Österreich: Ministerium empfiehlt wolfsfreie Alpen

Herabsetzung des Schutzstatus und ganzjährige Bejagung gefordert

Der vom österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) herausgegebene “Grüne Bericht 2016” spricht sich für einen wolfsfreien Alpenraum aus. Die entsprechende Empfehlung “betreffend Wolf und Almweiden” der §7-Kommission kam mit qualifizierter Mehrheit zustande, wie es im Grünen Bericht heißt. Die sogenannte §7-Kommission ist mit Vertretern der politischen Parteien und weiterer Institutionen wie der Landwirtschaftskammer, der Wirtschaftskammer, der Bundesarbeitskammer und des österreichischen Gewerkschaftsbundes besetzt. Sie hat u.a. die Aufgabe, an der “Schaffung von Programmen zur Entwicklung des ländlichen Raums” mitzuwirken und “Empfehlungen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft” zu erstatten.

In Empfehlung 3 heißt es, man wisse aus den Nachbarländern der Alpenregion, “dass Weidehaltung und Wolf nicht kombinierbar sind.” In Deutschland, Frankreich, Kroatien, Slowenien, Schweiz und Italien gebe es viele Versuche, ein Miteinander von Wolf und Weidetieren zu gestalten, die alle gescheitert seien. Nicht einmal die Entschädigungsfrage habe in diesen Ländern zufriedenstellend gelöst werden können.

Die §7-Kommission empfiehlt dem Bundesminister daher, “bei der nächsten Verlängerung der FFH-Richtlinie im Jänner 2017 nicht zuzustimmen, wenn nicht eine Herabsetzung des Schutzstatus der Großraubtiere (Übertragung von Anhang IV in Anhang V) erfolgt.” Außerdem sei auf die Bundesländer im Alpenraum einzuwirken, die Jagdgesetze abzuändern, so “dass der Wolf im Alpenraum ganzjährig bejagt werden darf.” Auch “der Schutz der Alm- und Weidewirtschaft durch die Einführung von großraubtierfreien Zonen”, wurde von der Kommission gefordert.

Die Empfehlung 3 im Wortlaut:

Empfehlung 3

Empfehlung der §7-Kommission an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft zum Thema Großraubtiere (wie z.B. Wolf) und Almweiden sowie deren Auswirkung auf die Berglandwirtschaft (eingebracht von Robert Zehentner SPÖ)

Die Großraubtiere wie der Bär, der Wolf oder Luchs wurden vor über hundert Jahren in Mitteleuropa praktisch ausgerottet. Aufgrund strenger Artenschutzgesetze, insbesondere der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) und aktiver Wiederansiedlungsprojekte sind im Alpenraum wieder größere Bestände dieser Großraubtiere zu finden.

Das Thema „Wolf“ hat uns Bauern im Almsommer 2015 auf dramatische Weise beschäftigt. Dabei handelt es sich derzeit nur um wandernde einzelne Tiere, die unsere Wälder und Almregionen durchstreifen. Wenn man so einzelnen „Wolfbeauftragten“ glauben darf, so sollten 3 bis 4 Populationen in Salzburgs Almregionen durchaus möglich sein und angestrebt werden. Auch im Almsommer 2016 wurden wieder verendete Schafe und Lämmer insgesamt 10 Stück von einer kleinen Herde ca. 25 Stück, gerissen. 2015 wurden auf einer Alm im Pinzgau von 130 Schafen 68 vom Wolf getötet bzw. verendeten sie nach Wolfsbissen.

Dabei wissen wir aus anderen Nachbarländern der Alpenregion, dass Weidehaltung und Wolf nicht kombinierbar sind. In Deutschland, Frankreich, Kroatien, Slowenien, Schweiz und Italien, sowie auch bei uns gibt es viele Versuche ein Miteinander von Wolf und Weidetieren zu gestalten – sie sind alle gescheitert. Nicht einmal die Entschädigungsfrage konnte in diesen Ländern zufriedenstellend gelöst werden. Dazu kommt noch die Situation, dass die Weidehaltung auf unseren Almen keine größeren Herden zulässt und die Tiere immer einige Stunden bzw. Tage – vor allem bei Nacht oder Schlechtwetter – unbeaufsichtigt sind.

Die traditionelle, über Jahrhunderte gewachsene Alm- und Weidewirtschaft muss auch zukünftig mit herkömmlichen Methoden ohne die Notwendigkeit umfangreicher und aufwändiger Schutzmaßnahmen möglich sein.

Die Kommission gemäß § 7 des Landwirtschaftsgesetzes empfiehlt dem Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft bei der nächsten Verlängerung der FFH Richtlinie im Jänner 2017 nicht zuzustimmen, wenn nicht eine Herabsetzung des Schutzstatus der Großraubtiere (Übertragung von Anhang IV in Anhang V) erfolgt.

Der Herr Bundesminister wird darüber hinaus ersucht, auf die Bundesländer im Alpenraum einzuwirken, dass die Jagdgesetze dahingehend abzuändern sind, dass der Wolf im Alpenraum ganzjährig bejagt werden darf und auf die Möglichkeit einer Regulierung durch den Menschen hinzuweisen. Ein weiterer Punkt ist der Schutz der Alm- und Weidewirtschaft durch die Einführung von großraubtierfreien Zonen.

Begründung:

Die FFH Richtlinie besagt, dass der Wolf europaweit ganzjährig zu schützen ist, es sei denn, die Populationwird durch den Abschuss nicht gefährdet. Nachdem es in Europa ca. 20.000 in Freiheit lebende Wölfe gibt, ist es unter den speziellen Weidebedingungen, die im Alpinen Raum- herrschen, verantwortbar dass der Alpenraum Wolf frei bleibt.

Die Redaktion dankt JAWINA-Leser HDP für den Hinweis!

Beitragsbild: Titelblatt des Grünen Berichts 2016 (Ausschnitt).

5 Gedanken zu „Österreich: Ministerium empfiehlt wolfsfreie Alpen

  1. Tom Schulze-Helmke

    Der Grüne Bericht 2016 wurde am 15. September veröffentlicht. Wieso bringt JAWINA das 1/4 Jahr später auszugsweise? Mal abgesehen davon, dass eine deratige Fordeung jeder Form von Artenschutz widerspricht.

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    1. admin Beitragsautor

      a) Wir bringen was wir wollen, wann wir wollen.
      b) Der ideologische motivierte, einseitige Schutz des Wolfs auf Kosten diverser anderer Arten widersprecht jeder Form des Artenschutzes.

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  2. W.H.

    Offensichtlich gibt es ja noch Länder, in denen die Poliker vernüftige und sachliche Forderungen haben und die Probleme mit den Wölfen nich verharmlosen. Verharmlosen, Verschleinern, mit falschen Zahlen und Behauptungen arbeiten macht die Politik für den Bürger doch unglaubwürdig. Oder glauben etwa einige Politiker “Das Volk ist eine Hammelherde”.

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