ist. Wildbret und Schweinefleisch aus dem Stall haben im Median den selben Bleigehalt! An Stelle von Wildbret Hausschwein zu verzehren, um dadurch seine Bleiaufnahme zu reduzieren, ist also sinnlos.
    Der Bleieintrag durch Jagdmunition in die Umwelt ist gemessen an anderen Emittenten extrem gering!
    An Stelle des missionarischen Eifers der Bleifrei-Lobby würde ich mir mehr Freiheit für eigene Verantwortung wünschen. Ich will kein Verbot bleifreier Munition, möchte aber auch nicht, dass Bleimunition ohne Not verboten wird. Chacun á son goût!
    Kupfer ist übrigens in aquatischen Ökosystemen ein richtig böses Gift. Es wäre sicher lehrreich, mal in Tümpeln und Teichen nachzuschauen, was Kupfer aus Büchsengeschossen oder Schroten dort anrichtet.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.