Österreich: Forderungen nach wolfsfreien Zonen im Petitionsausschuss

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Mit gleich drei Petitionen, die wolfsfreie Gebiete in verschiedenen Bundesländern Österreichs fordern, setzte sich der Petitionsausschuss des Österreichischen Parlaments auseinander. Der Wildbiologe Prof. Klaus Hackländer setzte sich für eine “wildökologische Raumplanung” ein.

Auf die zahlreichen Probleme, die sich durch die Zunahme der Wolfspopulation in Österreich, insbesondere im Waldviertel ( 5/PET ), in Tirol ( 7/PET ) und in Salzburg ( 11/PET) ergeben, weisen drei Petitionen hin, in denen u.a. die Schaffung von gesetzlichen Grundlagen gefordert wird, um Problemwölfe rasch entnehmen zu können. Außerdem sollten die bereits bestehenden europarechtlichen Ausnahmeregelungen zur Entnahme von Problemwölfen (Artikel 16 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) entsprechend genutzt und umgesetzt bzw. eine entsprechende Abänderung der Richtlinie angestrebt werden. Weiters treten die Einbringer der Petitionen für die Zahlung von Entschädigungen für betroffene Bauern sowie für die Einführung von sogenannten Vergrämungsmaßnahmen ein. Bei der Abstimmung wurden die drei Initiativen zum Thema Wolf schließlich dem Landwirtschaftsausschuss zugewiesen.

Universitätsprofessor Klaus Hackländer für wildökologische Raumplanung

“Wir haben 150 Jahre ohne Wölfe gelebt”, erklärte Universitätsprofessor Klaus Hackländer vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der BOKU Wien, der von einem grundsätzlichen Systemwechsel ausging. Für die Nutztierhalter und für die Jagd- und Forstwirtschaft stelle die Rückkehr der Wölfe natürlich eine große Herausforderung dar. Er informierte darüber, dass es im Jahr 2018 in Österreich zwei Wolfsrudel mit ca. 20 bis 25 Tieren gab. Da in den letzten Jahren eine Wachstumsrate beim Bestand von durchschnittlich 40% feststellbar war, werde es in 15 Jahren etwa 50 bis 500 Wölfe in Österreich geben, prognostizierte der Experte. Aufgrund des Nahrungsangebots könnten es sogar bis zu 1.000 Wölfe werden, wenn man es zulassen würde.

Was die diversen Herdenschutzinstrumente (Einsatz von Schäfern und Hütehunden, Elektrozäune etc.) angeht, so gab Hackländer gegenüber den Abgeordneten Angela Fichtinger (ÖVP), Erwin Preiner (SPÖ) und Peter Schmiedlechner (FPÖ) zu bedenken, dass keines davon 100-prozentig wirke. Abgesehen davon, dass sie auch teuer und aufwendig sind, können sie nicht überall eingesetzt werden. Überdies fehle es beispielsweise an ausgebildeten Hunden und Schäfern. Auch die oft angeführten Vergrämungsmaßnahmen klingen in der Theorie zwar gut, in der Praxis seien sie schwer umsetzbar. Für viele Landwirte könnte daher der Wolf ein Auslöser dafür sein, die Alm- und Weidewirtschaft aufzugeben, merkte er in Richtung des Abgeordneten Franz Eßl (ÖVP) an. Es brauche seiner Ansicht nach daher eine wildökologische Raumplanung, die Kernbereiche und Freizonen für die Tiere vorsieht.

Zur möglichen Gefahr, die von Wölfen ausgeht, stellte der Universitätsprofessor fest, dass die Tiere grundsätzlich scheu sind. Angriffe auf Menschen seien äußerst selten, da sie keine Beutekategorie für Wölfe seien; in den letzten Jahren wurde europaweit auch kein derartiger Vorfall registriert. Es gebe zudem ausreichend Beute, die in natürlicher Weise zur Verfügung steht.

Im Zusammenhang mit rechtlichen Fragen der Abgeordneten Martina Diesner-Wais (ÖVP) wies Hackländer darauf hin, dass der Wolf “voll geschützt sei”, nicht nur durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie), sondern auch laut Berner Konvention. Generell sei der Wolf weder in Europa noch weltweit gefährdet, er stehe auch nicht auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere. Die in der Richtlinie vorgesehenen Ausnahmen (Artikel 16), die eine Entnahme von Problemwölfen ermöglichen, wurden etwa in Niederösterreich durch eine Novellierung des Jagdgesetzes legalisiert. Grundsätzlich sei auch eine Änderung der FFH-Richtlinie möglich, dafür brauche es aber Einstimmigkeit auf EU-Ebene. Aus diesem Grund versuchen jene Mitgliedstaaten, die Probleme mit Wölfen haben, Lösungen auf der Basis der bereits bestehende Ausnahmebestimmungen zu finden. Als Beispiel dafür führte er Frankreich an, wo etwa eine maximale Höchstgrenze von 500 Tieren festgelegt wurde. Außerdem dürfe jeder Landwirt, der sich bedroht fühle, den Wolf erlegen. PM

Beitragsbild: Petition für ein wolfsfreies Tirol auf der Seite des österreichischen Parlaments (Screenshot).

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